Magdeburg l Auf dem Weg vom Adelheidring zur Großen Diesdorfer Straße hat sich am Montagabend ein schwerer Unfall ereignet: Laut Polizeibericht hat ein 56-Jähriger mit seinem in Dresden zugelassenen Transporter eine 47-jährige Radfahrerin angefahren. Die Frau starb wenig später an ihren schweren Verletzungen im Krankenhaus. Der Lkw-Fahrer musste mit einem Schock im Krankenhaus behandelt werden.

Kein eigener Bereich für Radfahrer

In dem Bereich der Großen Diesdorfer Straße gibt es zwei Fahrspuren pro Richtung. Auf der linken Spur liegt auch das Gleis der Straßenbahn. Ein Radweg, ein Radfahrstreifen oder ein Radfahrschutzstreifen sind in diesem Bereich nicht vorhanden.

Der Lkw-Fahrer hatte ausgesagt, dass die Radfahrerin kurz vor dem Überholvorgang links ausgeschert sei. Norman Dreimann, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) sagt aber gegenüber der Volksstimme: „Das bedeutet aus meiner Sicht aber nicht, dass die Radfahrerin die Schuld an dem Unfall trägt.“ Grund: Auf den Aufnahmen vom Unfallort ist zu erkennen, dass sich die Bremsspuren des Transporters auf der rechten Fahrspur befinden. Es sei also davon auszugehen, dass der Fahrer des Transporters beim Überholen einen seitlichen Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten hat. Zwar ist in der Straßenverkehrsordnung von dieser Zahl nicht die Rede. Hier ist nur die Rede davon, dass insbesondere zu Radfahrern und Fußgängern ein ausreichender seitlicher Abstand eingehalten werden muss. Laut Deutschem Anwaltsverein gehen deutsche Gerichte aber von einem Mindestabstand von 1,5 Metern aus. Der könne unter bestimmten Umständen zum Beispiel aufgrund der Windverhältnisse oder der Größe des Fahrzeugs sogar noch größer ausfallen.

Immer wieder fällt Abstand zu niedrig au

Norman Dreimann jedenfalls hat immer wieder beobachtet, dass in Magdeburg diese Abstände nicht eingehalten werden. Er sagt: „Vielen fehlt dafür offenbar das Bewusstsein.“

Insgesamt ist in Magdeburg die Zahl der Unfälle mit Radfahrern zurückgegangen. So war im Jahr 2015 im Vergleich zum Jahr zuvor in der Stadt die Zahl der Unfälle mit Radfahrern um 13 Prozent gesunken. Gesunken war auch die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden, an denen Radfahrer beteiligt waren – nämlich um 17,6 Prozent – und die Zahl der Unfälle mit getöteten oder schwerverletzten Personen (-24 Prozent). Die Statistik der Polizeidirektion Nord für das Jahr 2015 zeigte zudem, dass Radfahrer in 181 der erfassten Fälle als Verursacher gelistet werden – das waren 10,1 Prozent weniger als im Jahr 2014. Bei 61 Prozent der Verkehrsunfälle mit Radfahrern lag die Schuld bei anderen Verkehrsteilnehmern, so die Statistik der Polizei.

Trotz dieses positiven Schlaglichts aus dem Jahr 2015 kommt es aber immer wieder zu schweren Unfällen. Mit weiß angestrichenen Rädern wird bislang an drei Stellen in der Stadt an Radfahrer erinnert, die bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen: in der Albert-Vater-Straße an der Ringauffahrt, an der Hundisburger Straße sowie am Breiten Weg an der Kreuzung mit der Großen Steinernetischstraße. Norman Dreimann sagt: „Mit der Großen Diesdorfer Straße haben wir leider nun eine weitere Stelle, an der ein solches weißes Fahrrad platziert werden sollte.“