Magdeburg l Die Ur-Neustädter sollen sich in ihrem Stadtteil Neue Neustadt in Magdeburg wieder wohlfühlen. Das erklärt SPD-Stadtrat für Neue Neustadt, Marko Ehlebe, in einer aktuellen Forderung seiner Fraktion. Er spricht von einer „angespannten Situation“ rund um das Wohngebiet am Moritzplatz, mehrfach hätten sich Bürger über Lärm in der Nacht, Müll auf den Straßen und Sachbeschädigungen beschwert.

Ehlebe und seine Fraktionskollegen setzen sich für eine Quartiersvereinbarung ein. Die soll das Ziel haben: weg vom Image einer unwirtschaftlichen und unattraktiven Wohngegend, hin zu einer geordneten städtebaulichen Entwicklung.

Flächen für Eigenheime freigeben

Für CDU-Stadtrat Hubert Salzborn (Wahlbereich Neue Neustadt) könnte das bedeuten: die Brachflächen im Stadtteil zur Bebauung für Eigenheime freigeben. So könnten neue Anwohner gewonnen werden, „die Geld in Neustadt ausgeben“. Salzborn (Fraktion CDU/FDP/BfM) unterstützt die Initiative der SPD. Und hat zudem eine konkrete Idee in Sachen Lärmschutz am Magdeburger Ring – nämlich einen hohen begrünten Wall im Gegensatz zur „hässlichen Wand“.

Doch mit dem Schallschutz ist nicht das Problem abends auf den Straßen geklärt. In das Viertel am Moritzplatz sind in den vergangenen Jahren rund eintausend Rumänen gezogen. Die Kinder und Jugendlichen sind oft bis spät in der Nacht draußen unterwegs, die Erwachsenen musizieren auf dem Hof und es wird sich lautstark unterhalten. Marko Ehlebe vermutet, dass die Wohnungen der rumänischen Großfamilien „stark überbelegt sind“. Und sich auch deswegen so viel „vor der Tür“ abspielt.

Toleranzgrenze in Neue Neustadt erreicht

Doch egal aus welchem Grund es nachts so laut ist, die Toleranzgrenze von Petra Neumann „ist mittlerweile erreicht“. Sie lebt in Neue Neustadt und ist Teil einer Eigentümergemeinschaft, denen ein Mehrfamilienhaus am Polarspielplatz gehört. Heute sucht Petra Neumann wesentlich länger nach einem neuen Mieter als noch vor ein paar Jahren. Sie fürchtet sogar um den Wertverlust ihrer Immobilie.

Hans-Joachim Mewes von der Stadtratsfraktion Die Linke (Wahlbereich Neue Neustadt) kann den aktuellen Aufruhr um die Wohngegend nicht nachvollziehen. „Ich glaube, dass die deutsche Bevölkerung überreagiert“, erklärt Mewes. Der Stadtrat sieht die Lösung im gemeinsamen Gespräch. „Reden hilft immer.“

Kommunikation mit Rumänen

Genau das wünscht sich auch Vermieterin Petra Neumann – eine Kommunikation mit den Rumänen. Doch keiner verstehe sie, es fehle an einem Ansprechpartner, der übersetzen kann. Für Petra Neumann fängt das Verständigungsproblem bereits beim Hinweisschild auf dem Spielplatz vorm Haus an. „Klare Regeln in verschiedenen Sprachen müssten dort stehen“, schlägt Petra Neumann vor.

Weder sollen die Rumänen gehen, noch will Petra Neumann ihren Kiez verlassen. Sie wünscht sich einfach nur eine Kommunikation über Regeln, an die sich alle zu halten haben. Denn Fakt ist: Die ersten Ur-Neustädter sind wegen der Probleme im Viertel ausgezogen. Das bestätigt Hartmut Voigt von der Wohnungsgenossenschaft Post und Energie. Acht Mieter haben bereits ihren Vertrag gekündigt. Mit der Begründung: Das Umfeld habe sich verschlechtert.