Magdeburg l Seit einer Woche ist in Magdeburg die Baustelle des Citytunnels auch in Fahrtrichtung stadtauswärts gesperrt. Lediglich Bahnen der Linien 1 und 4 der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) rollen noch bis Dienstag, 19. April unter den Brücken der Ernst-Reuter-Allee. Dann werden die Linien geteilt und es wird die Baustellenlinie 41, welche die westlichen Stadtteile mit der Innenstadt verbindet, im Einsatz sein. Fußgänger und Radfahrer werden noch etwa drei Monate durch den Hauptbahnhof geleitet, Autofahrer weichen u. a. auf die Bundesstraße (B) 1, die Hallische Straße und die Straße „Am Fuchsberg“ aus, um sich stadtauswärts zu bewegen.

Die Bilanz für die erste Woche der Komplettsperrung fällt entspannt aus. „Man muss etwas mehr Zeit einplanen zum Beispiel auf der B 1, aber insgesamt läuft es“, so Stadtsprecher Michael Reif. Es komme zu Staus, diese ließen sich allerdings nicht vermeiden, so Reif, der für Verständnis wirbt.

Navigationssysteme: Demnächst sollen auch die Signale für alle Navigationssystem so umgestellt sein, dass die Geräte bei ihrer Routenplanung auf die gegenwärtige Situation reagieren können. „Mit der Landesstraßenbaubehörde haben wir die Koordinaten weitergegeben“, so Michael Reif. Das Einstellen der Sperrumfänge am Hauptbahnhof in die Navigationssysteme für das Stadtgebiet erfolgt über diesen Landesbetrieb. Die Daten seien bereits eingepflegt, wohl ab Mai soll die Umstellung erfolgen.

Auswirkungen der Sperrung stadteinwärts seien im City Carré kaum feststellbar in dieser ersten Woche, „da die Kunden bereits seit der Sperrung der Baustelle für Fahrzeuge aus Richtung Stadtfeld kommend spürbar ausbleiben“, so Centermanager Guido Reuter, der auch Mitglied der Interessengemeinschaft (IG) Innenstadt ist. Die Gründe dafür sieht er in einer unzureichenden Beschilderung etwa an den Ringbrücken, wie Auswärtige in die Innenstadt kommen, sowie die fehlende Aktualität der Navigationssysteme.

Umsatzrückgang: Seit Beginn der Baumaßnahmen im Mai des vergangenen Jahres sei im Einkaufscenter ein Umsatzrückgang von 10 bis 15 Prozent festzustellen. Kündigungen von Mietern seien wegen der Tunnelbaustelle zwar nicht eingegangenen, doch sind drei Geschäfte im Außenbereich zur Ernst-Reuter-Allee umgezogen. Aktionen wie freies Parken in der Tiefgarage sind vom Centermanagement gestartet worden, welche die Kunden in das Center führen sollten. Mittlerweile sei das Budget für weitere Vorhaben dieser Art aufgebraucht, so Reuter. „Veranstaltungen wie die große Sommerausstellung fallen dadurch weg.“

Im City Carré sei die Kundenfrequenz mittlerweile zumindest „annährend stabil“, Leerstände in den Einkaufsstraßen der Innenestadt hingegen würden sich vergrößern. „Die Frequenz von außerhalb fehlt kolossal, weil diese Kunden nicht durchblicken, wie sie in die Innenstadt kommen, weil es zu kompliziert ist“, verweist er. Wie sich die Innenstadt während der Jahres des Tunnelsbaus entwickele, sei nicht abzusehen.

Gespräch: Die IG Innenstadt fordert daher von der Stadt neben einer verbesserten Ausschilderung der Ringabfahrten, die Innenstadt führen, auf den Parkflächen täglich ab 17 Uhr ein kostenfreies Parken zu ermöglichen, „um den Anreiz zu geben, sich in der Innenstadt aufzuhalten“. Eine weitere Forderung ist, die Inhalte aus dem Tunnelvertrag zwischen Stadt, Deutscher Bahn und IG Innenstadt wie etwa das Anwenden von Marketinginstrumenten, umzusetzen. „In Bezug darauf befinden wir uns in Gesprächen“, so Reuter.

Achillesverse: Die IG trifft sich zu Wochenbeginn mit dem Baubeigeordneten Dieter Scheidemann. Ein Thema dabei ist die Ringabfahrt „Wiener Straße“, so IG-Sprecher Arno Frommhagen. Die Abfahrt gilt als eine der beiden wichtigsten Umgehungsstraßen für Innenstadtbesucher. Allerdings hat sich dort die Staugefahr massiv erhöht, nachdem die Baustelle für den Trassenbau der Straßenbahn ausgeweitet wurde. Frommhagen: „Wenn uns jetzt auch noch die Umleitungsstrecke aus Richtung Süden über die Wiener Straße zugebaut wird, können wir langsam nicht mehr von Freundschaft gegenüber der Stadtverwaltung reden.“