Magdeburg l „Wir wollen, dass das Thema Radfahren in Magdeburg ernster genommen wird“, sagte Norman Dreimann, Vorstandsvorsitzender des ADFC Magdeburg, gegenüber der Volksstimme. Der Fahrradclub will deshalb mit seiner neuen Kampagne „Fahrradstadt Magdeburg. Jetzt!“ für eine Verbesserung des Radverkehrs werben. „In einer Elbestadt mit glücklicherweise wieder wachsender Bevölkerung kann der Radverkehr ein Mittel sein, die Verkehrsprobleme zu lösen“, ist Dreimann überzeugt.

Doch es seien Verbesserungen nötig. Als Beispiele nannte er Radwege entlang von Hauptverkehrsstraßen wie der Lübecker Straße, Schönebecker Straße oder Großen Diesdorfer Straße, wo man dringenden Handlungsbedarf sieht. Wortmeldungen zur Petition auf der Homepage des Fahrradclubs bestätigen, was vielen Zweiradnutzern auf der Seele brennt: Man lebe als Radfahrer im Stadtverkehr oft gefährlich, heißt es da. Oder: „Radwege an Fahrbahnen sind meist viel zu schmal.“ Bemängelt werden zudem „unklare und häufig umständliche Verkehrsregelungen“ sowie „unzureichend ausgebaute Radwege“. Andere wünschen sich einen Radschnellweg in der Stadt.

40 Prozent Radverkehrsanteil

Magdeburg müsse umsteuern, unterstreicht Norman Dreimann. Bis zum 22. September will der ADFC 2000 Unterschriften für eine Petition sammeln und an Rathauschef Lutz Trümper überreichen. 268 waren es bis Freitagabend, wenige Tage nach dem Start der Initiative. Bei der Eröffnung des nächsten Teilabschnitts des Schroteradwegs war am Freitag auch Gelegenheit, sich der Petition anzuschließen. Diese enthält fünf Forderungen:

Langfristig fordert der ADFC eine Erhöhung des Radverkehrsanteils auf 40 Prozent auf Wegen bis 7 km. Auf Strecken von 1 bis 3 km und 3 bis 5 km hat das Rad in Magdeburg bereits einen Anteil von 21 bis 23 Prozent. Besonders viel Potenzial gebe es auf Wegen von 5 bis 10 km. Hier werden bisher nur 7 Prozent aller Wege mit dem Rad erledigt. „Magdeburg hat großes Potenzial für eine Fahrradstadt. 88 Prozent aller Wege sind innerstädtisch, also perfekt für das Fahrrad“, so Norman Dreimann. Und auch die Größe der Stadt mache sie für Radfahrende sehr attraktiv, da sich die Stadtmitte von fast jedem Ort in der Stadt innerhalb von maximal 20 Minuten erreichen lasse. Dieses Potenzial müsse stärker genutzt werden.

8 Euro pro Einwohner im Jahr

Ein Haushalt für den Radverkehr ist die Kernforderung der Petition, mit der alle anderen Ziele verwirklicht werden sollen. Der ADFC will erreichen, dass die vom Bundesverkehrsministerium im Nationalen Radverkehrsplan geforderten 8 Euro pro Einwohner und Jahr für den Radverkehr auch im Magdeburger Haushalt eingeplant werden.

Bisher gibt es das hier nicht. „Jedes Projekt muss immer wieder einzeln finanziert werden. Immer wieder muss man selbst um die kleinsten Summen kämpfen“, so der ADFC-Chef. Dabei könne man selbst mit wenig Geld häufig viel erreichen. Das beste Beispiel dafür sei die Instandsetzung der Tunnelunterführung in der Glacis-Anlage, an der sich nun viele Radfahrende erfreuen würden.

Verbesserung der Radinfrastruktur

Langfristig sollen noch fehlende Fahrradabstellanlagen in der Stadt eingerichtet, alte Radwege wieder instand gesetzt und an die Regelstandards der sogenannten ERA2010 angepasst werden. Dieser soll den Radverkehr koordinieren, Planungen betreuen sowie die Radfahrenden in der Verwaltung vertreten.

Vision – null Verkehrstote

Es wird eine Verkehrsbilanz ohne Tote angestrebt. Die Förderung des Radverkehrs soll dazu beitragen.

So weit die Kernforderungen. Die Möglichkeit zum Unterschreiben hat man auf der Homepage des ADFC oder direkt beim ADFC am Breiten Weg 11a mittwochs 17 bis 19 Uhr. Am 17. Juni demonstriert der Fahrradclub mit dem Fahrradaktionstag für die Umsetzung der Forderungen.