Volksstimme: Die Strombrücke soll verlängert werden. Die Magdeburger warten darauf. Wann geht es los?

Lutz Trümper: 2016 soll das Planfeststellungsverfahren beendet werden. Dann wird ausgeschrieben. Baubeginn ist 2017. 2019 soll die Verlängerung dann eingeweiht werden.

Wie groß ist die Gefahr, dass sich Tunnelbau und Strombrückenverlängerungsbau überschneiden?

Das kann passieren, ist aber kein Problem, weil die Strombrückenverlängerung parallel zur bisherigen Brücke gebaut wird. Sperrungen gibt es erst gegen Ende der Bauzeit, wenn die Fahrbahnen für die neue Brücke hergestellt werden müssen.

Der Blaue Bock wird endlich gebaut. Viele Magdeburg freuen sich, sind aber auch enttäuscht, nicht ausreichend beteiligt worden zu sein. Warum hat eine Jury quasi im stillen Kämmerlein und ohne Bürgerbeteiligung beschlossen, wie der neue Blaue Bock aussehen soll?

Ich habe das Glück und das Leid gehabt, die Entwürfe zwei Tage lang mitzudiskutieren. Dabei geht es ja nicht nur um die Fassade, sondern das gesamte Gebäude mit seiner Funktionalität. Das müssen Fachleute bewerten. Natürlich könnte man einen Wettbewerb machen: Was finden die Magdeburger schön? Aber das hat dann mit dem, was ich baue und brauche nichts zu tun. Es muss sich nur mal jeder selber Fragen für den Fall, dass er ein Haus baut, ob dann auch die Mehrheit seiner Straße entscheiden dürfte, wie sein Haus aussehen soll.

Hier geht es nicht um irgendein Haus, sondern um Magdeburgs neue Mitte.

Ja, es ist aber ein Haus, in das kein Steuergeld fließt. Ein Haus im öffentlichen Raum führt immer zu einer Diskussion. Mir fällt aber nicht ein, wie man es hätte anders machen können. Eine Abstimmung ist kein geeignetes Mittel, weil man diese Detailliertheit der Funktionalität nicht der Bevölkerung darstellen kann. Das ging beim Hundertwasserhaus, dem Allee-Center oder dem Nord LB-Gebäude auch nicht. Das bekommt man einfach nicht hin. Man könnte das machen über die Frage: Baue ich überhaupt, aber nicht über die Gestaltung.

Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Ja, und ich bin sicher, dass viele sagen werden: Das ist eine tolle Ergänzung.

Es heißt, das Ergebnis sei nicht Ihr Favorit gewesen.

Ja, das stimmt, mein Favorit war vor der Jury-Sitzung das „Ei“. Da habe ich mich aber nur von der Fassade leiten lassen. Zieht man aber alle Faktoren zusammen wie Funktionalität, Kosten, Energieverordnung, Einpassung in die Umgebungsbebauung usw. ist der Siegerentwurf für mich die beste Lösung. Auch eine andere Frage spielte eine Rolle. Viele hätten am Tag der Einweihung gesagt: Toll, am zweiten aber schon gefragt, ob die SWM nicht größenwahnsinnig sind, sich ein solches Prunkgebäude wie das „Ei“ mit den Geldern der Kunden zu bauen. Das wäre ja garantiert auch gekommen. Am Ende hat die Jury einstimmig entschieden.

Magdeburg fehlt nach wie vor ein urbanes Zentrum, in dem die Leute bummeln. Der Ulrichplatz könnte in der Achse Bahnhof-City Carré-Ulrichshaus-Allee-Center eine solche Funktion mit einer geschickten kleinteiligen Bebauung übernehmen.

Das lehne ich kategorisch ab. Die Grünfläche dort hat an dieser Stelle eine gute Position im Umfeld mit den Gaststätten. Deshalb wäre es jetzt völlig kontraproduktiv, da jetzt was hinzusetzen. Da gibt es andere Stellen die mit Bebauung ergänzt werden müssten, zum Beispiel den Universitätsplatz und weitere Teile der Bärstraße zur Elbe hinunter.

Magdeburg will Kulturhauptstadt werden, aber kaum einer in der Stadt nimmt das wahr. Wie wollen Sie Begeisterung entfachen?

Es gab einen ersten Workshop mit 100 Teilnehmern in mehreren Themenfeldern. Jetzt geht es darum, die Grundlagen zu legen – und das geht nicht mit 1000 Leuten. Jetzt geht es um das Leitthema, unter dem wir uns versammeln wollen. Danach suchen wir. Wenn wir das gefunden haben, können wir es mit Projekten untersetzen und dann gehen wir auch in die Breite. 2016 wird ein Büro eingerichtet, das sich bis 2018 darum kümmern wird, die Leute mitzunehmen und zu begeistern.

Der FCM hat eine riesige Euphorie ausgelöst und macht bundesweit Werbung für Magdeburg. Was können Sie tun, um den Klub zu unterstützen?

Der FCM hat eine große Begeisterung ausgelöst, die wir uns immer gewünscht haben. Wir sind in der Sportschau zu sehen. Wir haben die zweitbesten Zuschauerzahlen in der Liga und stehen auch sportlich gut da. Wir als Stadt wollen das aufnehmen und werden mit kleineren Maßnahmen als Eigentümer des Stadions den Klub unterstützen. Dazu gehören die Schutzwände am Gästebereich, damit wir unsere eigenen Plätze besser nutzen können. Das wird auch dem Klub helfen, weitere Einnahmen zu erzielen. Außerdem werden wir mit der Verlängerung der Strombrücke die Verkehrsanbindung verbessern. Ansonsten haben wir als Stadt unseren Teil geleistet mit dem Bau des Stadions. Zudem müssen wir gemeinsam überlegen, wie wir die wenigen Randalierer stoppen können, die immer wieder für Negativschlagzeilen sorgen. Das können aber nur die Fußballfans selber machen.

Hand aufs Herz: Ist der Aufstieg des FCM für Sie eine späte Genugtuung, weil Sie immer für den Stadionbau gekämpft hatten?

Zumindest ist der Beweis angetreten, dass wir mit einem kleineren Stadion mit 15 000 Plätzen falsch gelegen hätten. Bei dem derzeitigen Schnitt von 18 000 Zuschauern würden dem Klub so rund 1,5 Millionen Euro an Zuschauereinnahmen verloren gehen. Übrigens: In der zweiten Liga wird das Stadion sogar immer voll sein.

Hilft der Aufschwung des FCM und die vielen Zuschauereinnahmen der Stadt, den Stadionkredit eher zurückzuzahlen?

Nein, wir zahlen nach wie vor den Zuschuss von 360 000 Euro für den Stadionbetrieb, den wir auch schon beim alten Grubestadion hatten. Ansonsten wird alles andere eingespielt. Der Betrieb des Stadions ist kein Verlustgeschäft. Der Imagegewinn ist sowieso nicht bezahlbar.

Die Kleingärtner und ihre Angst um ihre Parzellen haben 2015 auch geprägt. Anlass war eine Kleingartenkonzeption, die den Wegfall von tausenden Kleingärten vorsah. Als die Volksstimme berichtete, brach ein Sturm der Entrüstung los. Wie ist der Stand?

Unsere Absicht mit dem Konzept war nicht, Kleingärtner zu vertreiben, sondern ein Hilfsangebot zu unterbreiten, um das wir seit Jahren vom Kleingartenverband gebeten worden sind. Der Verband hat uns immer mitgeteilt, dass er mit dem erhöhten Leerstand in finanzielle Schwierigkeiten kommt, weil ja die leeren Parzellen mit bezahlt werden müssen. Die Frage ist, was mit den leeren Flächen passiert. Denn wir können mit einzelnen leeren Gärten nichts anfangen, sondern nur mit ganzen Flächen. Und dieser Prozess, der Jahrzehnte dauert, sollte mit dem Kleingartenkonzept beschrieben werden. Dazu gehört, dass die Stadt bei Umstrukturierung geholfen hätte, z. B. mit finanzieller Unterstützung beim Rückbau von leeren Gärten. Wenn man das nicht will, dann geht es auch anders. Dann muss aber jeder wissen, dass er auch die Kosten übernehmen muss, um seine Laube abzureißen, wenn es keinen Nachfolger gibt. Jetzt warte ich aber, was der Kleingartenverband mir schreibt. Ich habe jedenfalls keine panische Eile.