Magdeburg l Wenn – hoffentlich – 2020 der komplette neue Strombrückenzug in Magdeburg steht, wird es für den Nutzer keinen Unterschied machen, ob er über eine tatsächlich ingenieurtechnisch „verlängerte“ Strombrücke (wie zunächst geplant) den Neubau erreicht oder (wie jetzt avisiert) auf zwei komplett separaten Brückenbauwerken – alt und neu – die Elbe und ihre beiden Nebenarme überfährt. Für die Planer und später für die Bautrupps dagegen bedeutet die Abkehr von der Verlängerungsvariante am Bestandsbauwerk (Baujahr 1965) über die Stromelbe Mehraufwand. Das geht aus einem Informationspapier über den Stand der Vorbereitungen zum „Ersatzneubau Strombrückenzug“ hervor, das jetzt die Magistratsrunde beim Oberbürgermeister passierte und im Juni offiziell im Stadtrat anlandet.

„Im Ergebnis der statischen Nachrechnung“, heißt es in dem Papier, hätten sich „neue Erkenntnisse ergeben, welche eine Verlängerung der bestehenden ,Neuen Strombrücke‘ ingenieurtechnisch und wirtschaftlich nicht rechtfertigen“. Nach altem Plan sollte die Brücke Richtung Osten um 35 Meter verlängert und an den neuen Brückenschlag über Zoll- und Alte Elbe angeschlossen werden. Die Ergebnisse der statischen „Nachrechnung“ verfehlten allerdings glatt das erforderliche Ziellastniveau entsprechend der höchsten Brückenklasse 60/30.

Verstärkungen notwendig

Konkret muss eine Brücke dieser Klasse auf der Hauptspur einen Schwerlastwagen von 60 Tonnen und auf der Nebenspur einen von 30 Tonnen Gesamtlast schultern. Ohne umfangreiche Verstärkungen an den Trägern und am Stahlüberbau meistert die Strombrücke diese Aufgabe nicht. Überdies seien „Inhomogenitäten“ am Stahl festgestellt worden, die dessen Schweißeignung infrage stellten. Mit Probeschweißungen soll nun nach einer geeigneten Technologie gesucht werden, alte und neue Bauteile miteinander zu verbinden.

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Das Baudezernat listet die notwendigen Sanierungsarbeiten an der Strombrücke auf: Verstärkung der Hohlkastenträger-Bodenbleche, Verstärkung der Quer- und Schienenträger-Untergurte, Verstärkung Stahlüberbau, Austausch der Lager, Instandsetzung Überbau, Verstärkung Auflageachse ...

Zeitplan wird gehalten

Für die Öffentlichkeit ergeben sich drei wesentliche Fragen aus dem Strombrücken-Dilemma: 1. Verzögert es die Bauzeit? 2. Drohen Sperrungen? 3. Erhöhen sich die Kosten? Auf Frage eins antworten der Oberbürgermeister und der Baubeigeordnete auf Nachfage unisono: „Nein.“ Die Sanierung der Strombrücke soll sich nahtlos ins Gesamtprojekt samt Neubau einfügen, das sich nach aktuellen Plänen von Oktober 2017 etwa drei Jahre lang bis Herbst 2020 erstrecken soll.

Brisant und von erheblichen Auswirkungen auf den Stadtverkehr ist die Antwort des Baubeigeordneten Dieter Scheidemann auf die Frage nach den Sperrfristen beim Brückenbau. Während bisher – auf dem Stand war am Montag auch noch OB Lutz Trümper – von einer bis zu 9-monatigen Sperrung am Ende der Baufrist die Rede war, korrigiert Scheidemann am Montag nach Rücksprache mit dem zuständigen Mitarbeiter: „Jetzt sind wir bei neun bis zwölf Monaten, voraussichtlich in mehreren Abschnitten.“ Bis zu einem Jahr lang wird der Elbübergang also nicht nutzbar sein. Einen Vorgeschmack auf die Zeit liefert schon ab Mittwoch eine erneute Teilsperrung der Anna-Ebert-Brücke.

Unklare Kosten

Was die Kosten betrifft, herrscht in Sachen Strombrückensanierung noch Unklarheit. „Wir rechnen gerade“, so Scheidemann. Insgesamt soll die Erneuerung des Brückenzuges samt Neubauten nach heutigen Schätzungen rund 60 Millionen Euro kosten; 50 Millionen Euro Fördergeld hat das Land zugesagt.

Trümper rechnet mit Teuerung: „Die Zahlen sind schon wieder zwei Jahre alt. Die Baukosten steigen permanent. Wenn ich jetzt 80 Millionen sage, werden wir am Ende vielleicht gelobt, weil es zehn Millionen Euro billiger wird. Aber es nutzt ja alles nichts, die Brücke muss gebaut werden.“ In sieben Monaten ist der Baustart geplant.