Hintergrund

Januar 2012: Nach jahrelangem Streit um die freie Schulwahl beschließt der Stadtrat die Aufhebung der fünf Stadtfelder Grundschulbezirke (Modellprojekt für zwei Jahre).

Juli 2014: Die Stadtverwaltung stellt den Entwurf einer Neuordnung aller 31 Grundschulbezirke vor. Jeweils zwei bis vier sollen zusammengelegt werden und innerhalb der Großgrenzen freie Schulwahl herrschen. Hintergrund ist die drohende Überfüllung von Schulen.

Januar 2015: Der Stadtrat beschließt die neuen Grundschulgroßbezirke und damit die freie Schulwahl in allen Stadtvierteln.

März 2015: Der Stadtrat nimmt seinen Januar-Beschluss zurück, die freie Schulwahl ist passé.

Dezember 2015: Die Stadtverwaltung schlägt wegen drohender Überfüllung den Neuzuschnitt von Schulbezirken vor.

Januar 2016: Der Stadtrat vertagt den Entscheid über die neuen Schulbezirke. Eltern protestieren.

Februar 2016: Der Bildungsausschuss gießt viel Schimpfe über die Schulplanung der Verwaltung aus und fordert den Neubau von Grundschulen bzw. Notlösungen (z. B. Container) bis zu deren Eröffnung. In der Folge stimmt der Stadtrat dem Notzuschnitt neuer Schulbezirke zu – allerdings nur unter der Bedingung, dass der Oberbürgermeister umgehend Neubauten in Angriff nimmt.

April 2016: Lehrergewerkschaft, Hortbetreiber und Eltern schlagen Alarm wegen überfüllter Grundschulen in Magdeburg.

Juni 2016: Der Stadtrat beschließt Schulneubauten für Stadtfeld und Ottersleben und einen Anbau für Brückfeld. Außerdem verlangt er eine Neuplanung auf Basis von maximal 22 Schülern pro Einschülerklasse.

Magdeburg l Unter dem Kurztitel „Optimierte Schulplanung“ hat die Stadtverwaltung in dieser Woche ein sehr umfangreiches und nicht eben leicht verdauliches Beschlusspapier für den Stadtrat vorgelegt. Ziel soll eine bessere Verteilung der Einschüler ab dem Jahrgang 2018/19 auf die kommunalen Grundschulen sein. Hintergrund ist die Überfüllung einer wachsenden Zahl von Schulen im ganzen Stadtgebiet. Die dauerhaft hohe Geburtenrate und die Zuwanderung von Flüchtlingen erhöhen Jahr für Jahr die Zahl der Grundschüler. Aktuell besuchen stadtweit knapp 6500 die 31 städtischen Grundschulen. Bis 2019 wird ein Anstieg auf über 7000 erwartet.

Weil sich Schulneubauten nicht von heute auf morgen realisieren lassen, sollen nun die Statistiker im Rathaus die Enge in den Schulen bekämpfen helfen – mittels „einem mathematischen Verfahren der linearen Optimierung unter Nebenbestimmungen in Kombination mit stochastischer Simulation“, heißt es für den Laien schwer verständlich im Beschlusspapier. In der Praxis speisen Statistiker die Anschriften von Einschülern ein und ermitteln unter Berücksichtigung der Schulweglänge, der Raumkapazität an den Schulen und einer mittleren Klassenfrequenz von 22 Schülern, wo der Abc-Schütze lernen soll. Wegen Jahr für Jahr schwankender Einschülerzahlen dürfte das Ergebnis der Berechnungen jeweils unterschiedlich ausfallen, so dass die stehenden Schulbezirksgrenzen damit hinfällig und jährlich veränderlich wären.

Ziel ist eine gleichmäßigere Verteilung der wachsenden Einschülerzahl auf die bestehenden Schulen. Nach den Vorstellungen der Verwaltung soll der Einschülerjahrgang 2018/19 im Testlauf optimiert verteilt werden. Alternativ sei die komplette Aufhebung der Schulbezirke zu prüfen – dann entscheiden die Eltern, welche Schule ihr Kind besuchen soll. Ist sie zu voll, entscheidet das Los.

Im Stadtrat steht der Vorschlag am 17. November zur Diskussion.