Magdeburg l Detlef Hubold ist Dachdecker. Daneben vertritt er Elterninteressen seit fast zwei Jahrzehnten. Im November wird der Stadtelternratsvorsitzende sich aus dem Gremium verabschieden. Sein dritter Sohn beendet die Schule. Noch vor seinem Abtritt nach zwei Dienstjahrzehnten im Ehrenamt hat es sich Hubold zur Aufgabe gemacht, seinen Nachfolgern zu besseren Arbeitsbedingungen zu verhelfen. Sein Vorwurf: Die Stadtverwaltung behindert die Arbeit durch finanzielle Austrocknung.

Streit ums Geld dauert schon Monate an

„Schon seit Monaten sind wir im Streit mit dem Fachbereich Schule und Sport der Stadtverwaltung um eine ausreichende Finanzierung unseres Geschäftsbedarfs“, erzählt Hubold. Kosten bis zu einer Höhe von 500 Euro im Jahr hätten bisher für die Miete des Elternrats-Servers bei einem Internetdienstleister und den Druck von Plakaten und Flyern vor allem für die vom Elternrat ausgerichtete Schulmesse geltend gemacht werden können. Auf weiteren Porto-, Kopier-, Druck- und Fahrtkosten blieben die Eltern sitzen, geschweige denn, dass sie die Möglichkeit zur Ausrichtung weiterer Infoveranstaltungen hätten.

„Wenn es heiß ist und wir ein paar Flaschen Wasser auf den Tisch stellen, bezahle ich das aus eigener Tasche“, sagt Hubold und hat die Nase voll von ständigen Auseinandersetzungen über die vom Elternrat eingereichten Rechnungen. Seinem Vize Tim Liebe, im Hauptamt Polizist, geht es nicht anders: „Was die Stadt mit uns macht, geht gar nicht“, lautet sein wütendes Fazit. Darin seien sich die Elternvertreter einig.

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Großes Arbeitspensum

Parallel sei das Arbeitspensum enorm gewachsen. „Früher haben wir uns einmal im Quartal getroffen, heute tun wir das monatlich und telefonieren fast täglich.“ Hintergrund ist die sich zuspitzende Situation, die Enge, der Personalmangel, der Unterrichtsausfall und die aus Sicht vieler Eltern mangelhafte Organisation des Schullebens an vielen Magdeburger Einrichtungen.

Die Verständigung zwischen Stadtelternrat und Stadtverwaltung, sagt Hubold, habe sich mit dem Amtsantritt von Matthias Puhle, Beigeordneter für Schule und Sport seit Ende 2014, erheblich verschlechtert. „Bei Herrn Koch konnten wir mal anklopfen und zum Beispiel Mehrbedarf zur Ausrichtung der Schulmesse geltend machen“, schwelgt Hubold in Erinnerungen an das aus seiner Sicht bessere Auskommen mit Puhles Amtsvorgänger Rüdiger Koch. Mit ihm hätten sich immer Lösungen gefunden, wenn den Eltern für sinnvolle Projekte das Geld fehlte. Heute fühle sich der Elternrat in zähen Verhandlungen mit der zuständigen Mitarbeiterin des Fachbereichs in die Rolle eines missliebigen Bittstellers gedrängt.

Fahrkarte statt Kilometergeld

Beispiele: Statt Kilometergeld bei Nutzung des eigenen Pkw abzurechnen, sollen die Eltern sich MVB-Fahrscheine im Amt abholen. Statt einen externen Dienstleiter zur Pflege des Internetauftrittes zu beauftragen, sollen sich Eltern auf Stadtkosten schulen lassen oder Sponsoren suchen. Porto und Kosten für Kopien könnten sie sparen, indem dies im Amt abgewickelt werde. Hubold nennt das unpraktikabel. „Wir sind berufstätig und sollen das während der Amtsgeschäftszeiten erledigen.“ Daneben sieht er die Unabhängigkeit der Elternvertretung in Gefahr.

Bildungsausschuss stellt sich dem Elternrat

Puhle weist die Vorwürfe von sich, führt fehlende Regelungen z. B. zur Fahrkostenerstattung im Landesgesetz ins Feld und schließt: „Ich kann Ihnen versichern, dass der Stadt sehr an einer guten Zusammenarbeit mit dem Stadtelternrat liegt.“ Hubold kann’s nicht ganz glauben. Im Bildungsausschuss des Stadtrates fanden die Eltern dagegen Gehör. „Wir teilen einstimmig die Auffassung, dass der Stadteltern mit einem ordentlichen Budget ähnlich dem der GWA in den Stadtteilen ausgestattet werden muss“, sagt der Ausschussvorsitzende Bernd Heynemann. Bis September sollen die Elternvertreter dazu ihren Bedarf auflisten. Dann müsse der Stadtrat abschließend entscheiden.

Hubold hofft auf eine Entspannung der Lage – zuallererst im Sinne der Schulkinder.