Magdeburg l „Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“ - dieses Sprichwort passt perfekt auf die Bebauungsplanung für das Gelände des ehemaligen Schlachthofs zwischen Liebknechtstraße und Sudenburger Wuhne. Es gibt einen Bebauungsplan-Entwurf für das Gelände, der jetzt ein sechstes Mal geändert werden soll. Ein interfraktioneller Antrag (CDU/FDP/BfM, Die Linke), der in der Juni-Sitzung des Stadtrats eingebracht wurde, schlägt das dem Stadtrat vor.

Streitpunkt seit über sechs Jahren ist die Frage, ob in der Bebauung und Entwicklung des Schlachthofgeländes Einzelhandelsflächen mit einbezogen werden sollen oder nicht.

Streit um Verkaufsfläche

Am Anfang war vom Investor geplant, dort Wohnungen zu bauen und eine Einzelhandelsfläche (Supermarkt/Fachmärkte) mit einer Gesamtfläche von 50.000 Quadratmetern zu integrieren. Eine Einzelhandelsfläche in dieser Größe wurde damals vor allem von den Innenstadthändlern und ihren Kollegen in der Halberstädter Straße abgelehnt. Sie beriefen sich erfolgreich auf das Magdeburger Märktekonzept. Und auch der Verein „Bürger für Stadtfeld“ hatte sich klar gegen Einzelhandel dort ausgesprochen.

Im Laufe der anhaltenden Diskussionen entschied sich dann der Investor, die Salla-Bau GmbH aus Weimar, das Bebauungsprojekt zu ändern. Vor allem wurde die Einzelhandelsfläche auf 5000 Quadratmeter reduziert. Wohnungen für Familien mit Kindern sollen entstehen, dazu Seniorenwohnungen.

Einzelhandel ausgeschlossen

Die Bauverwaltung der Stadt legte einen entsprechend geänderten Bebauungsplan-Entwurf vor. Der wurde im Sommer 2015 in den Fachausschüssen des Stadtrats diskutiert. Wert wurde vom Bauausschuss noch darauf gelegt, dass die ehemaligen Schlachthofgebäude als Baudenkmale geschützt und dass ein Spielplatz für das neu entstehende Schlachthof-Quartiert gebaut werde.

Außerdem wurde vom Bauausschuss ein Änderungsantrag formuliert, der besagte, dass Einzelhandelsflächen bei der Schlachthofbebauung ausgeschlossen werden. Für die Salla-Bau GmbH ein erneuter Rückschlag, denn die Projektplaner gehen davon aus, dass bei der Entwicklung eines neuen Wohnquartiers auch ein Einzelhandelsangebot „in direkter Nachbarschaft“ unbedingt notwendig sei, um die geplanten Wohnungen auch vermieten zu können.

Der Stadtrat hat während seiner Oktobersitzung 2015 dem Bebauungsplanentwurf Schlachthof einschließlich des Verbots von Einzelhandel zugestimmt, war also dem Antrag aus dem Bauausschuss mehrheitlich gefolgt.

Diskussion geht weiter

Für den Investor bedeutete dies, dass das Projekt nicht mehr umzusetzen wäre. „Es funktioniert nur im Ganzen, der Handel gehört einfach dazu“, kommentierte damals Salla-Projektentwickler Andreas Barth die Stadtratsentscheidung.

Allerdings ging gleich nach dem Stadtratsbeschluss die Diskussion weiter. Stimmen wurden laut, die forderten, dass der Schlachthof-B-Plan erneut im Stadtrat diskutiert werden müsse. „Da ist noch nicht das letzte Wort gesprochen“, sagte seinerzeit Stadtratsvorsitzender Andreas Schumann (CDU). Und auch von der Bürgerinitiative Stadtfeld kamen nach anfänglicher Ablehnung versöhnliche Worte. Man müsse den langjährigen Stillstand des Schlachthofprojekts beenden und eine Bebauung vorranbringen. Außerdem sei die ursprünglich geplante Einzelhandelsfläche von 50 000 Quadratmetern auf 5000 Quadratmeter reduziert worden, was ein Erfolg in der Sache sei.

Sechste Änderung in sechs Jahren

In besagtem neuen Antrag vom vergangenen Juni wird dem Stadtrat jetzt als Beschluss vorgeschlagen: „Innenstadtrelevantes Gewerbe und Handel wird nicht ausgeschlossen.“ Das heißt, Einzelhandel soll möglich gemacht werden. Eingebaut wurde auch die Forderung, dass dem Denkmalschutz bei der Schaffung von Einzelhandel Rechnung getragen werden müsse. Für diesen neuen Beschluss gilt es im kommenden September im Stadtrat Mehrheiten zu finden.

Die Bauverwaltung plant indes eine 6. Änderung des Bebauungsplans Nr. 223-1 „Schlachthof“. Er soll dann das gesamte Gelände zwischen Liebknechtstraße und den Bahngleisen an der Sudenburger Wuhne beinhalten und auch einen Spielplatz enthalten. Und wenn der Stadtrat im September zustimmt, auch Einzelhandelsflächen in dem denkmalgeschützten Rinderstall und der Kleinviehvermarktungshalle zuzulassen, könne dies problemlos in den B-Plan aufgenommen werden.

Investor hält am Projekt fest

Für Salla-Bau ist das eine gute Perspektive. „Wir werden an dem Projekt festhalten und bei einer Zustimmung das Schlachthofgelände umgehend entwickeln und bebauen“, sagte Andreas Barth.