Drackenstedt l Die erste Schaltstelle steht. Ein Aktivschrank, der die Technik zur Signalverteilung beherbergt. Ihm ist ein Kabelbündel angeschlossen, das imstande ist, mehr als tausend Breitbandanschlüsse zu versorgen.

Dem Grünstreifen am Drackenstedter Pfarrhaus ist kaum anzuerkennen, dass hier unter der Woche Tiefbau zwecks Kabeltrasse betrieben wurde. „Das hat mit dem Verfahren zu tun, das wir für den Netzbau anwenden“, sagt Andreas Riedel, Geschäftsführer des bauausführenden Unternehmens MDDSL. „Wir brauchen nur alle 50 bis 60 Meter ein Kopfloch und verlegen die Leitungen dann im Bohrspülverfahren und mithilfe einer Sonde, ohne dass wir Straßen und Wege komplett aufreißen müssen.“

Einen halben Kilometer täglich

Etwa einen halben Kilometer täglich schaffe man mit dieser Methode, weshalb Riedel sicher ist, den Tiefbau im Fördergebiet Obere Aller noch 2017 abschließen zu können. Beim symbolischen ersten Spatenstich am Donnerstag in Drackenstedt äußerte er folgenden Zeitplan: „Im Juli geht es richtig los. Wir schaffen zunächst in Druxberge einen Knotenpunkt, zweigen von dort zurück nach Drackenstedt und in die benachbarte Einheitsgemeinde Hohe Börde ab und gehen dann über Eilsleben und Ortsteile nach Ummendorf, Völpke, Hötensleben und Harbke. Voraussichtlich im September werden wir in den Orten Informationsveranstaltungen zu den Themen Bauverlauf, Anschlussvoraussetzungen und Kosten anbieten.“

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Thomas Wünsch, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt, erklärte vor Ort: „Der Breitbandanschluss auf dem Land ist eine wesentliche Aufgabe, der wir uns stellen und die in der Oberen Aller zügig vorankommt. Ich bin optimistisch, dass nächstes Jahr um diese Zeit schon die ersten Anschlüsse aktiv sind.“ Wünschs Haus hat – in Kooperation mit der Investitionsbank – der Verbandsgemeinde eine 2,16-Millionen-Euro-Zuwendung bewilligt. „Das bedeutet eine Ausbauförderung von 90 Prozent“, betonte der Staatssekretär. Die Mittel kommen aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und der Gemeinschaftsaufgabe Agrar- und Küstenschutz (GAK).

Minimum von 50 Mbit/s

Als Mindestvorgabe für das Hochleistungsnetz gilt eine Datenrate von 50 Mbit/s Downloadgeschwindigkeit für Privathaushalte, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Gewerbegebiete sollen gar auf doppelter Mindestbandbreite (100 Mbit/s) operieren können.

„Es geht mit der verbauten Glasfasertechnologie auch noch weit höher“, versetzte Andreas Riedel, „und unsere Kabeltrasse wird auch über ausreichende Kapazitäten verfügen, weit mehr als benötigt.“ MDDSL bringt siebensträngige Kabelbündel in den Boden. Jeder Strang kann bis zu 144 Glasfasern führen und als Abzweig ebensoviele Anschlüsse bedienen. Knüpfpunkte des Netzes sind die Aktivschränke. Riedel schätzt, dass „wir etwas 60 dieser Schaltstellen errichten werden.“