Peseckendorf l Aber wer ist Johannes Thal? Vielleicht kennen unsere Leser ja die Fernsehserie „In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte“. Die jungen Mediziner lernen in der Erfurter Johannes-Thal-Klinik das Laufen. Doch während besagte Klinik nur eine Fiktion, eine Erfindung der Filmleute ist, gab es den Arzt und Botaniker Johannes Thal tatsächlich. Steffen Rickes, selbst Arzt und als solcher Leiter der Klinik für Innere Medizin in der Helios Bördeklinik Neindorf, beschäftigte sich mit dem Leben Johannes Thals und fand unter anderem heraus, dass der Mann 1583 in Peseckendorf verstarb. Nun kommt an dieser Stelle eine Krankenschwester der Bördeklinik ins Spiel, die wiederum in Peseckendorf zu Hause ist. Über sie wurden schließlich die Kontakte zum hiesigen Kultur- und Heimatverein und seinem Vorsitzenden Mario Engelmann geknüpft. Dieser forschte daraufhin ebenso in der Geschichte, fuhr ins Landesarchiv, wo er interessante Details zum Leben Johannes Thals und auch seine Unterschrift und sein Briefsiegel „ausgraben“ konnte. Thal muss einen guten Ruf als Arzt gehabt haben, denn selbst Personen aus dem weiteren Umfeld holten den Rat des Medicus ein. So sollte Thal den an Tuberkulose erkrankten Nicolaus von Bortfeld in Eggenstedt behandeln.

Station in der Börde

Auf seinem Weg von Nordhausen in das Bördedorf machte der damals 41-Jährige Station in Peseckendorf bei den Gutsbesitzern Elisabeth und Hans Ernst von Asseburg. „Auf dem Weg nach Eggenstedt kam es in Schermcke zu einem Unfall mit dem Pferdefuhrwerk. Thal zog sich eine Verletzung am Fuß zu, die trotz ärztlicher Versorgung dennoch zu seinem Tod führte. Der Arzt wurde in Peseckendorf begraben“, kann Mario Engelmann berichten.

Damit sich der Schleier des Vergessens nicht gänzlich über Johannes Thal legt, haben der „Walter Krienitz-Verein zur Förderung der Medizin“, dessen Vorsitzender Steffen Rickes ist, und der Kultur- und Heimatverein Peseckendorf sowie der Förderverein Schloss Neindorf und die Stadt Oschersleben ein gemeinsames Projekt aus der Taufe gehoben. Am Wasserturm des Peseckendorfer Parks, und damit in der Nähe des vermutlichen Sterbeortes von Johannes Thal, soll künftig eine Gedenktafel an den Arzt und Botaniker erinnern.

„Wir können uns vorstellen, dass die Gedenktafel im Spätsommer angebracht werden kann“, berichtet Steffen Rickes beim Vor-Ort-Termin im Peseckendorfer Park. Hier übergab der Mediziner dem Vorsitzenden des hiesigen Kultur- und Heimatvereins ein Plakat, welches im Innern des Wasserturmes angebracht wird. Das Poster erzählt die Geschichte des Arztes Johannes Thal.

Schüler und Studenten einbezogen

„Fördern und Fordern von Nachwuchs“ unter diesem Motto werden auch junge Leute wie die künftige Medizin-Studentin Alexandra Jedrzejczak, die derzeit ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst in der Neindorfer Bördeklinik leistet, und Schüler des Oschersleber Gymnasiums in die Umsetzung des Projektes einbezogen. Die Kunstklasse des Gymnasiums unter der Leitung von Andreas Boldt werde im Rahmen eines künstlerischen Wettstreits einen Entwurf für die Gedenktafel gestalten.

Im Übrigen ging Johannes Thal nicht als Arzt in die Geschichte ein, sondern als Botaniker. Er stellte eine umfangreiche Liste der Pflanzen des Harzes zusammen, die als „Sylva Hercynia“ noch heute Bedeutung für Medizinstudenten hat.