Oschersleben l Oscherslebens Marktkirche St. Nicolai ist seit Monaten eine Baustelle. Und noch bis August soll es dauern, dass das Gotteshaus saniert wird. Dann aber ist ein wichtiger Baustein beim Erhalt der Kirche für spätere Generationen gesetzt: Der Schwamm ist bekämpft. Dieser hat dem historischen Gebäude arg zu schaffen gemacht, obwohl es 1994 erstmals eine Schwammbekämpfung gab. 2012 musste festgestellt werden, dass der Schwamm zurück ist. Für die neuerliche Schwammbekämpfung wurde 2013 ein erster Fördermittelantrag zum Programm „Stadtumbau Ost“ gestellt, 2014 folgte ein zweiter. Die Anträge wurden positiv beschieden mit der Konsequenz, dass die mehr als 200 000 Euro umfassende Sanierung zu 100 Prozent von Bund und Land gefördert wird.

Um dem Schwamm endgültig den Garaus zu machen, begann die Sanierung der Kirche im August des vergangenen Jahres damit, dass beinahe der gesamte alte Fußbodenaufbau entfernt wurde. Die Spur der Sporen wurde akribisch verfolgt und beseitigt. Vor allem die Wintermonate wurden genutzt, um einen neuen Unterboden für den Fußboden einzubauen. Sand und Kies in Größenordnungen sorgten allerdings auch dafür, dass in der Kirche eine Luftfeuchtigkeit von nahezu 100 Prozent herrschte. „Mit Belüftern und Lüften sind wir die Feuchtigkeit aber wieder losgeworden“, berichtet Rainer Bückner vom Gemeindekirchenrat St. Nicolai. Zur Schwammbekämpfung gehörte auch, dass jeder Ständer der Empore angeschaut wurde. Die Endstücke aus Holz wurden entfernt und durch einen „Betonfuß“ ersetzt. Ähnlich wurde mit den Treppenstufen zu den Emporen verfahren. Bei den jeweils letzten Stufen wurde das Holz durch Stein ersetzt. Die Treppen selbst bekommen eine neue Verkleidung, so entstehen Abstellmöglichkeiten für Stühle und dergleichen mehr.

Boden aus Sandstein

Der neue Fußboden der Kirche wird aus Sandstein bestehen. Die entsprechenden Sandsteinblöcke kommen aus Bad Langensalza und wurden an Ort und Stelle schon mal vom Gemeindekirchenrat und von den Werkstätten für die Denkmalpflege Quedlinburg, die den Zuschlag für die Erneuerung des Fußbodens bekommen haben, in Augenschein genommen. Der Grundton des Fußbodens werde wieder rot sein, das Fries behält den Beigeton. Geliefert werde der Sandstein in Blöcken 40 mal 90 bis 120 Zentimeter groß. „Die sogenannte Bahnenware ist preiswerter“, erklärt Rainer Bückner.

Bilder

Aktuell „tummeln“ sich die Fliesenleger der Oschersleber Firma Hausmann in der Kirche. Sie verlegen in den Nebenräumen die „alten“ Sandsteinplatten. „Alle Arbeiten liegen im Zeitplan, alle Handwerksfirmen haben ihre Termine eingehalten. Mit dem 6. August 2017 steht der erste Konzerttermin fest. Die jungen Musiker der Musikakademie Hundisburg wollen auch in diesem Jahr in der Oschersleber Marktkirche ein Konzert geben“, erklärt Bückner.

Mit riesigen Staubsaugern haben Mitglieder des Gemeindekirchenrates die Wände des Kirchenschiffes vom Staub befreit, erzählt Rainer Bückner, der indes von einem weiteren Projekt berichten kann. Über Fördermittel aus der Denkmalpflege können die Sandsteingewände der Fensternischen saniert werden. Da nun einmal an den Fenstern gearbeitet werde, solle die Notverglasung aus den siebziger Jahren gleich mit erneuert werden.

Neue Fenster

Die Oschersleber werden sich erinnern, dass am 15. Mai des vergangenen Jahres drei neue Fenster übergeben wurden. Der Wernigeröder Glasgestalter Günter Groß hat sie entworfen, entstanden waren sie in der Werkstatt Schneemelcher in Quedlinburg. Glasgestalter und Werkstatt haben bereits im Jahr 2007 „gemeinsame Sache gemacht“ und neue Fenster für den Chorraum der Kirche gestaltet. Nun also können weitere Fenster saniert werden. Der Kirchengemeinde sei es dabei im Zusammenspiel von Kirchenkreis und Förderverein gelungen, die von der Denkmalpflege zur Verfügung stellten Fördermittel in Höhe von 80 000 Euro gegenzufinanzieren.

Allerdings müsse der Glasgestalter noch zusätzlich bezahlt werden. Dafür werden nun Spenden gesammelt, insgesamt werden dafür rund 35 000 Euro benötigt.

Auch die Fenster unterhalb der Empore, ebenfalls nur eine Notverglasung sollen neu werden, das Holz ist im schlechten Zustand. Zudem können bislang nur wenige dieser Fenster geöffnet werden. Das soll in Zukunft für eine bessere Lüftung nicht mehr der Fall sein.