Hedersleben/Gröningen l Bei der fünften Auflage der Ausfahrt der Zwei-Taktfreunde haben die Teilnehmer einen neuen Rekord aufgestellt. Die große Zahl der Beteiligten bedeutet aber noch etwas – das Event hat sich damit zur größten Oldtimerausfahrt in ganz Deutschland gemausert.

Patrick Schmidt, Mitglied bei den Zwei-Taktfreunden, ist ganz begeistert von dem neuen Rekordwert. „Wir haben uns damit jedes Jahr noch einmal erheblich gesteigert“, sagt er. „Begonnen haben wir einst mit 30 Fahrzeugen.“ Ins Leben gerufen haben die Tour einst der Hedersleber und sein Bruder Benny, unterstützt werden sie seit Jahren von Swen Preihs (aus Ballenstedt) sowie Marcel Schubinsky (Magdeburg).

Viele Teilnehmer aus der Börde

In diesem Jahr konnten sie auf die Hilfe von neun weiteren Ordnern bauen. Das war auch notwendig, denn eine Steigerung zum Vorjahr – da waren es 400 Fahrzeuge – sei schon beizeiten zu erkennen gewesen. „Im nächsten Jahr werden bei den Zwei-Taktfreunden fünf neue Gesichter zu sehen sein“, erzählt Patrick Schmidt. „Schon während der Tour haben sich diese zukünftigen Unterstützer und neuen Mitglieder bei uns gemeldet.“ Die rasante Entwicklung nennt er schlichtweg eine Sensation.

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Die Teilnehmer kamen in diesem Jahr aus dem gesamten Harz, der gesamten Börde und darüber hinaus. Schmidt zählt einige Orte auf: „Es waren Menschen aus Wolfsburg, Erfurt, Köthen, Magdeburg und Bernburg mit dabei. Die Ausfahrt ist damit zum großen Ereignis für Mitteldeutschland geworden – wenn es um Ossi-Oldtimer geht.“

Der Parkplatz des Supermarktes in Hedersleben war zu angegebenen Zeit rammelvoll. Kaum ein Fleckchen war noch frei. Hunderte von Simson-Mopeds, Motorräder, Trabis und Wartburgs, selbst LO-Feuerwehrfahrzeuge standen für die große Tour bereit und die Oldtimerfans unterhielten sich vor dem Start ausgiebig. „Die Gaststätte vor Ort hat extra wegen uns geöffnet“, berichtet Patrick Schmidt. „Wir haben hier ein Frühstücksbüfett bekommen, bevor es losging.“

Zuschauer am Straßenrand

Die Ordner hatten alle Hände voll zu tun. An den Straßenrändern versammelten sich etliche Einwohner, um das Spektakel live zu erleben. Unter ihnen waren auch einige, die einfach nur ihren DDR-Oldie präsentierten, die Tour aber aus den verschiedensten Gründen nicht mitmachen konnten.

Holger und Bärbel Loof aus Wulferstedt sind mit ihrem Trabant-Kübel angereist und bereits das dritte Mal am Start. Das Auto ist seit sechs Jahren im Besitz der beiden. „Ich habe es selber aufgebaut“, erzählt Holger Loof. „Dabei sind in etwa 250 Stunden investiert worden.“ Am Anfang des Unternehmens habe nur die blanke Karosse gestanden. Zu Ausfahrten sind die beiden regelmäßig unterwegs. So nahmen sie an drei Sachsen-Anhalt-Tagen teil. Die nächste Reise geht im Juni nach Dessau zu den Flugtagen. „Wenn der Trabant neben einem Porsche steht, dann haben alle nur Augen für den Trabi“, sagt Loof augenzwinkernd. „Das ist doch mal etwas Besonderes.“

Sohn Kevin und Vater Jens Keim aus Gröningen sind mit zwei Trabis gekommen. Beide hat Kevin, der Kfz-Schlosser für Nutzfahrzeuge ist, selber aufgebaut. „Das eine Fahrzeug hatte sogar noch TüV“, erklärt Kevin. „Ich habe es über drei Wochen nach Feierabend umgebaut.“

MZ mit Beiwagen am Start

Gleich nebenan stehen zwei LO-Fahrzeuge, die einst bei Feuerwehren im Einsatz waren. Sabine Lange aus Harzgerode ist mit ihrem Mann Ronny und Sohn Domenic nach Hedersleben gekommen. Schon 2016 sind sie in dem großen Konvoi mitgefahren. Ein Fahrzeug haben sie von der Schwanebecker Feuerwehr erworben. Es handelt sich wohl um das einst außer Dienst gestellte Auto aus Nienhagen.

Maximilian Thiel und Gerd Kunze aus Hausneindorf sind mit zwei MZ-Motorrädern gekommen – jeweils mit Beiwagen. Beide hat Maximilian aufgebaut. „Ich habe beide innerhalb von einem Jahr so hergerichtet“, sagt er. „Bei der einen Maschine ist der Beiwagen nachgerüstet.“ Die kompletten Maschinen hatte der beruflich nicht im Geringsten als Kfz-Bastler vorbelastete Hausneindorfer vollkommen auseinander genommen und dann zusammengefügt.

„Jetzt laufen die Motorräder wie die Bienen“, versichert Maximilian Thiel schmunzelnd. „Wir freuen uns auf die Strecke durch den Harz.“ Er und Gerd Kunze sind zum ersten Mal dabei. Ein Projekt für die ganze Familie stellen Vater Torsten und Sohn Stephan Lorenz aus Quedlinburg vor. Sie sind mit einem Trabant 500 und vielen bekannten und Verwandten angereist.

Trabant mit 6-Volt-Anlage

„Das Auto stammt aus dem Jahr 1962 und verfügt noch über die alte Sechs-Volt-Anlage“, klärt der Vater auf. Sein Sohn berichtet, wie er das Fahrzeug einst aus Kiel geholt hat. „Bei fünf Grad Minus bin ich die Strecke gefahren, die Heizung war kaputt und die Maschine lief nicht rund“, erinnert er sich. Die Arbeitsstunden haben die beiden Bastler nicht gezählt, die sie in das Gefährt gesteckt haben.

„Allein in die Ausstattung der Sitze sind locker 50 Stunden geflossen“, vermutet Vater Torsten. Dann kommt das Signal zum Aufbruch. Die Maschinen starten und im Nu ist das Gelände in blauen Qualm gehüllt. Die Kolonne setzt sich in Bewegung, während Ordner die Straßen sichern. Am Rand haben sich inzwischen noch viel mehr Schaulustige eingefunden. Sie stehen winkend da oder nehmen das Großereignis mit dem Handy auf. Hedersleben hat eine echte neue Attraktion bekommen. Die deutschlandweit größte Oldieausfahrt setzt sich in Bewegung.

Die Teilnehmer gehen auf die Tour durch den Harz, die sie über Quedlinburg, Thale, Blankenburg und nach Hasselfelde zur Harzköhlerei führt. Nach dem Mittagessen geht es weiter über Stiege und Friedrichsbrunn nach Thale zum dortigen DDR-Museum.