Osterburg l Über diese und andere Fragen zum Thema „Braune Ökologie und völkische Rechte“ referierte am Montagabend Andreas Speit, Rechtsextremismus-Experte der taz. Über mangelndes Interesse beklagten sich die Organisatoren nicht. So freute sich Pastorin Claudia Kuhn, dass „der Gemeinderaum so gut gefüllt ist mit Menschen, die denken wollen ohne Geländer.“

In der Einleitung ging Ralf Perbandt vom Verein „Miteinander“ aus Salzwedel auf die zeitliche Einordnung der völkischen Bewegung ein. „Sie geht bis auf etwa 1900 zurück.“ Der Nationalsozialismus sei eine Spielart. Und ein „extra spannendes Feld“. Der Ursprung der Bewegung nimmt Bezug auf die germanische Götterwelt.

Die rechten Siedler bevorzugen den ländlichen Raum. Den Osten der Republik. Viele von ihnen zog es nach Mecklenburg-Vorpommern. Aber auch andere Regionen, wie die Altmark, bilden für diese Familien, die in vielen Fällen seit mehreren Generationen aktiv sind, eine neue Heimat. „Zu DDR-Zeiten gab es sie nur vereinzelt.“ Demzufolge seien es „West-Importe“, die nach 1990 den anderen Teil Deutschlands für sich entdeckten. Nicht nur die vielen ländlichen Gebiete mit verlassenen Höfen lockten. Auch die niedrigen Immobilienpreise. Allerdings relativierte Speit. „Mittlerweile rekrutiert sich die Szene auch aus dem Osten.“

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„Sie fallen auf, sie fallen nicht auf.“ Es ist gut möglich, dass die Einwohner ihre Nachbarn gar nicht als völkische Rechte entlarven, meinte der Experte, der ein Beispiel brachte. In einem kleinen Ort im Osten Brandenburgs freundeten sich die Einheimischen mit den „Neuen“ an. Und bekamen eher zufällig deren Gesinnung mit. Auf Hochzeitsfotos im Internet sei auch anhand der anderen dort zu sehenden Personen die Szene klar aufgefallen. Eher beiläufige negative Bemerkungen über Sinti und Roma oder der Anti-Amerikanismus seien weitere Erkennungs-Merkmale. „Wobei der Anti-Amerikanismus nicht nur in dieser Szene vorhanden ist.“

Die Grenzen vermischen sich: Jugendliche der rechten Szene stehen auch auf Lifestyle, auf vegane Ernährung, preisen sie im Netz an, sagt Speit. Die braunen Siedler setzen zudem auf Öko. Ökologische Landwirtschaft sei ein großes Betätigungsfeld der rechten Siedler. Auch der Umweltschutz.

Ein Gast aus dem Publikum fragte nach, wo sich rechte Siedler in der Altmark aufhalten würden. Nach seinen eigenen Recherchen fuhr er durch die Wische – „mir ist nichts Derartiges aufgefallen.“ „Wenn sie in der Wische unterwegs waren, dann waren sie dort schon richtig“, entgegnete Ralf Perbandt. „Sie leben zurückgezogen und fallen auch nicht auf.“ Ansiedlungen könne man nicht verhindern. Aber die Verantwortlichen in der Kommune sollten auf etwas anderes achten: „Das man ihnen keine Zuschüsse gibt.“ Speit und Perbandt wüssten von mehreren Beispielen, bei denen die völkischen Siedler beim Erwerb ihrer neuen Immobilie von Fördergeldern profitierten. „Ihnen offensiv gegenübertreten“, rät Andreas Speit. Mehrere Personen seien aus einem Verein ausgetreten, der ein Mitglied der rechten Szene aufnahm. „Das muss angesprochen werden.“

Veranstalter der Gesprächsrunde waren die Landeszentrale für politische Bildung, das TdA und die Hochschule Magdeburg-Stendal.