Kossebau l Kurz nach 22 Uhr wurden die Feuerwehren der „Altmärkischen Höhe“ sowie aus Seehausen jäh aus ihren Feierabendträumen gerissen und nach Kossebau gerufen. Auf einem Ackerstück der Agrargenossenschaft Lückstedt kurz hinter dem Ortsausgang in Richtung Boock brannte ein riesiger Reifenstapel. Dementsprechend hoch und weit sichtbar schlugen die Flammen in den Nachthimmel.

52 Feuerwehrleute und 1300 Liter Schaummittel

Rund 40 mal 10 Meter hat der Stapel in der Grundfläche betragen. Die ausgedienten Pneus waren am Rande eines Betonsilos gelagert, um bei Bedarf die Folie zu beschweren, die es braucht, um aus frisch gehäckseltem Mais oder Gras unter Luftabschluss Silage werden zu lassen.

Den Schaden zu beziffern, dürfte bei Altreifen schwer sein. Teuer dürfte indes die Entsorgung eines großen Berges Sondermüll werden, und der Einsatz der Wehren war auch nicht zum Nulltarif. Das Positive an der Sache ist, dass die Polizei zwei Männer (26 und 35 Jahre alt) quasi auf frischer Tat erwischen und festnehmen konnte, denen das Prozedere neben einer saftigen Strafe vielleicht in Rechnung gestellt werden kann. Und nicht nur der Brand in Kossebau: Die Stendaler Staatsanwaltschaft wirft den beiden mutmaßlichen Tätern aus dem Raum Seehausen/Osterburg nämlich vor, seit November 2014 bei acht Brandstiftungen, fünf Diebstählen und bei der Herbeiführung einer Explosion im nördlichen Teil des Landkreises Stendal die Hände im Spiel gehabt zu haben. Ob Verdachtsmomente und Beweislage ausreichen, um die beiden Männer zumindest vorläufig in Gewahrsam zu nehmen, sollte noch gestern Abend der Haftrichter entscheiden.

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Ob mit der Festnahme eine Serie an Brandstiftungen zu Ende ist, denen vor allem in der Verbandsgemeinde Seehausen in den vergangenen Jahren Scheunen, Strohdiemen und Baufahrzeuge zum Opfer fielen, bleibt noch abzuwarten.

In Kossebau waren 52 Feuerwehrleute mit entsprechender Fahrzeugflotte im Einsatz: aus Kossebau, Lückstedt, Dewitz, Bretsch, Boock und Seehausen. Letztere spielten bei der Brandbekämpfung eine wichtige Rolle. Die Hansestädter verfügen nämlich über die größte Reserve an Schaummittel. Wenn Kunststoffe brennen, geht es nicht ohne diesen Teppich, der das Feuer ersticken soll, erklärt Stadtwehrleiter Enrico Schmidt. Aber auch die 800 Liter Konzentrat reichten nicht, um der Flammen Herr zu werden. Noch in der Nacht rückte das Sonderlöschmittel-Fahrzeug der Feuerwehr Tangermünde an, um für 500 Liter Nachschub zu sorgen.

Bewohner mussten Fenster geschlossen halten

Mit dem nächtlichen Ausrücken war der Brand indes nicht ausgestanden. Am nächsten Morgen gegen 7 Uhr mussten die Kossebauer Kameraden, die die Brandwache übernommen hatten, noch einmal um Hilfe rufen. Glutnester hatten dafür gesorgt, dass ein Teil der Reifen wieder Feuer fing. Wegen der immensen Rauchentwicklung und den Schadstoffmessungen der Osterburger Wehr wurden die Einwohner von Kossebau und Lückstedt sogar per Radio darauf hingewiesen, alle Fenster und Türen verschlossen zu halten.

Nachdem ein Teleskoplader der AG Lückstedt den Reststapel auseinandergedrückt und die Feuerwehren alles unter einem neuen Schaumteppich begraben hatten, fand das Spektakel gestern gegen 11 Uhr endlich sein Ende.