Seehausen l Ohne Fördermittel können in Kommunen kaum noch größere Investitionen realisiert werden. Das Makabre an der Sache: Städte und Gemeinden müssen sich genau genommen das Geld zurückholen, das sie selbst beziehungsweise Arbeitgeber und Arbeitnehmer ihrer Region erst erwirtschaftet und eingezahlt haben.

Trauben hängen höher

Die Praxis zeigt, dass es für die Kommunen zunehmend schwieriger wird, an Zuschüsse zu kommen, weil die Verwaltungsabläufe immer komplexer und die Antragsverfahren immer komplizierter werden. Während Eurokraten, Bundes- und Landesverwaltung ganze Heerscharen beschäftigen, um die Trauben noch höher zu hängen und Zuschussmodalitäten noch kleinteiliger oder sogar am Bedarf vorbei auszuarbeiten, ist die andere Seite gezwungen, die Bedingungen irgendwie mühsam zu erfüllen, um dann doch viel zu oft leer auszugehen. Statt einen nachvollziehbaren Verteilerschlüssel zu entwickeln, um die Kommunen ohne Reibungsverluste mit Geld auszustatten, mit dem diese nachhaltig planen können, hat ein Wettrüsten eingesetzt, dem sich auch die Verbandsgemeinde Seehausen nicht entziehen kann. Zumindest, wenn sie aus einem verbliebenem Euro auch künftig vier oder fünf machen will, um wichtige Investitionen stemmen zu können. Egal, ob Hochwasser- oder Brandschutz, Grundschulen oder Kindertagesstätten, Tourismus, Denkmalschutz oder Infrastruktur, um nur einige Beispiele zu nennen – Fördermittel tangieren irgendwie fast alle Bereiche der öffentlichen Verwaltung.

Die Verbandsgemeinde Seehausen beziehungsweise der Verbandsgemeinderat haben im vergangenen Jahr die Flucht nach vorne angetreten und eine eigene Stelle geschaffen, die sich ausschließlich mit Fördermitteln beschäftigen soll. Mit Lisa Weigelt scheint Verwaltung und Kommunalpolitik eine Idealbesetzung gelungen zu sein. Die diplomierte Verwaltungsswirtschaftlerin hat bei der Stadt Seelze und beim Amt für Landwirtschaft, Forsten und Flurneuordnung (ALFF) „Altmark“ einschlägige Erfahrungen auf beiden Seiten der Fördermittelfront sammeln können, kennt Adressen und Ansprechpartner. Dazu ist die 27-Jährige eine von hier, die nach ihrem Abitur 2008 in Seehausen und einem Auswärtsspiel ihre Heimat nie aus dem Blick verloren hat. Inzwischen wohnt die gebürtige Neukirchenerin sogar wieder auf dem elterlichen Hof – wenn auch in den eigenen vier Wänden.

Mit dem Jahreswechsel hat sie sich „mit einem guten Gefühl“ aus ihrem Beamtenverhältnis verabschiedet und ein Büro im Seehäuser Bauamt bezogen. Die Zuteilung erfolgte nicht von ungefähr. Denn die Abteilung hat in der Rathausverwaltung am meisten mit Fördermitteln zu tun, obwohl die Mitarbeiter um Guido Mertens mit Bauüberwachung und -planung eigentlich genug zu tun haben und das Thema bislang sozusagen „nebenbei“ mit auf dem Tisch hatten.

Wobei Lisa Weigelt nicht nur damit beschäftigt ist, neue beziehungsweise passende Zuschussmöglichkeiten aufzutreiben und schlüssige Anträge zu verfassen. Ein wichtiger Teil ihrer Aufgaben ist zudem das Abarbeiten von Vorgabekatalogen, die immer an die Zuschüsse gebunden sind. Da ist jede Menge Aufmerksamkeit und Sorgfalt gefragt. Mitunter reicht schon ein vergessenes Häkchen oder ein falsch platziertes Logo, um in Ungnade zu fallen. Im „besten“ Fall gehen dann Fördermittel verloren. Im schlechtesten Fall müssen Mittel mit Zins und Zinseszins zurückerstattet werden.

Erwartungshaltung ist groß

Kurz: Die Erwartungshaltung an die Neue im Rathaus ist nicht ohne. Und mit Dauerbrennern wie dem Waldbad Seehausen, für das sich bis dato niemand so recht zuständig fühlen will, gibt es ein paar dicke Bretter zu bohren. Aber bislang fühlt sich die junge Frau aus der Wische im Seehäuser Rathaus angekommen.

Übrigens: Lisa Weigelt steht auch Privatpersonen, Vereinen und Unternehmen bei Fördermitteln mit Rat und Tat zur Seite. Entweder zu den üblichen Sprechzeiten oder auf Anfrage. In jedem Fall ist eine telefonische Kontaktaufnahme unter 039386/9 82 62 nötig, denn zur Fördermittel-Akquise ist sie öfter mal auf Achse.