Salzwedel l Es ist kurz nach Mitternacht, Sonnabendmorgen. Ein junges Paar ist auf dem Heimweg und geht in Richtung Feuerwehr den Chüdenwall entlang. Ihnen kommt ein Auto entgegen, bei dem nur ein Scheinwerfer leuchtet. Auf Höhe der Bushaltestelle stoppt das Auto, das inzwischen gewendet hat. Der junge Mann blickt ins Fahrzeug und sieht schwarz gekleidete, vermummte Gestalten. „Ich dachte erst, dass das Vergewaltiger sind. Deshalb habe ich die Hand meiner Freundin geschnappt und bin losgelaufen“, erinnert sich das Opfer.

Paar versucht zu flüchten

Das Paar springt durch ein Gebüsch in Richtung Chüdenwall-Parkplatz. Beim Davonlaufen blickt der 21-jährige Mann kurz nach hinten und sieht einen metallenen Baseballschläger. Als er wieder nach vorne schaut, bleibt er an einem Bordstein hängen und stürzt auf den Boden. „Ich habe sofort einen Schlag mit dem Baseballschläger auf meinen Kopf gespürt. Zum Schutz habe ich mein Gesicht in Richtung Boden gedreht und meine Hände über den Kopf gehalten“, beschreibt der junge Mann sein Martyrium. Die Angreifer brechen ihrem Opfer drei Finger und fügen ihm mehrere Platzwunden am Kopf zu.

Als die Freundin des Mannes bemerkt, dass er am Boden liegt, wirft sie ihre Handtasche zu den Schlägern. „Ich dachte, dass das Diebe sind und habe ihnen gesagt, dass sie das Geld haben können“, schildert die junge Frau die schrecklichen Sekunden. Sie läuft zu ihrem am Boden liegenden Freund.

Als sie ihn erreicht, lassen die Täter von ihm ab. „Die Stimmung ist völlig gekippt“, erzählt die Freundin des Opfers. Die Angreifer bemerken, dass sie offensichtlich nicht die Person verprügelt haben, auf die sie es abgesehen hatten. „Sie fragten nach einem Namen, den ich nicht kannte und wollten wissen, wo diese Person wohnt. Sie drohten uns. Wir sollen nicht lügen“, erinnert sich der junge Mann. „Mein Freund sagte den Vermummten, dass wir nicht aus Salzwedel sind. Bevor die Angreifer schließlich wieder weggefahren sind, haben sie gesagt, dass wir nicht zur Polizei gehen sollen und sie wissen, wo wir wohnen“, erklärt die junge Frau.

Opfer wurde stationär behandelt

Die Begleiterin des Verletzten rief ihre Mutter an, da sie auf Grund der Drohung Angst hatte, die Polizei zu rufen. Die Mutter brachte den 21-Jährigen, der blutüberströmt war, ins Krankenhaus. Dort diagnostizierten die Ärzte drei gebrochene Finger, diverse Platzwunden am Kopf und ein Schädel-Hirn-Trauma. Das Prügelopfer musste stationär behandelt werden.

„Bisher habe ich Salzwedel immer als friedlich eingeschätzt. Künftig überlege ich mir zweimal, ob ich zu Fuß nach Hause gehe oder doch lieber mit dem Taxi fahre“, sagt der Verletzte, der aus dem Raum Klötze stammt. Dennoch geht er davon aus, dass er ein Zufallsopfer war.

Einer der vier Schläger konnte laut Polizei identifiziert werden ‑ ein stadtbekannter Neonazi. Bei der Person handelt es sich nach Volksstimme-Informationen um den Salzwedeler, der bei der AfD-Demo am 27. Januar in Magdeburg Journalisten mit Reizgas angegriffen hat (wir berichteten). Der 18-Jährige, der gestern irrtümlich in der Volksstimme als 19-Jähriger bezeichnet wurde, marschiert regelmäßig bei Demonstrationen rechtsradikaler Gruppen mit.

In der gleichen Nacht erhielt die Polizei einen Anwohnerhinweis, dass am Dreiländereck zwei Autos stehen, in denen Vermummte sitzen. Die Polizei entdeckte die Fahrzeuge im Stadtgebiet. Die Beamten trafen drei Männer im Alter von 18, 23 und 28 Jahren an, die laut Polizei zur rechten Szene gehören. Im Auto fanden die Beamten ein Beil, einen Elektroschocker und zwei weitere Schlagwerkzeuge. Mindestens eine der drei Personen gehört zu den Angreifern vom Chüdenwall.