Salzwedel l Wenn es nach dem Verein Erlebnissport Altmark geht, gibt es ab dem Frühjahr regelmäßige Fahrten auf der Bahnstrecke Salzwedel-Klötze. Während einer Inspektionstour am Wochenende mit zehn Passagieren auf dem Draisinenzug sei alles gut verlaufen, erklärte Andreas Gödecke von Erlebnissport Altmark.

Eine schnelle Draisine fuhr vorneweg, sorgte dafür, dass die Bahnübergänge gesichert wurden und inspizierte, ob die Strecke frei war. „Bis auf ein paar kleinere Äste, die auf den Gleisen lagen, ist die Trasse gut befahrbar“, schätzte Rolf Schulze, Teil des Vorauskommandos, ein.

Anruf während der Tour

Einen Wermutstropfen hatte die Fahrt allerdings. Während der Tour kam ein Anruf von der Besitzerin der Strecke, der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE). „Wir hatten von der DRE eine Zusage für die Fahrt. Diese wurde widerrufen, als wir schon unterwegs waren“, erklärte Andreas Gödecke. Er möchte die Strecke künftig für Draisinenausflüge mieten.

Zumindest in der DRE-Zentrale in Berlin wusste man bis Montag weder vom Verein Erlebnissport Altmark noch von der Genehmigung einer Inspektionsfahrt. „Ich kenne die Initiative nicht“, sagte Gerhard Curth, Geschäftsführer der DRE. Möglicherweise seien aber untere Abteilungen seines Unternehmens über die Inspektions-Fahrt informiert worden. Curth machte zudem rechtliche Bedenken geltend: „Draisinen dürfen auf dieser Strecke überhaupt nicht fahren“, sagte er.

Trasse nicht stillgelegt

Grund sei, dass die Trasse Salzwedel-Klötze nicht stillgelegt, sondern für eine mögliche Zugbestellung jederzeit vorzuhalten sei. „Genau deshalb sind solche Fahrten auch saugefährlich.“

Würde die DRE Fahrten trotzdem genehmigen, verstieße sie nach Ansicht des Geschäftsführers gegen das Bundeseisenbahn-Gesetz. „Dann bekämen wir mit Sicherheit Probleme mit der Bahnaufsichtsbehörde“, sagt er. Bedeutet das also das Aus für die Idee des Vereins?

„Nicht unbedingt“, so Curth. Ausnahmen seien denkbar, es gebe stillgelegte Nebengleise oder auch die Strecke Salzwedel-Geestgottberg. Auch letztere werde aber voraussichtlich 2017 wieder für den Verkehr freigegeben. Selbst bei der Sperrung einer Strecke wäre zudem eine Sondergenehmigung rechtlich zu prüfen. Zu Gesprächen mit dem Verein Erlebnissport sei die DRE grundsätzlich bereit. „Aber wir wollen vorher gefragt werden.“

Rolf Schulze von den Draisinenfreunden Hamburg und Experte auf dem Gebiet hält dagegen, dass es in Sachsen-Anhalt noch keine gesetzliche Regelung für die gemischte Nutzung einer Strecke mit Draisinen und regulären Zügen gibt. Aus seiner Sicht müsse der Gesetzgeber aktiv werden und diese Grauzone beseitigen. Momentan sind Draisinenfahrten lediglich auf stillgelegten Strecken in Sachsen-Anhalt möglich.

Doch eine Entwidmung der Strecke ist nicht im Interesse des Vereins Erlebnissport Altmark. „Wir streben eine Koexistenz von Draisinen und regulärem Verkehr an“, stellt Rolf Schulze klar. Und Andreas Gödecke bringt es so auf den Punkt: „Falls hier mal wieder ein ICE fährt, sind wir weg.“

Regelmäßige Draisinenfahrten zwischen Salzwedel und Klötze hätten aus Sicht von Rolf Schulze übrigens auch einen praktischen Nutzen für die DRE. Denn Schulze und seine Mitstreiter wollen bei ihren Touren immer auch eine Kettensäge mitnehmen und damit die Gleise freihalten. Bisher sorgt die DRE vor Sonderfahrten selbst dafür.

In Ländern wie Frankreich oder Schweden – in dem skandinavischen Land entstand der Draisinensport ursprünglich – sei eine Doppelnutzung der Gleise kein Problem und werde bereits praktiziert, erklärt Rolf Schulze. Wenn die DRE und der Verein Erlebnissport Altmark eine Einigung erzielen können, wäre die Strecke von Salzwedel nach Klötze eine der längsten Draisinenbahnen Deutschlands und die erste ihrer Art in Sachsen-Anhalt.