Salzwedel/Stendal l Das Interesse an kulturspezifischen Aspekten der Integration hat Inka Ludwig dazu bewogen, sich beim Altmarkkreis Salzwedel zu bewerben. Sie ist seit März Integrationsbeauftragte in der Westaltmark und hat Soziologie und Japanalogie in Halle studiert. Die gebürtige Leipzigerin hat anderthalb Jahre in Japan verbracht.

Seit Juli dieses Jahres arbeitet sie mit Jakob Wernike aus Mieste zusammen. Er hat bereits Erfahrungen in der Arbeit mit Flüchtlingen in einer Gemeinschaftsunterkunft im Landkreis Börde gesammelt. Sein Studium der Sozialwissenschaften ist zudem eine weitere Voraussetzung für den Job, der unter anderem die Erfassung, Koordinierung und Steuerung der im Kreis vorhandenen Integrationsangebote beinhaltet. Dabei entwickeln sie auch Lösungen für entstehende und vorhandene Herausforderungen und betreuen die ehrenamtlich Engagierten. Ein wichtiger Punkt sei zudem die Pflege und Weiterentwicklung lokaler Netzwerke.

Beide schätzen ein, dass der Altmarkkreis mit einer Vielzahl an Sprach- und Intergartionsangeboten gut aufgestellt ist. „Wir haben ein gut organisiertes Netzwerk ehrenamtlich engagierter Integrationslotsen“, erklärt Wernike. Und es gebe eine große Bereitschaft von Vereinen, Initiativen und lokalen Unternehmen sich im Bereich der Integration zu engagieren. Die Zahl der Flüchtlinge, die an Integrationsmaßnahmen teilnehmen sei gestiegen und Betriebe seien zunehmend bereit Ausbildungsplätze anzubieten.

Bilder

Um die Bürger bei der Integration „mitzunehmen“ und Einheimische und Migranten zusammenzubringen, organisieren die beiden vielfältige Begegnungstreffen, wie die interkulturelle Woche.

Afghanen benachteiligt

Als Problem sehen sie, dass nicht für alle Nationalitäten, das Erlernen der deutschen Sprache vom Land finanziert wird. Dadurch seien beispielsweise Afghanen benachteiligt. „Dies erschwert zusätzlich die Vermittlung in Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse“, sagt Inka Ludwig. Der Arbeitsaufwand für die Koordinatoren habe sich verdichtet, weil mehr Flüchtinge anerkannt werden und sich der Integrationsbedarf erhöhe.

Im Landkreis Stendal ist Björn Malycha als Integrationskoordinator tätig. Seit knapp einem halben Jahr hat er Stella Khalafyan an seiner Seite. Die Armenierin sieht im Miteinander von Migranten und Einheimischen das wichtigste Element für gelingende Integration. Nicht nur übereinander reden, sondern miteinander – das ist ihr wichtig. Besonders in ihrer Arbeit als Integrationskoordinatorin. Deswegen hat sie die Migrationszeitung mit dem drolligen Namen „Mize“ ins Leben gerufen. Wenn alles nach Plan läuft, gibt es die maximal 10  000 Exemplare der ersten Ausgabe noch vor Weihnachten. „Erst nachdem wir die Abkürzung als Titel gewählt hatten, ist jemandem aufgefallen, dass der Klang des Wortes Mize wie ein Satz im Hebräischen klingt, und zwar: Wer ist das? Und das passt so gut zu unserem Anliegen.“ In der Zeitung sollen Menschen aus dem Landkreis Stendal ihre Migrationsgeschichten erzählen. Menschen, die ausgewandert, eingewandert, geflüchtet, zurückgekommen sind. „Migration gab es immer und wird es immer geben“, sagt Stella Khalafyan. Deshalb werden in der ersten Ausgabe von „Mize“ auch Beiträge über Winckelmann oder über eine in der DDR aufgewachsene Frau zu lesen sein. Geschrieben von Migranten und Einheimischen.

Ihre Tätigkeit als Integrationskoordinatorin ist für Khalafyan nicht nur Arbeit, „sondern auch Teil des Lebens“. Schließlich weiß sie aus eigener Erfahrung, wie es ist, sich in einem fremden Land, einem fremden Alltag zurechtfinden zu müssen. Auch eine freiwillige Emigration bringt Kompliziertheiten mit sich. Mit 24 verließ sie ihr Heimatland Armenien. „Ich hatte den Wunsch, in Deutschland zu studieren, wollte die Welt sehen.“ Das Glück, ein DAAD-Stipendium zu bekommen, machte den Aufbruch in diese neue Welt leichter.

Ein „Papierland“

Die universitäre Welt in ihrer Internationalität ist nun gewiss keine große Hürde, aber im Alltag und im Berufsleben stoße sie als Ausländerin schon auf Schwierigkeiten. Die aber sind für die 30-Jährige nun beste Grundlage für ihre Arbeit. „Mit dem, was man selbst an Erfahrungen gemacht hat, kann man sich doch am besten helfend einbringen“, findet Khalafyan. Ihr ist die am Anfang schier undurchschaubar wirkende Bürokratie in Erinnerung. „Unter Migranten gibt es den Spruch: Deutschland ist ein Papierland. Und das stimmt ja auch“, sagt sie lachend, „für alles braucht man Unterlagen. Das war für mich am Anfang auch schwierig, alles im Blick zu behalten. Aber mit der Zeit merkt man, dass ja vieles seinen Sinn hat.“

Ihr wichtigster in Sachen Integration: „Das ist ein Prozess, der von beiden Seiten ausgehen muss. Integration läuft nicht nur im Klassenzimmer, Kontakte zu Einheimischen sind wichtig, und dafür ist es wichtig, dass alle sich öffnen.“