Salzwedel l „Wie der Tatort-Kommissar“, antwortet Johannes Boris Borowski auf die Frage nach der Schreibweise seines Namens. Seit Oktober und noch bis Dezember ist der Komponist für Neue Musik zu Gast im Stipendiatenhaus in Salzwedel.

Er hat bereits mehrere Stipendien erhalten und kann deshalb die Situation in Salzwedel einschätzen. Die Arbeitsbedingungen „hier sind sehr gut, fantastisch“. Schließlich ist das Komponieren zeitaufwendig, zehn bis 15 Stunden täglich sitzt er in Spitzenzeiten an seinem Schreibtisch.

Maximal drei Stücke

„Maximal ein bis zwei, wenn‘s hoch kommt drei“ Stücke schafft er in einem Jahr. Und obwohl er eigentlich ganz gut im Geschäft ist und Aufträge hat (er arbeitet unter anderem mit Pierre Boulez oder dem Pianisten Daniel Barenboim zusammen), ist er finanziell noch lange nicht aus dem Schneider. „Die meisten Komponisten leben unter dem Existenzminimum“, erzählt der 37-Jährige, der inzwischen in Berlin lebt und arbeitet. Auch deshalb schätzt er die Möglichkeiten, die ihm das Stipendiatenhaus bietet.

Zu hören wird seine Musik in Salzwedel am Mittwoch, 9. November, sein. Dann werden die Besucher zudem eine Uraufführung seiner „Miniaturen“ für Klavier erleben. Er selbst wird allerdings nicht als Pianist in Erscheinung treten. „Komponieren und als Pianist auftreten – diese Kombination ist sehr schwierig“. Deshalb wird in der Kreismusikschule um 18.30 Uhr diesen Part Nadezda Tseluykina übernehmen.

Johannes Boris Borowski wurde 1979 in Hof geboren. Sein Kompositionsstudium bei Hanspeter Kyburz absolvierte er an der Hanns-Eisler-Hochschule in Berlin sowie Musiktheorie bei Jörg Mainka in Berlin und im Rahmen des Erasmus-Programmes am Conservatoire de Paris Musiktheorie bei Marco Stroppa. 2007 bis 2014 unterrichtete er Tonsatz, Gehörbildung, Analyse und Instrumentation an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Seine Kompositionen werden im In- und Ausland gespielt. Darunter von bedeutenden Ensembles und Orchestern wie dem Ensemble Intercontemporain, Ensemble Modern, International Contemporary Ensemble, Radio Sinfonieorchester Stuttgart, Chicago Symphony Orchestra, Lucerne Festival Academy Orchestra und Dirigenten wie unter anderem Pierre Boulez, Susanna Mälkki, George Benjamin, Peter Eötvös und Daniel Barenboim. Seine Werke wurden mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem Hanns-Eisler-Preis Berlin und dem Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart. Borowski war auch Stipendiat an der Cité Internationale des Arts in Paris (2007), auf Schloss Wiepersdorf (2011) und Baldreit-Stipendiat in Baden-Baden (2012).