Schönebeck/Plötzky/Pretzien l Was die Planer hier geleistet haben, ruft auch bei den Hochwasser-Schützern stillen Beifall hervor. Gemeinsam mit den Ingenieuren haben die Experten des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) Lösungen gefunden, die nicht nur technisch anspruchsvoll und auf die örtlichen sowie geologischen Gegebenheiten abgestimmt sind, sondern auch der Bausubstanz in der Altstadt und einem gewissen ästhetischen Empfinden Rechnung tragen. Am Montag ist offizieller Baustart für das Millionenprojekt, um einen Deichlückenschluss herzustellen.

Bis einschließlich 2018 werden in der Stadt und den Ortsteilen Deiche erhöht, Verwallungen gebaut, Spundwände in die Erde getrieben, Fundamente für mobile Schutzanlagen gesetzt und Mauern hochgezogen. Ingesamt kostet das Vorhaben etwa 17,5 Millionen Euro. Wie die Volksstimme bereits berichtete, wird in mehreren Bauabschnitten gebaut. Hier ein Überblick:

Schönebeck: Salzblumenplatz bis Elbweg in den Jahren 2015 und 2016, Müllerstraße 2015 und 2016, Elbtor 2016, Wallstraße und Amtsbreite 2016, Weltrad und Barbyer Straße 2017 und Bootshaus sowie Burgwall 2018.

Bilder

Plötzky und Pretzien: Gartenstraße in den Jahren 2015 und 2016, Magdeburger Straße 2016, Ernst-Thälmann-Straße, Martin-Luther-Straße und Straßendurchlass Ranies 2017 sowie Hafenstraße ebenfalls 2017.

Doch bei einem Gesamtblick auf das millionenschwere Bauvorhaben lohnt nicht nur die Frage nach dem Wo und Wann, sondern auch nach dem Wie. Denn die drei Planer, die der LHW verpflichten konnte, haben nicht nur allesamt Erfahrungen beim Wasserbau, sondern gehen teilweise neue und moderne Wege.

Burgwall

An dieser Stelle soll ein neuer Hochwasserschutz-Wall getestet werden. Dort tritt das Wasser nicht von der benachbarten Elbe in die bebaute Fläche vor, sondern vom Ackergrundstück an der Landesstraße 51. Wie der Projektverantwortliche für die Hochwasserschutzmaßnahmen, Ulf Reimherr, in einem Gespräch mit der Volksstimme berichtete, werden dort riesige Schläuche den Hochwasserschutz sichern. „Das ist ein völlig neues System“, sagte Reimherr. „Diese Schläuche aus Kunststoff können mit Wasser oder Sand gefüllt werden.“ Für den Schutz des Burgwalls habe man sich für Sand entschieden, der in die Schläuche mit einem Durchmesser von 120 Zentimeter gefüllt wird. Drei biegsame Kunststoffschläuche werden übereinander geschichtet und mit einem Geofließ abgeschlossen.

Frohser Hafen

Dort ist eine dauerhafte Schutzanlage wegen des Umschlags schwierig. Aus diesem Grund soll ein Streifenfundament – ähnlich der jetzigen mobilen Anlagen am Elbtor – in den Kaianlagen eingelassen werden.

Frohse bis Schönebeck

Entlang des Weges wird es verschiedene Einrichtungen geben. Wie Ulf Reimherr berichtet, müsse entweder nur der Gehweg leicht erhöht oder eine kleine Schutzmauer errichtet werden. „Bei neuen Anlagen, die wir aufbauen, kommen Grundsätzlich Spundwände, teilweise vier bis fünf Meter tief, in die Erde“, macht der Projektverantwortliche deutlich.

Wächterhäuser

An jener Stelle ist bereits eine Schutzmauer vorhanden, die nach dem Hochwasser des Jahres 2002 errichtet wurde. Kurz danach mahnte Christian Jung, Flussbereichsleiter des LHW, an, dass die Mauer zu flach ist. Doch der Experte wurde nicht gehört – was beim Hochwasser 2013 unweigerlich deutlich wurde ... Um die vorhandene Mauer in diesem Bereich zu erhalten, wird der Hochwasserschutz verstärkt. Zunächst muss stadtseitig ein Drainagerohr in die Erde gelegt werden, der das Drängewasser aufnimmt. Auf die Mauer werden Vorrichtungen für mobile Elemente geschaffen, die später im Ernstfall zusätzliche zur Stadt gerichtete drehbare Stützen bekommen und die Kraft des Wasserdrucks nach unten ableiten.

Müller- und Elbstraße

An dieser Stelle waren die Planer besonders gefordert. Der Grund: Der lehmig, tonige Boden lässt kaum Gestaltungsspielraum. Es werden Spund- und Mikropfähle in die Erde getrieben, die je nach örtlichen Gegebenheiten zusätzlich noch verankert werden. Vor die Mauer wird eine neue Mauer gesetzt, die zusätzlich verblendet ist. „Der historische Anblick der Altstadt soll bewahrt bleiben. Deshalb ist dieser Abschnitt auch am kostenintensivsten“, so Ulf Reimherr. An einigen Stellen wie am Elbtor bleibt der mobile Hochwasserschutz erhalten, der aber neu angeschafft wird.

Salzblumenplatz

Die „Kölner Lösung“ mit Euro-Paletten und Folien wird bald der Vergangenheit angehören. Um den Platz herum werden wie überall Spundwände in die Erde geschlagen. Darauf kommt ein Kopfbalken, der das Fundament für die zukünftige mobile Schutzanlage aufnehmen wird. Diese soll im Ernstfall bis zu 1,50 Meter hochgebaut werden können.

Salinehäuser

Nach den Spundwänden wird dort eine kleine Mauer errichtet, die später die mobile Schutzanlage aufnehmen kann. Stadtseitig muss ein Regenwasserableiter gelegt werden. Bisher floss das Wasser Richtung Elbe ab. Mit der neuen Mauer wird das nicht mehr möglich sein.

Weltrad und Kanal

Für diesen Bereich sind die Planungen noch nicht ganz am Ende, wie Ulf Reimherr betont. Diese Information muss nachgereicht werden.