Eggersdorf l Wer die Reise nach Eggersdorf zum Großtausch für Sammler und Ordensliebhaber angetreten ist, freut sich aus Erfahrung aufs Schauen, Stöbern, Kaufen und Tauschen. Doch vor der Kür kommt die Pflicht. Nämlich die Suche nach einem Parkplatz. Die doch recht großzügige Fläche an der Bördehalle ist schon zeitig zugeparkt. Autos mit Kennzeichen B für Berlin, WUR für Wurzen oder EL für Emsland stehen neben BK für Bördekreis oder dem heimischen SLK. Doch auf den anliegenden Straßen wird jeder fündig.

All das ist beim Blick in die Bördehalle vergessen: Sie ist voll mit Tischen, auf denen 95 Sammler Tausch oder Kauf anbieten. Mehr als zufrieden mit der Resonanz ist auch Reinhard Banse. Der Schönebecker ist der Vorsitzende der Landesgruppe Sachsen-Anhalt der Deutschen Gesellschaft für Ordenskunde und hat den Großtauschtag organisiert. Mit den Jahren hat er Routine darin. Das wissen und schätzen diejenigen, die an den Treffen teilnehmen.

Mit einem Stand ist auch Holger Siee vertreten. Der Staßfurter bietet alte Münzen an. Einst hatte er Briefmarken gesammelt, diese dann aber in Münzen umgetauscht. „Münzen sind faszinierender“, sagt er und fügt hinzu: „Sie erzählen mehr Geschichte.“ Seit 1987 gebe es in Staßfurt den Verein der Numismatiker - ein Verein, deren Mitglieder sich mit Münzen beschäftigen. Etwa 50 Leute seien anfangs dort versammelt gewesen, erinnert sich Holger Siee. Jetzt seien sie noch zu siebt ... Sein Spezialgebiet ist das Mittelalter. „Bei den neuen Münzen kennt sich jeder aus. Beim Mittelalter muss man sich erst einmal belesen“, meint der Staßfurter. So erkläre sich auch seine umfangreiche Bibliothek.

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Unter Münzsammlern habe Holger Siee einen Namen. Er erzählt, dass er im Auftrag des Landes schon einmal bei einer Auktion Münzen für ein Museum gekauft hat. Oder dass er Münzen, die bei Bauarbeiten gefunden worden sind, zeitlich bestimmt hat - ebenfalls im Auftrag des Landes.

Ein paar Meter weiter hat Uwe Beckmann seinen Stand. Der Hamelner ist mit Frau, Hund und Wohnmobil angereist, um „Orden, Pickelhauben - halt militärhistorische Antiquitäten“ anzubieten. Seit gut zehn Jahren praktizieren sie das schon so und machen aus diesen Wochenenden einen Kurzurlaub. Zu den hiesigen Treffen sei er durch Empfehlungen gekommen. „Ich habe Herrn Banse kennengelernt und erlebt, wie er die Sammlertreffen organisiert“, erzählt Uwe Beckmann. Das habe ihn begeistert, und seitdem sei auch er immer gern bei den Großtauschtagen - einmal im Frühjahr, einmal im Herbst - dabei. Übrigens: „Über die hiesigen Fleischer geht nichts“, schwärmt der Hamelner. Während er den Stand betreut, kauft seine Frau immer ein. Und nach dem Großtausch? „Dann geht‘s weiter nach Hecklingen. Da haben wir Freunde. Und am Sonntag geht‘s über den Harz zurück. Das ist Erholung!“

Die wohl weiteste Anreise hat Kurt Mathiesen. Er hat - extra für den Großtausch - 500 Kilometer von Dänemark nach Eggersdorf zurückgelegt. Warum macht er das? Er lacht und meint: „Für ein Erlebnis und um vielleicht einen guten Handel zu machen.“ Dieses Mal hat er zwei Orden Dänisches Kommandeurkreuz und eine dänische Uniform dabei. Seit mehr als zehn Jahren gehören die Ausflüge nach Schönebeck zu den Treffen und erst Grünewalde, nun Eggersdorf zu den Großtauschtagen zu seiner Jahresplanung dazu. Freitags reist er an und sonnabends nach der Börse wieder ab. So auch am Sonnabend.