Gesangsbücher

Insgesamt besitzt Michael Feldbach 353 kirchliche Gesangbücher.

Davon stammen 297 Stück aus Deutschland. Die restlichen kommen aus 20 anderen Ländern.

Die Bücher stammen von der Heilsarmee, den Zeugen Jehovas, den Katholiken, Neuapostolen sowie den Evangelen...

Das älteste Gesangbuch in Michael Feldbachs Sammlung stammt aus Magdeburg aus dem Jahr 1740.

Zens l Michael Feldbach mag Ordnung. Das ist in seinen heimischen Gefilden ganz schnell zu erkennen. Diese Ordnungsliebe zieht sich durch sein Leben und macht nicht Halt vor seinen Hobbys. Eine seiner Freizeitbeschäftigungen ist das Sammeln. Dabei hängt sein Herz an kirchlichen Gesangbüchern. Gesangbücher? Als großer Sänger ist der Zenser, der ehrenamtlich oft Konzerte organisiert, nun eigentlich nicht bekannt. Doch zum Singen nutzt Michael Feldbach die Bücher nicht. Im Regal einstauben müssen sie deshalb nicht.

„Ich finde, man muss sie anfassen“, sagt er frei heraus. Gern blättert er in einem seiner 353 Gesangbücher. Und dann forscht er. Wenngleich Michael Feldbach in diesem Zusammenhang als Wissenschaftler selbst nicht vom Forschen sprechen will, so dringt er tief in die Materie der Kirchenmusik ein. In welchen anderen Sprachen wird ein Lied beispielsweise auch gesungen? Hat es in anderen Sprachen genauso viele Strophen? Zu welchem Anlass werden die Lieder gesungen? Mit diesen Fragen untersucht er die Bücher. Einfach ist das nicht. Denn seine kirchlichen Gesangbücher sind in der jeweiligen Landessprache geschrieben. Demnach stehen die spanischen Lieder neben den russischen, chinesischen und und und.

„Hier hilft mir das Internet sehr“, sagt er. Selbstredend kann er nicht all diese Fremdsprachen. Also schlägt er im „world wide web“ bestimmte Schlagworte nach und kann damit andere Lieder auf Ähnlichkeiten untersuchen. So wird „O du Fröhliche“ nicht nur in Deutschland herzlich gern gesungen, sondern auch in Schweden, Österreich, Polen und Lettland. Und die Zahl der Strophen erst. Wir Deutschen begnügen uns bei Lied „Stille Nacht“ mit drei Strophen, die Schweizer haben fünf und den Polen hat das nicht gereicht, deshalb gibt es bei ihnen acht Strophen.

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Ordentlich nummeriert

Und so kommt eines zum anderen. Dann geht Michael Feldbach nicht nur das Buch aus der russischen Kirche durch, sondern folgt seiner Neugier und sucht im polnischen Gesangbuch nach Übereinstimmungen. Dabei hilft ihm die eingangs genannte Ordnungsliebe. Das bedeutet: Jedes Gesangbuch ist nummeriert, zu sehen am Buchrücken. Diese Nummern wiederum finden sich in einem dicken Ordner wider. Das ist so eine Art Inventurliste, in der Michael Feldbach festhält, von wem er wann das Buch bekommen hat. Außerdem stehen hier seine „Forschungsergebnisse“.

„Es macht mir Spaß, mich damit zu beschäftigen“, sagt er, während er in seinem ersten kirchlichen Gesangbuch blättert. Geschenkt hat es ihm seine Patentante. „Das ist auch das Schöne an diesem Hobby“, führt er aus. „Denn Freunde, Bekannte, Familie bringen mir dann gern ein Gesangbuch vom Urlaub mit“, berichtet er. Von den eigenen Reisen bringt er sich solche Andenken natürlich ebenfalls mit. Und so hat er sich über die Jahre eine bunte Vielfalt an Gesangbüchern zugelegt. Da steht ein Buch der deutschen Kriegsflotte von 1886 zwischen dem für Begräbnisfeiern von 1903 und einem Feldgesangsbuch von 1940.

Suche auf Flohmärkten

Dabei sind ihm einige Punkte wichtig. „Je älter, desto besser“, nennt er einen Fakt. Und der zweite: Die Bücher sollen kaum bis gar kein Geld kosten. So stöbert der 67-Jährige gern auch mal auf Flohmärkten. Unsummen gibt er hier nicht aus. „Sonst tut es mir um das Geld leid, schließlich ist das Sammeln nur ein Hobby“, begründet er. Und wonach geht er noch? Der Zustand - am besten gebraucht. Denn das ist der zweite große Punkt, der Michael Feldbach an seiner Sammelleidenschaft begeistert. „Die Bücher haben eine Seele“, sagt er und öffnet ein Gesangbuch, das von 1846 und aus Zerbst stammt. „Hier hat die Besitzerin sozusagen alle ihre Lebensabschnitte hineingeschrieben“, sagt er. In säuberlicher, altdeutscher Schrift steht auf den jeweils ersten und letzten Seiten, wann die Besitzerin geheiratet hat, die Kinder geboren sind, der Partner verstorben ist... „Dieses Buch zeigt eine ganze Lebensgeschichte“, schlussfolgert der Zenser daraus.

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