Schönebeck l Georg Plenikowski ist ein ewiger Optimist. Selbst wenn die Sonne am Horizont untergeht, hofft der Präsident des Industriemuseums mit voller Zuversicht, dass es noch allzeit hell bleibt. Allein diese frohe Gemütslage hilft ihm über die gegenwärtigen Sorgen hinweg. Solche Sätze wie „Viel werden wir den Gästen wohl in diesem Jahr nicht präsentieren können“ oder „Jetzt sind meine Mitstreiter zur Zwangspause verdonnert“ kommen dem agilen Schönebecker nicht über die Lippen, wenngleich er genau das denkt.

Der Grund: Die große Ausstellungshalle des Museums ist wegen der zu erwartenden Notsanierung des Daches schon längst ausgeräumt. Viel zu sehen gibt also nicht. Dennoch sind Plenikowski und seine Mitstreiter, die sich seit Jahren um den Erhalt der Schönebecker Industriegeschichte einen Namen gemacht haben, nicht untätig. Aus Ermangelung an Ausstellung haben sich die Museumsleute eine neue Aufgabe gesucht, an die sie ranklotzen wie an die pünktliche Erfüllung des Fünfjahrplanes zum nächsten Parteitag.

Im Mittelpunkt steht daher die ehemalige Schaltwarte hinter dem Museum parallel der Bahngleise. „In der oberen Etage wollen wir bis Mitte Mai fertig werden“, gibt Georg Plenikowski das Ziel aus. Viel Fantasie ist gegenwärtig noch notwendig, um sich die Bilder vor dem geistigen Auge vorzustellen, die Plenikowski malt. „Das hier oben soll ein kleiner und ein großer Ausstellungsraum werden. Letzterer kann dann auch für Veranstaltungen genutzt werden.“

Schaltwarte im Mittelpunkt

Gegenwärtig erinnert diese Etage der Schaltwarte noch daran, wie hier zuletzt Mitarbeiter eines DDR-Betriebes Hebel umlegten und Knöpfe drückten, um die Stromversorgung in der Stadt sicherzustellen. Doch das Netzwerk des Industriemuseums lässt aus der staubigen Vergangenheit bald ein neues Schmuckstück entstehen. Nicht nur die eigene Leute des Vereines helfen in ihrer Freizeit von morgens bis abends mit, den Traum zu verwirklichen. Es sind auch Firmen und Unternehmen aus Schönebeck und Umgebung, die irgendwie nicht Nein sagen können, wenn Plenikowski sie charmant umschmeichelt. „Das hier machen wir ausschließlich mit Sponsorenleistungen“, verrät der Präsident. So hat des Museum eine Firma gefunden, die den Fußboden aus Sicht des Vereines für lau macht. „Die Betrieb sucht für sich ein Referenzobjekt. Das wird erstklassig“, freut sich Georg Plenikowski.

In die oberen Halle soll die Industriegeschichte rund um Schönebeck ein neues Zuhause finden. Dort werden sich also das Zementwerk Glöthe, der Gießereiarbeitsplatz, die Geschichte der Reichsbahn sowie der Straßenbahnlinie, die Maisan-Werke und das Metallleichtbaukombinat Calbe wiederfinden. Als Eröffnungstermin wird der 13. Mai angepeilt, was am Ende deutlich sportlicher sein wird, als der eingangs erläuterte Fünfjahrplan zu DDR-Zeiten.

Um im Gespräch zu bleiben, haben die Industriegeschichtler ein Angebot der Erdgas Mittelsachsen GmbH (EMS) angenommen. Das benachbarte Unternehmen stellt dem Museum im „Energie-Bündel“ Ausstellungsfläche zur Verfügung. Dort sind von nun an zu den Öffnungszeiten unter anderem Zündmaschinen zu sehen sowie Exponate zur Gebäudesanierung, zur Maschinenhalle, zum Traktor und zur Explosionsumformung. „Hier zu helfen, war selbstverständlich“, resümiert der Pressesprecher der EMS“, Frank Sieweck.