Schönebeck l Volles Haus im Jugendclub „Young Generation“ des Rückenwind e.V. in der Welsleber Straße in Schönebeck – mal wieder. Täglich kommen zwischen 80 und 100 Kinder und Jugendliche in das bunte Haus, und das sehr gern. Heutzutage ist das alles andere als ein Selbstläufer. Viele Jugendeinrichtungen sorgen sich wegen eines geringen Zulaufs an Jugendlichen.

Seit 2011 ist der Club in dem Gebäude der Sparkasse. Nachdem der alte Standort abgerissen wurde, zogen sie dorthin. „Das musste damals alles sehr schnell gehen“, erinnert sich Trixi Ziener, Sozialpädagogin und Leiterin der Einrichtung. Damals durften die Kinder bei der Gestaltung der neuen Einrichtung mit entscheiden. Ihre Ideen zeichneten sie wie kleine Architekten auf Papier und setzten sie später in die Realität um.

Es gibt keinen Vandalismus

Auch darum kommen die Kinder so gern zur „Young Generation“, meint Trixi Ziener: „Da sie es selbst geschaffen haben, behandeln sie es auch wie ihr Eigentum und kümmern sich darum. Wenn hier zum Beispiel jemand die Wände bekritzeln würde, gäbe es nicht nur Ärger von mir.“ So gibt es keinen Vandalismus. Es ist eine große Familie entstanden: „Die Großen passen hier auf die Kleinen auf, und man kümmert sich gegenseitig umeinander.“ Zusammen mit der Heilerziehungspflegerin Andrea Sommer kümmert sie sich jeden Tag von 13 bis 20 Uhr um die Kinder und hin und wieder sogar um deren Eltern.

Mit dem Jahr 2015, als die ersten Flüchtlinge nach Deutschland kamen, begann für die beiden Mitarbeiter auch eine völlig neue Aufgabe. Die geflüchteten Kinder suchten Anschluss im Jugendclub, ebenso wie die Eltern. „Es war eine völlig neue Erfahrung für uns. Wir halfen den Familien zum Beispiel bei behördlichen Angelegenheiten“, erklärt Ziener.

Daraus entstand auch die Idee für das Projekt, das jetzt mit 3500 Euro vom Deutschen Kinderhilfswerk (DKHW) unterstützt wird. „Lernpaten für Flüchtlingskinder“ heißt es und hilft den neuen Bewohnern Schönebecks beim Einleben und beim Deutschlernen. „Das klappt beim gemeinsamen Basteln, Kochen und Toben ganz spielerisch nebenbei“, erzählt die Rückenwind-Bereichsleiterin Linda Dutschko. Das alles kostet natürlich Geld. „Für viele dieser Vorhaben braucht es Material. Zum Kochen braucht man Zutaten und zum Basteln Papier“, so Dutschko. Dahin soll auch dieses Geld unter anderem fließen.

Ein besonderes Anliegen

Dazu erklärt Michael Kruse, zuständig für die regionale Koordination des Deutschen Kinderhilfswerkes: „Für uns ist es ein besonderes Anliegen, die Integration von Flüchtlingskindern in unsere Gesellschaft zu fördern.“ Deshalb unterstützen sie den Verein Rückenwind. Kinder, die vor Krieg, Unterdrückung und Verfolgung nach Deutschland flüchten, brauchen den besonderen Schutz und die Unterstützung von Staat und Gesellschaft. „Lernpaten für Flüchtlingskinder“ sei ein gesellschaftlich bedeutendes Projekt, das zur Nachahmung auffordere.

Derzeit sind sechs ehrenamtliche Lernpaten für Rückenwind tätig. Einmal in der Woche lernen sie mit den Kindern lesen, helfen bei Hausaufgaben oder spielen ganz einfach. Eine von ihnen war bis vor kurzem auch Liane Thiemann. Die 63-Jährige kümmerte sich neben dem Lesen und den Hausaufgaben auch um den Kochklub im Haus. Und dabei haben nicht nur die Kinder von ihr gelernt: „Es war wirklich immer ein Geben und Nehmen. Nicht nur ich habe ihnen Dinge beigebracht, auch ich habe eine ganze Menge von den Kindern und ihren unterschiedlichen Kulturen gelernt. Zum Beispiel viele neue Rezepte.“ Noch immer ziehe es die Rentnerin wieder in die Einrichtung zu den Kindern.

Das DKHW hat in den vergangenen fünf Jahren durch seine Förderfonds 1862 Projekte mit insgesamt 5 859 000 Euro unterstützt. Durch die Fonds erhalten Einrichtungen finanzielle Unterstützung, die die Teilhabe von Kindern zum Grundsatz ihrer Arbeit gemacht haben. Das Schaffen sinnvoller Freizeitangebote und Möglichkeiten zur Entwicklung einer kulturellen Indentität sind besondere Förderschwerpunkte des Deutschen Kinderhilfswerkes. Das DKHW hat Fonds zu unterschiedlichen Themen. Der Flüchtlingsfonds ist dabei der neueste.