Breitenhagen l Wenn man mit Heidi Ihlau zusammentrifft und sie ihre Sammlung zeigen möchte, geschieht das in einem besonderen Raum. „Mein Mann hat die Wohnung genau in Grundriss und Ausstattung der in Rüsselsheim nachgebaut“, lächelt die 65-Jährige. Wobei man ihre hessische Mundart heraushört.

Wohnung nachgebaut

Heidi Ihlau war mit einem Schiffer verheiratet, der aus Breitenhagen stammte. Als ihr Mann Klaus starb, tat sie sich mit dessen Cousin Friedhelm Radespiel zusammen, zog von Hessen nach Breitenhagen. Das war Anfang der 1990er Jahre. Und damit die Entwurzelung nicht so schwerfallen sollte, kopierte der handwerklich geschickte (und sehr musikalische) Friedhelm die Wohnung nach dem Rüsselsheimer Vorbild. Nur ein Unterschied ließ sich nicht vermeiden: Sah Heidi Ihlau in der Stadt bei Frankfurt Häuserschluchten, wenn sie aus dem Fester guckte, ist es in Breitenhagen ein grüner Garten, wo in der Nähe die Hühner gackern und Tauben auf dem Dach gurren.

Kontakt zur Heimat

Zuvor hatte die Hessin regelmäßigen Kontakt zur alten Heimat von ihrem Klaus gehalten. „Wir waren alle zwei Jahre hier und haben die Schwiegereltern besucht“, erzählt sie. Und weil sie ein offener Mensch ist, fiel ihr die Übersiedlung von der Großstadt aufs Land nicht schwer. Die ehemalige Einzelhandelskauffrau trat gleich in die Volkssolidarität ein, sang im Chor mit. Obwohl es zuweilen zu kleinen Verständigungsschwierigkeiten kam.

Als Heidis Tochter Sabrina am ersten Tag aus dem Breitenhagener Kindergarten nach Hause kam, maulte sie enttäuscht: „Hier gibt es mittags nichts Warmes, sondern nur Brot.“ „Der Fall war schnell geklärt“, lacht die 65-Jährige, „die haben von Mittagbrot gesprochen. Das ist ein Begriff, den man in Hessen nicht kennt.“

Heidi Ihlau macht noch etwas ganz Besonderes: Sie schreibt Bücher. Doch dazu später. Schließlich geht es in der Volksstimme-Serie um Menschen, die etwas sammeln. Der Wahl-Breitenhagenerin haben es Miniaturuhren angetan.

Sammelleidenschaft seiz 1999

Die gibt es in allen Formen, Farben und Werkstoffen. Seit 1999 sammelt sie - ihr Gatte musste kleine Regale bauen - und besitzt heute knapp hundert Stück. „Ich hätte mir vorher nicht träumen lassen, worin man überall eine Miniuhr einbauen kann“, lacht Heidi. So gibt es Musikinstrumente, Fahrräder, Eulen, Giraffen, Möbel und sogar eine altväterliche Petroleumlampe, die die Zeit anzeigen. Und sogar eine Badausstattung tickt im Hause Ihlau friedlich vor sich hin.

Eine ganz besondere Uhr aus Marmor hatte ihr Sohn aus Afghanistan mitgebracht, der dort im Rahmen eines Bundeswehreinsatzes diente. Das Lieblingsstück ist für die Sammlerin eine kleine Petroleumlampe, wie sie früher in Kajüten von Binnenschiffen die Abende erhellte. „Das ist eine Erinnerung an meinen ersten Mann“, gesteht Heidi Ihlau.

Waldmännchen-Geschichten

Einigen Lesern wird die Breitenhagenerin durch ihre „Waldmännchen-Geschichten“ bekannt sein, die von Renate Däumichen aus Calbe illustriert werden. Sechs Hefte erschienen bisher, das siebte ist in Arbeit. Inspiriert wurde sie vor Jahren, als sie für Enkel Thomas immer vor dem Mittagsschlaf Geschichten ersann. „Meine Tochter hat gesagt: ‚Wenn der von dir kommt, will er Geschichten hören, die ich aber nicht erzählen kann. Schreib sie doch mal auf!‘“

Nun hat Heidi Ihlau ein weiteres literarisches Feld betreten und einen Roman geschrieben. Miniuhren spielen darin allerdings keine Rolle.

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