Schönebeck l Wo am Vormittag noch gelernt wurde, steht am Abend das Buffet. Am Foyer-Eingang des Gymnasiums befinden sich Tische mit kalten Platten und Sektgläsern. Plötzlich hört man Sektkorken knallen. Einmal, zweimal …sechsmal. Die Gläser werden von den Schülern befüllt. Damit sind die Vorbereitungen abgeschlossen und die Gäste können kommen.

In der vergangenen Woche haben die angehenden Abiturienten in ihrer Schule ein Benefizkonzert gegeben. Damit sammelt der Abschlussjahrgang zum einen Geld für die Abi-Kasse, und zum anderen möchte er die Tradition an der Schule fortführen. „Nicht jeder Jahrgang traut sich an die Aufgabe heran, ein Konzert zu planen. Deshalb fand die Veranstaltung seit 2014 nicht mehr statt“, sagt Schüler Marvin Gurr. Im Vorfeld hat sich der Schüler mit der Volksstimme im Gymnasium getroffen, um über Hintergründe zu sprechen. „Wir wollen unseren Abiball im Maritim-Hotel feiern. Für den letzten Schultag benötigen wir eine Bühne, und auch die Abschlusszeitung kostet Geld“, sagt der 18-Jährige.

Schüler spielen Lehrer

Während des Interviews füllt sich das Foyer des Gymnasiums. Erst treffen die Schüler ein. Kurz nach 18 Uhr sind fast alle 300 Stühle besetzt. Marvin Gurr liest sich ein letztes Mal seine Moderationskarten durch. Zusammen führt er mit seiner Klassenkameradin Emily König durch das Konzert. „Wir haben unsere Eltern, Großeltern, Lehrer und Freunde eingeladen“, sagt Louisa Koch. Die Moderatoren begrüßen das Publikum. Mit dem Lied „Abi is coming“ beginnt der Abi-Chor das Benefizkonzert. Auf der Bühne stehen bereits Schultische, Stühle und eine Tafel. Diese werden für den danach folgenden Sketch benötigt. Auf witzige Weise präsentieren die Schüler verschiedene Charaktere von Lehrern. Da gibt es „Die Verpeilte“ die am Tag der Klausur feststellt, dass sie die Arbeiten zuhause vergessen hat. Und dann ist sie auch noch in der falschen Klasse gelandet. Der „Null-Bock-Typ“ kommt in den Raum und sagt: „So, erster Block. Was machen wir? Hmm, holt mal den Fernseher. Wir schauen Harry Potter.“ Und „Der Abschweifer“ möchte über geschichtliche Ereignisse berichten und erzählt auf einmal von seinem letzten Urlaub mit der Familie. Das Publikum lacht herzlich, klatscht und ist sichtlich begeistert von der Darbietung. Mit gesanglichen und instrumentalen Stücken geht das Programm weiter. Beispielsweise spielt Sarah Zucker mit ihren Freundinnen den „kleinen grünen Kaktus“ auf dem Cello.

Bilder

Die Schüler haben sich ausgerechnet, dass sie für ihre Vorhaben rund 8000 Euro benötigen. Aus diesem Grund sammeln sie seit Anfang der elften Klasse von jedem angehenden Abiturienten monatlich einen festen Betrag ein. Der Jahrgang veranstaltete außerdem mehrere Kuchen- und Brötchenbasare, hat Glühwein bei den Chorkonzerten verkauft und half bei einer Inventur in einem Lebensmittelgeschäft. Auch das Benefizkonzert soll dazu beitragen, dass die Schüler ihrem Ziel näher kommen.

Eintrittskarten gibt es für das Konzert nicht. „Jeder Zuschauer soll am Ende des Abends das zahlen, was er für angemessen empfindet“, sagt Schülerin Louisa Koch. Sie ist ein bisschen nervös: „Ich versuche, in kleinen Schritten zu denken. Aber ja, ich bin aufgeregt und habe gestern Abend Baldriantropfen für mich entdeckt.“ Die 17-Jährige übernimmt auch bei anderen Veranstaltungen organisatorische Aufgaben.

Die Jugendlichen machen das toll

In der Pause erzählt Mutter Annette Schiemann: „Die Jugendlichen machen das toll. Ich habe viel gelacht und mitbekommen, dass sich der ein oder andere Lehrer bei den Sketchen wieder erkannt hat.“ Mathematik- und Physiklehrer Eckhard Schadow ist stolz: „Seit der fünften Klasse habe ich die Schüler. Jeder hat seine Stärken, hier auf der Bühne leben sie diese gerade aus.“

Es geht weiter. Die Mitglieder der Turnabteilung von Union 1861 haben ihren Auftritt, und der Zuschauer erlebt weitere gesangliche Höhepunkte. Acht Jungs zeigen einen unterhaltsamen Strumpftanz (Foto oben), der reichlichen Beifall bekommt.

Der Abend neigt sich dem Ende entgegen. Die Stimmung wechselt ins Melancholische. Danksagungen bringen die ersten Freudentränen. Dann folgt das letzte Lied. Gemeinsam singen alle vier Klassen den Song „We are the world.“ Ein Gänsehautmoment der weitere feuchte Augen mit sich bringt. Er zeigt, dass es dem Jahrgang nicht leicht fällt, die Schule bald verlassen zu müssen.