Calbe l Dicht hängen am Sonnabend die Nebelschwaden über dem dunklen Mühlgraben und um das Friedrich-Schiller-Gymnasium. Am späten Nachmittag flackern einige Kerzen in der altehrwürdige Aula und verbreiten warmes Licht. Die Musiker gehen durch die Reihen mit den mehr als 70 Gästen und nehmen unter herzlichem Vorschuss-Applaus ihre Plätze ein. Nach kurzer Begrüßung von Bürgermeister Sven Hause betritt Dirigent Gerard Oskamp das Pult und Schauspielerin Andrea Beckmann leitet mit Christian Morgensterns Gedicht „Novembertag“ in das Konzert ein. In gut anderthalb Stunden soll die besondere Stimmung am Übergang des Spätherbstes zur Vorweihnachtszeit sowohl musikalisch als auch lyrisch erfahrbar gemacht werden.

Herr Ribbeck auf Ribbeck

Die Auswahl der Werke ist mit viel Bedacht getroffen. So lässt Andrea Beckmann mit der Rezitation einer von Theodor Fontanes bekanntesten Balladen den Birnbaum im Garten von „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ vor dem geistigen Auge erscheinen. Im ersten Konzertteil wird der Herbst mit all seiner Melancholie und Nachdenklichkeit verabschiedet. Mendelssohn Bartholdys „Abschied von den Zugvögeln“ und „Herbst“ gehören dabei ebenso dazu wie die Oktober und November-Charakterstücke aus den „Jahreszeiten“ - doch nicht von Vivaldi oder aus Haydns Oratorium, als vielmehr entlehnt aus einem Zyklus von zwölf Klavierstücken von Tschaikowsky.

Die Heilige Lucia

Nach der Pause steht im zweiten Konzertteil die Begrüßung der Adventszeit im Fokus. Wie im vergangenen Jahr betritt wieder die Heilige Lucia im weißen Kleid, roten Samtband und dem Kranz aus Preiselbeerzweigen und brennenden Kerzen die altehrwürdige Aula. Mit „Santa Lucia“ wird an den 13. Dezember erinnert, an dem der Lichterkönigin und Namensgeberin vor allem in Schweden gedacht wird. Die beiden jungen Sopranistinnen Christina Heuel und Henriette Schein glänzen mit ihrer Darbietung. Nach einem weihnachtlichen Potpourri hält es das Publikum zum Schluss nicht mehr auf den Plätzen. Mehrere Zugaben und stehende Ovationen zollen dem Klangkörper und seinen Solisten höchste Anerkennung.

Bilder

„Ganz fabelhaft“, schwärmen Jutta und Oskar-Heinz Werner aus Calbe. „Mich haben die kräftigen Stimmen der zarten Frauen beeindruckt“, sagt der zehnjährige Peter, der sich in der Lessing-Grundschule eine der Freikarten aus dem Kontingent sicherte und seine Mutter Iris Cleve und Großmutter Ingrid Schlünz zum Konzertabend überredete. „Der Auftritt in Calbe und seinen netten Menschen ist für mich immer etwas Besonderes“, gibt Klarinettist Jerzy Bojanowski das Lob des Abends zurück.