Barby l Alle Jahre wieder spendierte ein Mittelständler der Stadt Barby 5000 Euro. So war es auch im vergangenen Jahr.

„Er hat darum gebeten, dass er öffentlich nicht genannt wird“, sagt Bauamtsleiter Holger Goldschmidt. Weitere Nachfragen zur Identität des geheimnisvollen Wohltäters laufen ins Leere. Er sei der Meinung, dass „sowieso viele in Barby wissen, um wen es geht“, ließ der Walternienburger einmal verlauten.

Sei‘s drum. Fakt ist, dass sich nicht wenige Menschen über die Sitzgruppe freuen werden, die nun wieder an der Saalemündung steht. Zum Beispiel jene Damen und Herren, die nach Absolvierung des 403 Kilometer langen Saaleradwanderweges geschafft, aber am Ziel ihrer Wünsche sind. Er berührt die Bundesländer Bayern (Fichtelgebirge, Frankenwald), Thüringen (Thüringer Schiefergebirge, Saaleland) sowie Sachsen-Anhalt und gilt als einer der anspruchsvollsten Fluss-Radwege Deutschlands. Viele der Strampler übernachten in Barby, lassen so die Kassen von Gastronomen und Pensionen klingen.

Bilder

Dritte ihrer Art

Wer sich jetzt zurecht die Frage stellt, warum an einem so exponierten Ort wie der touristisch wichtigen Elbe-Saale-Mündung die Infrastruktur so unterentwickelt ist, dass man das Aufstellen einer Sitzgruppe feiert, dem sei gesagt:

Es ist mittlerweile das drittel Möbel dieser Art. Das erste Exemplar wurde von Randalierern in der Saale versenkt, das zweite abgefackelt. Beide waren komplett aus Holz.

Stahlprofil

Doch damit dürfte jetzt Schluss sein. Die Grundkonstruktion des Neubaus besteht aus 10er Hohlraum-Stahlprofil, das verzinkt ist. Es wurde so auf dem Beton-Fundament befestigt, dass es im Falle großer Hochwasser oder vor Wartungsarbeiten ruck zuck demontiert werden kann.

Was aber nicht so leicht ist, damit es Quartals-Vandalen nicht nachmachen können. Dach, Tisch und Sitzelemente bestehen aus Lärchenholz. „Ich glaube, da haben wird was Dauerhaftes geschaffen“, streicht Andreas Eberle über das lasierte Holz. Denn Fichte oder Kiefer, die in der Vergangenheit oft aus Kostengründen verarbeitet wurden, haben keine lange Lebensdauer. Wenn es wärmer ist, werden noch Dachschindeln aufgenagelt.

Eberle ist Bereichsleiter bei Teutloff Barby an der Pömmelter Straße. In diesem Schulungs- und Bildungsunternehmen wurde die Sitzgruppe gefertigt. Die Metallarbeiten erfolgten in Calbe, die Holzbearbeitung in Barby. „Dafür wurden Teilnehmer einer AGH-Maßnahme beauftragt“, sagt Teutloff-Geschäftsführerin Gabriele Rotter-Kiel, die das Jobcenter freigab.

Öffentliches Interesse

AGH? So wird ein arbeitsmarktpolitisches Instrument bezeichnet, das Arbeitslose bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt unterstützen soll.

Arbeitsgelegenheiten sollen zusätzliche Beschäftigungen sein, und abseits vom bereits vorhandenen Arbeitsmarkt und mit Hilfe von öffentlichem Geld angeboten werden. Die in der „Arbeitsgelegenheit“ verrichteten Arbeiten sollen im öffentlichen Interesse liegen.

Für Allgemeinheit

Und genau so will es der Sponsor: Seine Spende soll der Allgemeinheit zugute kommen und einen sozialpolitischen Aspekt haben. Mit seinem Geld wurde der Materialaufwand bezahlt, ein Rest ist noch in der Stadt-Kasse.

„Unsere Leute sind mächtig stolz auf das, was sie für ihren Heimatort geschaffen haben“, ist sich Gabriele Rotter-Kiel sicher.

Derzeit sind sie dabei, die Bänke für den Barbyer Schlosspark aufzuarbeiten.