Pömmelte l Selten ist die Sankt Johanniskirche in Pömmelte so voll besetzt wie am Sonntag. Selbst die zweite Etage ist gut an diesem Nachmittag besetzt, als Pfarrer Björn Teichert mit dem Gottesdienst beginnt.

Es ist dieses mal ein ganz besonderer Gottesdienst, den die Pömmelter erleben. Denn es sind nicht nur die Mitglieder der Kirchengemeinde zahlreich erschienen. Auch Bürger, die sonst wenig oder nichts mit der Kirche zu tun haben, nehmen an dem Ritual teil. Denn nach Jahren harter Arbeit werden die neuen Glocken vom Turm erstmals ihren Klang über dem Ort verbreiten.

Die neuen Bronzeglocken erklingen im Gottesdienst nacheinander, so dass der Pfarrer die Segnung einzeln vornehmen kann. Zuletzt verfügte der Kirchturm der Pömmelter Kirche über eine Eisengussglocke. Die Lebensdauer von Glocken aus Eisen ist allerdings begrenzt. Nur gut 100 Jahre, beträgt die Lebenserwartung. Deshalb reagierte der Gemeindekirchenrat vor einigen Jahren und startete das Glockenprojekt.

Sammlung

Schließlich stammt die eiserne Glocke aus dem Jahr 1922. In wenigen Jahren erreicht sie ihren 100. Jahrestag hoch über der Ortschaft an der Elbe. Die Pömmelter Christen wollten nun nicht warten, bis die Glocke ihren Dienst versagt, sondern vorher tätig werden.

Um die neuen Glocken und den notwendigen Umbau des Glockenstuhls zu finanzieren, bewarben sie sich um Fördermittel. Außerdem sammelten sie für das Vorhaben im Ort. Die Menschen der Gemeinde stellten sich hinter das Projekt und spenden viel Geld für den geplanten Umbau.

Über den Klang der neuen Glocken ließen sich die Pömmelter von fachkundiger Seite beraten. Der Experte des Kirchenkreises riet zur Anschaffung von Glocken, die den Ton A und C erklingen lassen, sagt der Pfarrer.

Aus Lauchhammer

In Lauchhammer haben die Pömmelter in einer Glockengießerei die Klangkörper in Auftrag gegeben. Das Interesse der Bevölkerung an dem Guss sei sehr groß gewesen, schildert er. Ein Reisebus musste bestellt werden, damit alle interessierten Bürger den Glockenguss miterleben konnten.

Die große Glocke ist 450 Kilogramm und kleinere Glocke noch 270 Kilogramm schwer. Im Glockenturm, hoch über den Dächern der Ortschaft, erklingen sie nun wieder wie vor vielen Jahrzehnten.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen waren in der Vergangenheit vor allem die Ursache dafür, dass die Glocken aus vielen Kirchtürmen verschwanden. Die Bronzeglocken stellten einen wertvollen Rohstoff für die heimische Rüstungsproduktion dar. Deshalb wurden bei kriegerischen Auseinandersetzungen immer wieder die Glocken aus den Kirchen geholt. Zuletzt erlebten viele Kirchengemeinden dies im Zweiten Weltkrieg. Aber bereits im Ersten Weltkrieg griff das Deutsche Kaiserreich auf das Buntmetall in den Kirchen gern und großzügig zurück.

Jahrzehnte vergangen

Nach dem Krieg fehlte den Kirchengemeinden dann oftmals das Geld, die Glocken wieder zu ersetzen. Im Fall von Pömmelte dauerte es viele Jahrzehnte, bis der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt werden konnte.

„Glocken sind Musik“, sagt Dieter Kohle während des Gottesdienstes. Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates fasst die Anstrengungen der vergangenen Monate noch einmal zusammen. Er hoffe, dass neuen Glocken mindestens 1000 Jahre im Turm erklingen werden und nicht wieder bei einer kriegerischen Auseinandersetzung vom Turm geholt werden.

Kosten im Rahmen

Die Kosten für den Umbau und den Glockenguss habe er während der ganzen Zeit immer im Blick gehabt. Die Kirchengemeinde hatte auch die beteiligten Unternehmen zum Festgottesdienst eingeladen. Nach der Einladung, schildert Dieter Kohle, habe er noch einige Rechnungen bekommen. Ihm sei es fast so vorgekommen, als sei den Unternehmen mit der Einladung erst aufgefallen, dass sie noch eine Rechnung stellen müssten.

Die Finanzierung des Vorhabens sei im gesteckten Rahmen geblieben. Mit den neuen Glocken und dem Umbau des Glockenturms habe die Kirchengemeinde gut 55.000 Euro ausgegeben, sagt er. Die Ausgabe habe sich die Kirchengemeinde leisten können, weil es eine große Welle der Hilfsbereitschaft gegeben habe, dankt er zusammen mit Pfarrer Björn Teichert den Bürgern.

Einzigartig

In seiner Predigt unternimmt der Pfarrer einen Ausflug um die Welt und schildert, wie in anderen Religionen die Gläubigen zum Gebet gerufen werden. Die Glocke sei dabei ziemlich einzigartig, habe er dabei entdeckt. Mit den unterschiedlichsten Methoden und Klangkörpern machen die Religionen in den verschiedenen Erdteilen auf sich aufmerksam und rufen die Menschen zum Gebet.

Dabei gilt das heutige China als Ursprungsland der Glocke. Dort hörten die Menschen bereits vor vielen Tausend Jahren auf den austarierten Klang metallener Glocken. Auch die Griechen und Römer kannten vor Christus bereits die Glocke als Klangkörper. Oftmals wurden sie als Musikinstrumente verwendet und blieben zum Teil erhalten. Schon im frühen Christentum spielte die Glocke eine Rolle. Dabei waren die Glocken aber sehr klein und am Gewand des Priesters befestigt. Es dauerte einige Jahrhunderte, bis sie größer wurden.