Barby l Als sich Stadtratsvorsitzender Ernst Neugebauer (CDU) vor wenigen Tagen bei dem 65-Jährigen nach dessen Gemütsverfassung erkundigte, sagte der: „Gut geht es mir nicht." Strube hatte schon bei verschiedenen Anlässen in den Wochen zuvor gestanden, dass ihm der Abschied vom Rathaus und seinem Amt nicht leicht fallen werde.

Wie gerne und leidenschaftlich der gebürtige Barbyer seinen Job machte, brachte Neugebauer mit einem Gleichnis auf dem Punkt: Er berichtete vom Erlebnis mit einem Lehrer, der am Ende seiner Dienstzeit jeden Tag ein Stückchen vom Bandmaß abschnitt. Er konnte den Tag kaum erwarten, morgens nicht mehr das Haus in Richtung Schule verlassen zu müssen, wie ein Soldat, der sehnsüchtig auf das Ende seines ungeliebten Grundwehrdienstes wartet. „Du hättest ganz gerne einem die Tage zählenden Bandmaß noch ein paar Schnipsel hinzugefügt. Dies haben wir alle gewusst und bemerkt: Du hast den Dienst eines Bürgermeisters immer gerne getan", merkte Neugebauer an.

Begonnen hatte Jens Strube als amtierender Bürgermeister  1983, nach dem Otto Gerstner erkrankt war. Der Bürgermeister wurde nicht von den Bewohnern gewählt, sondern von der Partei bestimmt. „So war Barby Erbhof der SED. Auch ein paar wenige CDU-Erbhöfe gab es, wie etwa Gnadau", erinnerte Ernst Neugebauer.

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In Jens Strubes erste Amtszeit fielen Umbrüche und Veränderungen des Herbstes 1989. „Du hast in dieser Zeit Anfeindungen zu ertragen gehabt. Aufgestaute Wut richtete sich gegen Mandatsträger. Das Kartenhaus der Partei, die immer recht hatte, fiel sang und klanglos in sich zusammen", sagte Neugebauer, der sich damals als Pfarrer um friedliche Abläufe in Barby verdient machte.

„Du hast in dieser Zeit nicht gekniffen, Du hast Dich nicht vom Acker gemacht, Dich auch sehr kritischen Anfragen gestellt und Deinen Teil daran, dass hier in Barby die Veränderungen anständig und fair verliefen."

Bei der Kommunalwahl 1990 trat Strube nicht an, arbeitete fortan wieder wie vor 1883 bei der Deutschen Reichsbahn. Das Rennen machte damals CDU-Kandidat Hans Georg Chop.

Vier Jahre später kandidierte der damals 43-Jährige jedoch wieder. Er verwies drei Mitbewerber auf die Plätze und errang im ersten Wahlgang mit einem Traumergebnis von 64 Prozent die absolute Mehrheit. Bis zur Gründung der Einheitsgemeinde 2009 war Jens Strube ehrenamtlicher Ortschef.

Seit 2009 ist Strube hauptberuflicher Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Barby. Nun als Chef der Verwaltung, Dienstvorgesetzter von 30 Mitarbeitern und der großen Aufgabe, elf Ortschaften, deren erträumtes Ziel ja nicht die Einheitsgemeinde war, zu vereinigen.

„Wir im Stadtrat haben manchmal das Gefühl, dass das Wort kommunale Selbstverwaltung in einer verschuldeten Stadt nur schwer zu leben ist, und erleben, wie eng die Spielräume sind, innerhalb derer wir agieren können", unterstrich Stadtratsvorsitzender Neugebauer. „Vor ein paar Tagen habe ich Dich gefragt, wie Du den kommunalpolitischen Spielraum heute im Vergleich zur DDR-Zeit empfindest. Da hast Du sehr spontan gesagt: Zu DDR-Zeiten hatten wir gar keinen Spielraum." Einmal im Quartal habe man zum Befehlsempfang beim Vorsitzenden des Rates des Kreises gemusst. „Auch wenn heute der Spielraum durch finanzielle Zwänge sich auf Null zu bewegt, ist dennoch viel geschehen. Wenn Du heute  durch Deine Stadt gehst, und wenn in Deiner Erinnerung die Bilder der Zeit sind, in der Du angefangen hast, dann hat sich so vieles zum Besseren verändert", betonte Neugebauer. Aber für Nachfolger Torsten Reinharz müsse es ja auch noch etwas zu tun geben, so der Redner augenzwinkernd.

„Während Du viele Jahre Bürgermeister warst, war ich hier viele Jahre Pfarrer. Das sage ich nur, damit sich niemand wundert, wenn ich Dir für die kommende Zeit auch Gottes Segen und Behüten wünsche", beendete Ernst Neugebauer seine Laudatio im Barbyer Rautenkranz.