Calbe l Vor fast genau 21 Jahren berichtete die Volksstimme noch enthusiastisch von einer in Calbe kurz vor der Eröffnung stehenden Jugendbegegnungsstätte. In der ehemaligen Diesterweg-Schule an der Schloßstraße renovierten über vier Wochen lang zum Großteil Jugendliche sechs Räume, die von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellten wurden.

Es entstanden zwei Mehrzweckräume für sportliche Betätigungen, ein Freizeit- und Fernsehraum und ein Versorgungsraum. Träger der Einrichtung wurde damals die Volkssolidarität Schönebeck. Bereits im Jahr 2000 zogen dunkle Wolken über dem Objekt auf. Das marode Gebäude wurde schließlich verkauft, der neue Eigentümer kündigte den Mietvertrag mit dem Jugendklub, der schließlich 2006 auszog. Die Suche nach einem Ausweichquartier verlief im Sand. Für den baulichen Zustand des ehemaligen Jugendklubs „Fantasy Island“ gab es nur eine Richtung und zwar steil bergab. 2012 zündelten zudem Brandstifter mehrmals in den Räumlichkeiten, die Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern.

Die Ruine am Kreuzungsbereich Schloßstraße/Große Angergasse wird täglich von vielen Fußgängern, Rad- und Kraftfahrern passiert. „Das ist für mich der größte und hässlichste Schandfleck dieser Stadt“, meint Rolf Kiese. Der Calbenser plädiert für einen sofortigen Abriss, zumal der Salzlandkreis im kommenden Jahr mittels einer Millionen-Investition mit der Aufwertung des benachbarten Schulstandortes beginnen möchte (Volksstimme berichtete). Dabei soll neben der Sanierung des Altgebäudes des Friedrich-Schiller-Gymnasiums auch die ehemalige Pestalozzi-Schule auf dem Schulhof abgerissen werden. „Dann ist alles schön, und diese Ruine bröckelt daneben langsam zusammen“, klagt Kiese.

Immobilie in Privatbesitz

Doch so einfach ist das nicht mit einem schnellen Abriss, schließlich befindet sich die Immobilie in Privatbesitz. Die Stadt hat keine direkte Handhabe mehr. Ein leidiges Thema, das im Stadtgebiet an vielen weiteren Stellen bereits beklagt wurde und wird. Beispiel Kanalgasse, die aufgrund eines einsturzgefährdeten Gebäudes seit nahezu zwei Jahren (!) voll gesperrt ist. In diesem Fall befinden sich der Salzlandkreis und das Land Niedersachsen als Eigentümer in einer zähen gerichtlichen Auseinandersetzung.

Im Fall der ehemaligen Diesterweg-Schule könnte erst über das Bauordnungsamt des Salzlandkreises ein Abriss verfügt werden. Dazu müsste ein Gutachter das Haus aufgrund seiner Baufälligkeit erst zur Gefahr für die öffentliche Sicherheit deklarieren. Doch davon scheint der Bau noch weit entfernt, so dass er sicherlich die nächsten Jahre dem Stadtbild erhalten bleiben muss.