Schönebeck l „Jetzt stellen wir uns mal vor, dass es fertig ist - das wird Kult. Das wird Kult!“ Georg Plenikowski steht mit leuchtenden Augen vor dem imposanten alten Maschinenhaus, das einst Teil eines Energieversorgers war und heute zum Schönebecker Industriemuseums gehört. Nur leider ist das Dach marode. Wenn es regnet, regnet es oft durch. Dann tropft es mal hier und mal dort, je nachdem, welchen Weg sich das Wasser im großen, geschwungenen Bereich des gewölbten Daches sucht. Deshalb stehen Behälter bereit, die dann möglichst schnell entsprechend positioniert werden müssen. Ein Zustand, der so nicht bleiben kann, wie der Präsident des Schönebecker Vereins Industriemuseum (Imuset) hervorhebt. Und Abhilfe ist ganz nah, denn Bund und Land lassen über das Städtebauprogramm Geld fließen, 740 000 Euro sollen es für einen ersten Bauabschnitt sein. Die Ausschreibungsunterlagen liegen bereits auf dem Tisch, versichert Plenikowski. Er ist sehr optimistisch, dass die Bauarbeiten schon im März beginnen können. Die Vereinsleute haben darum schon begonnen, das Innenleben des Maschinenhauses, vor allem Vitrinen, mit Styropor abzudecken und sie so vor eventuell herabfallenden Dingen zu schützen. Die vielen Maschinen wieder aus der Halle zu schaffen, wäre erstens ein riesiger Kraftaufwand und zweitens nicht unbedingt nötig, sie sind stabil.

Blechdach geplant

Fest steht schon einmal, dass das neue Dach ein Blechdach sein wird, so, wie es original der Fall war. Die gegenwärtige Konstruktion schließt mit Dachpappe ab. Die Denkmalschutzbehörde gibt Vorgaben, die zuweilen ein Mehr an Aufwand bedeuten, dennoch sträubt sich Plenikowski keineswegs dagegen: „Ich will ja, dass die Gebäude wieder so entstehen, wie sie einmal waren“, zeigt er auf, dass er mit dem Denkmalschutz prinzipiell einer Meinung ist. So werde es auch wieder die ursprünglich vorhandenen Dachspitzen geben.

Und obwohl die Bauarbeiten im Mai unter Garantie noch laufen werden, planen die Imuset-Leute für den Wonnemonat die Vernissage für eine neue Kunstausstellung. Eine Dauerausstellung soll es sein, so wie die von Dario Malkowski, die 2016 eröffnet worden ist. Dafür werden gegenwärtig Räume in jenem Gebäudetrakt hergerichtet, in dem früher der leitende Ingenieur des einstigen Energieversorgers seine Wohnung hatte. Welcher oder welche Künstler auserwählt worden sind - das will Georg Plenikowski noch nicht verraten.

Bilder

Alte Schaltwarte

Doch damit noch lange nicht genug: Auf dem Imuset-Gelände gehört eine weitere Halle dem 2009 gegründeten Verein: eine ehemalige Schaltwarte. Von hier ist früher der Strom für ganz Schönebeck verteilt worden. Das dreistöckige Gebäude steht schon mehrere Jahre leer und so sieht es denn auch im Inneren aus - besser gesagt sah es aus. Die 25 aktiven Imusetler haben in einer ungeheuren Kraftanstrengung das Haus entkernt - und sie sind noch damit beschäftigt. Unmengen an Beton, Metall und Gips sind angefallen, wurden und werden sauber recycelt. Über dieses ehrgeizige Projekt wird die Volksstimme noch berichten. Um deutlich zu machen, um was für eine Herkulesaufgabe es hier geht, sei Plenikowski zitiert: „Das wird das schlimmste Jahr. Wenn wir 100 Vereinsmitglieder hätten - so hätte jeder was zu tun.“