Karten und mehr

Am Sonnabend, 24. Juni, ist die Premiere des 21. Schönebecker Operettensommers. Dann wird bis zum 23. Juli immer von Mittwoch bis Sonntag das „Schwarzwaldmädel“ auf der Freilichtbühne Bierer Berg aufgeführt.

In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten ist der Operettensommer „auf dem Berg“ vor den Toren der Elbestadt von Jahr zu Jahr gereift. Was mit einem improvisierten Experiment im Jahre 1997 mit lediglich fünf Vorstellungen und mit etwas mehr als 1500 Zuschauern begann, ist nun zu einem wahren Publikumsmagneten gereift. Die 22 Aufführungen anlässlich des 20. Bestehens im Vorjahr besuchten knapp 17.000 Operettenfreunde, was einer Auslastung von 90,5 Prozent entspricht.

Eintrittskarten gibt es noch für jeden Spieltag im Orchesterbüro der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, Tischlerstraße 13a in Schönebeck. Sie können auch telefonisch unter (03928) 40 04 29 reserviert werden.

Schönebeck l Da sieht man sie wieder in Schönebeck: die Kutil. Die Verkürzung auf den Nachnamen ist keine Unhöflichkeit, bei Künstlern üblich, eher ein Zeichen der Wertschätzung. Wobei, viele sprechen sie in der Elbestadt längst mit Katharina an. Die gebürtige und bekennende Wienerin fühlt sich an der Elbe zu Hause. Zum zwölften Mal hat sie eine Aufgabe beim Operettensommer, aus der Regieassistentin wurde die Frau, die nun zum dritten Mal eine Operette komplett inszeniert. Auf dem Berg scheint Kontinuität angesagt, ihr Vorgänger Thomas Enzinger saß 18 Mal auf dem Regiestuhl.

Katharina Kutil genießt den ersten Tag im Kurpark. Langsam ankommen und dabei die Sonne genießen, bevor es am Sonnabend zum ersten Mal in diesem Jahr auf den Berg geht, die ersten Absprachen mit den beiden Assistentinnen stattfinden, bevor am Montag die Proben starten. Über ihre Vorfreude sprach sie quasi öffentlich. Bei Facebook war es zu lesen: „Heute in einer Woche, um diese Zeit ... sitz ich im Auto und fahr ins schöne Schönebeck! Freunde, ich komme!!!“

Die wenigen Worte sprechen für sich. Ja, es sei mehr als ein Job, räumt die Frau mit dem gelockten Haar ein. Und nein, Wien könne man auch für ein paar Monate verlassen. Die Metropole nennt Kutil ihre Heimat und trotzdem brauche sie Abstand. In der Kunstszene erweise sich die Hauptstadt Österreichs als Haifischbecken. Schwer gelinge es in der freien Theaterszene, Projekte zu etablieren. „Dort denken eben viele, wir haben die Klassik und gerade die Operette gepachtet, das führt zu einer gewissen Engstirnigkeit“, kommentiert Kutil mit einem wie stets gewinnenden Lachen.

Bilder

Sie engagiert sich zudem für freie Gruppen, inszenierte gerade erst im Frühjahr mit „Die Sternschnuppen“, allesamt Wiener Amateurschauspieler, das „Dinner für Zehn“. Die Truppe machte sich übrigens im vergangenen Jahr geschlossen auf, um den Operettensommer auf dem Bierer Berg zu besuchen.

Geliebtes Schönebeck

Schönebeck sei eine „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen, die inzwischen auf Mama und Papa abgefärbt ist. Sie mag, dass man seinen Bäcker kennt, nicht anonym durch die Straßen läuft. Und ihr Hang zum Morbiden findet Erfüllung. Stopp, das soll keine Kritik sein, jede Stadt habe so etwas. Der Gertraudenfriedhof hat bei ihr den Stellenwert eines Refugiums, nach mancher Vorstellung geht es mit dem Auto irgendwo nach Pretzien für ein erfrischendes Bad. Und sie freut sich über Veränderungen wie am Marktplatz. Mit seinem neuen Gesicht versprühe er ein besonderes Flair, tut gut. Aber warum man das Projekt „Shared Space“ nennen muss, ist für die Wienerin ein Unding. Deutsch solle man sprechen, wie Luther den Menschen aufs Maul schauen.

Der Operettensommer ist Kutils Ding. Es hört sich wie Schwärmerei an, wenn sie über die besondere Atmosphäre auf dem Bierer Berg spricht. Allein der scheinbare Ruhm, eines der wenigen Festivals zu sein, bei dem die Kunstgattung hochgehalten wird, macht es nicht. Es werde die traditionelle Operette gespielt, stücktreu, aber mit kleinen modernen Änderungen, die jedoch nicht in das Stück und die Handlung eingreifen. Der Tradition, selbst eine Rolle zu übernehmen, bleibt das Multitalent auch in diesem Jahr als Berliner Tourist Schmußheim treu. Hallo, wie steht es da mit dem Dialekt des Spreeatheners, eines Piefkes? „Icke kann das“, versichert die Kutil überzeugend. Vor ein paar Jahren gab sie „Im weißen Rößl“ den Berliner Fabrikanten Wilhelm Giesecke. Dafür habe sie mit Hilfe einer CD die „Sprache“ gelernt, ehrgeizig und mit Akribie. Schwer sei es gewesen, bayrisch und tirolerisch lägen ihr mehr.

Kompliment

Eins möchte sie zum 2017er Operettensommer-Auftakt loswerden: ein Kompliment an die Verwaltungsmannschaft der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie. Die 47-Jährige lobt das „kleinste Festivalbüro, dass ich kenne“, für den tollen Job, den es macht.

Ach so, im vergangenen Jahr gab es doch an der Elbe eine Kutil‘sche Buchpremiere. Der erste Rosa Blau Krimi „Oidweibasummer“ wurde damals vorgestellt. Das nächste Heft der Reihe sollte in Schönebeck spielen. Was ist aus dem Vorhaben geworden? Katharina Kutil hat Wort gehalten, das Bändchen „Land unter“ ist erschienen, soll im Juni seine quasi offizielle Premiere hierzulande erleben.