Schönebeck l Johannes Golling, 1. Vorsitzender des Julius-Schniewind-Hauses, steht inmitten der Baustelle. Hier arbeiten Dachdecker auf dem Haus, andere Fachkräfte werkeln in einer tiefen Grube, die das Kellergeschoss werden soll und wieder andere befinden sich im Hauptgebäude. „Gemacht werden muss eigentlich so gut wie alles“, sagt Johannes Golling. „Es ist ein Betrag in Millionen-Höhe, der in die Renovierungsarbeiten investiert werden muss“, sagt er. Da das Julius-Schniewind-Haus als Verein keinen Gewinn macht, sind die Arbeiten nur durch die Unterstützung der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM) möglich. Und für diese „maßgebende Unterstützung“ seien sie sehr dankbar. Die kompletten Baumaßnahmen stehen unter der Regie des Kirchlichen Bauamtes der EKM.

Keine andere Wahl

Doch warum tätigt der Verein an seinem Gästehaus derzeit so aufwändige Baumaßnahmen, dass seit nun fast einem Jahr die Gästearbeit bis etwa 2018 eingestellt wurde? „Wir hatten keine andere Wahl“, erklärt Johannes Golling. Es habe etwas passieren müssen „wegen der notwendigen Brandschutzmaßnahmen“, erläutert er. Die Alternative wäre der Entzug der Betriebserlaubnis und somit die Schließung des Hauses gewesen. Das Stichwort sei die Beherbergungsstättenverordnung und die damit zusammenhängenden Vorschriften. „Und das sind eine ganze Menge“, erzählt Golling weiter. Fluchtwege müssen her, Brandabschnitte müssen gebildet und eine Brandmeldeanlage installiert werden. Zimmertüren müssen mit Oben-Türschließern und einer umlaufenden Dichtung versehen werden. Schwerentflammbare Materialien sind zu verwenden, wird verlangt.

Zudem sollen Dach, Fenster und Fassaden gemäß der Energie-Einsparverordnung (EnEV) erneuert werden. „Und da wir schon einmal dabei sind, wird auch noch ein Personenaufzug eingebaut“, beschreibt Golling weiter. Denn während früher Rollstuhlbenutzer oder Menschen mit Gehbehinderung nur durch Hilfe anderer in die oberen Stockwerke gelangt sind, ist es dank des Aufzuges bald kein Problem mehr. „Uns ist es wichtig, das Haus behindertengerecht zu gestalten, so dass wir niemanden ausschließen“, sagt Golling.

Vieles wird erneuert

Erneuert werde mit den Renovierungsarbeiten auch die gesamte Haustechnik. „Sanitär, Heizung, Lüftung, Telefonanlage, aber auch das Datennetz“, zählt Golling auf. Außerdem soll ein Anbau erfolgen, der als komfortabler Gruppenraum genutzt werden wird. Auch an den Zimmern selbst wird sich einiges ändern. Golling verrät: „Es kommen je nach Zimmerlage noch eigene Nasszellen für einige Gästezimmer hinzu.“ Auch die Fenster werden erneuert und erhalten ihr ursprüngliches historisches Aussehen. Der Eingangsbereich wird vergrößert, indem einige Wände abgerissen werden. „Das macht einfach einen großzügigeren Eindruck und heißt die Gäste willkommen“, so Golling.

Trotz der umfangreichen Planung und Organisation des Bauvorhabens, das Burkhard Wöbke von einem Magdeburg Architekturbüro entworfen und von Projektsteuerer Kai Werler aus Magdeburg angeleitet wird, zeigen Golling und auch die Schwestern, die auf dem Gelände des Schniewind-Hauses wohnen, sich entspannt. Er sagt: „Wir freuen uns einfach sehr, weil die Baumaßnahme mit der Zukunft unseres Hauses zu tun hat und sie gleichzeitig auch absichert. Da nehmen wir den damit verbundenen Stress gerne auf uns.“

Fertig Mitte 2018

Apropos absichern: Die laufenden Kosten, die der Verein normalerweise größtenteils durch seine Besucher und Freunde abdeckt, übernimmt durch zusätzliche Spenden derzeit der Freundeskreis des Julius-Schniewind-Hauses. Für Johannes Golling eine weitere Bestätigung für die Arbeit des Seelsorge- und Tagungsheims. „Damit schwingt natürlich eine hohe Verantwortung gegenüber unseren Gästen mit“, so Golling.

Doch dass sich die Gäste – schätzungsweise ab Mitte 2018 – in dem frisch renovierten Schniewind-Haus mindestens genauso wohl fühlen werden wie zuvor, das bezweifelt Golling nicht. „Wir haben nicht nur aus Kostengründen nicht abgerissen und neugebaut“, erzählt er.

Ihnen war wichtig, dass die Identität des Gästehauses auch nach der Renovierung noch in seinen Grundzügen erhalten bleibt und wiederzuerkennen ist. „Die Menschen kommen schließlich gerne an den Ort zurück, an dem sie gute Erfahrungen gemacht haben“, resümiert er. Von der positiven Grundatmosphäre um und im Schniewind-Haus ist der 1. Vorsitzende fest überzeugt. So sagt er: „Sogar die Bauarbeiter sagen mir immer wieder, dass es hier eine schöne Baustelle sei. Sie kommen gerne auf die Arbeit.“