Schönebeck l Volker Gebhard hat ein gewinnendes Lächeln. Er strahlt Lebensfreude aus. Er ist offen für Neues - genau das ist eine Eigenschaft, die ihm nun zugute kommt. Denn Volker Gebhard, der die vergangenen acht Jahre in Chemnitz als Pfarrer tätig war, wechselt nach Schönebeck. Hier wird er eine von zwei Pfarrstellen im Schniewindhaus besetzen.

„Für mich ist es derzeit ein Gefühl des Aufbruchs“, sagt der 53-Jährige. Er ist gespannt auf seine neue Aufgabe. Die wird sich unterscheiden von der eines klassischen Pfarrers. Denn: Das Schniewindhaus an der Calbeschen Straße ist ein Seelsorge- und Tagungsheim. Hierher kommen Menschen aus ganz Deutschland, um sich für ein paar Tage aus dem Alltag herauszunehmen und um sich selbst und um den eigenen Glauben zu kümmern. Dabei hilft Pfarrer Volker Gebhard. Zu seinem Aufgabenbereich gehören die Schwesternschaft und mehr als 1500 Gäste, die pro Jahr ins Schniewindhaus kommen und die mit Seelsorge und Andachten begleitet werden.

Tür an Tür mit Schwestern

Gemeinsam mit Tobias Rink, der seit 2007 als Pastor in der Einrichtung tätig ist, wird Volker Gebhard künftig zusammen arbeiten. „Für mich war es ein Traum, in einer solchen Gemeinschaft zu leben, jetzt wird er wahr“, sagt er. Denn Volker Gebhard wird mit seiner Frau zusammen im Pfarrhaus auf dem Gelände des Schniewindhauses leben. Das heißt: Tür an Tür mit der Schwesternschaft. Diese rund 30 Frauen leben in einer christlich ausgerichteten Lebensgemeinschaft. Sie bilden also eine Kommunität. „Das ist etwas Besonderes“, sagt der 53-Jährige.

Und wie ist der in Chemnitz arbeitende Pfarrer, der zuvor in der Prignitz tätig war, ausgerechnet auf Schönebeck gekommen? „Ich verbringe regelmäßig eine Zeit der Stille in der Passionszeit auf dem Schwanberg“, holt er zur Erklärung aus. Dort habe er eine Schwester kennengelernt, die zum Schniewindhaus Kontakt hat. Und so kam eines zum anderen. Nun ist Volker Gebhard in der Elbestadt.

Im ersten Jahr werde er noch zwischen Chemnitz und Schönebeck pendeln. Warum? Das Gästehaus des Schniewindhauses wird umfangreich saniert. Zu dem Projekt gehören auch Arbeiten am Pfarrhaus. „Ich werde unter der Woche trotzdem hier sein“, macht er deutlich, dass er und seine Frau nun vorerst eine Wochenendbeziehung führen werden.

Eine Bewährungsprobe für die Beziehung zu seiner Ehefrau? Volker Gebhard sieht darin eine Herausforderung, die er optimistisch angeht. An dieser Stelle macht er deutlich: „Ich muss das vorleben, worüber ich die Menschen berate.“ Folglich möchte er nicht gehetzt und ohne Ruhepunkt leben. „Glaubwürdig sein“, sagt er, sei wesentlich. Und dazu gehöre eben auch das Meistern dieser besonderen Situation.

Seine Pfarrstelle in Schönebeck ist auf sechs Jahre befristet. Das sei ein gewöhnlicher Schritt. Für Volker Gebhard liegt nichts im Wege, auch länger hier zu bleiben. Doch das ist Zukunftsmusik. Jetzt steht für ihn erst einmal der Start an neuer Wirkungsstätte an erster Stelle. Und dabei möchte er seine Impulse einbringen. „Als Neuer habe ich die Chance, zu fragen, warum macht Ihr das so?“

Kein Angebot überstülpen

Der neue Pfarrer möchte nicht alles umkrempeln. Doch an der einen oder anderen Stelle wird er seine „von Gott geleitete Handschrift“ hinterlassen. Und: „Ich bringe spirituelle Erfahrungen mit, die wir hier ausprobieren können“, sagt er. Er möchte also Neues mitbringen, es dem Schniewindhaus aber nicht überstülpen. „Es ist ein Angebot“, sagt er.

Währenddessen Volker Gebhard am kommenden Sonntag in sein Pfarramt eingeführt wird, kennt er seinen neuen Wohnort schon ganz gut. „Der neue Markt und die Innenstadt gefallen mir“, antwortet er auf die Frage, was ihm an der Elbestadt schon aufgefallen sei. „Und ich finde es toll, dass das Schalom-Haus als ehemalige Synagoge von Christen belebt wird.“

Besonders beeindruckt habe ihn das Holocaust-Mahnmal im Nicolaipark, das der Schönebecker Glaskünstler Christof Grüger geschaffen hat. Hier schließt sich auch der Kreis.

Denn im Schniewindhaus ist ebenso ein von Christof Grüger geschaffenes Werk zu bestaunen.

Volker Gebhard wird am Sonntag, 27. November, in sein Pfarramt eingeführt. Der Stadtgottesdienst in der St.-Johannis-Kirche in Bad Salzelmen beginnt um 14 Uhr. Im Anschluss findet ein Kaffeetrinken und ab 16.30 Uhr eine Grußstunde im Parkhotel an der Immermannstraße statt.