Barby l Herr Müller - seinen richtigen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen, weil er eine wertvolle kleine Antiquitätensammlung besitzt - ist leidenschaftlicher Trödelmarkt-Fan. Auch die Fernsehsendung „Bares für Rares“ lässt er selten aus. Vor ein paar Tagen stöberte er auf dem Nienburger Flohmarkt herum.

Sein Hauptaugenmerk richtet sich in solchen Fällen auf Malerei und Grafik, aber auch Skulpturen und altes Zinngeschirr. Herr Müller erstand in den vergangenen 20 Jahren so manches „interessante Stück“. Bei Preisen und „Schnäppchen“ möchte er sich öffentlich nicht in Details vertiefen. Wie er das sagt, grinst er hintergründig.

Kleine Glücksmomente

Aha. Offensichtlich kann man auf Trödelmärkten hin und wieder kleine Glücksmomente erleben. Zum Beispiel, wenn man auf einem Hasselfelder Markt eine 200 Jahre alte Honigkuchen-Model für 30 Euro erwirbt. Oder ein Buch über den Ersten Weltkrieg, in dem ein Vertrauter Kaiser Wilhelms handschriftliche Anmerkungen an den Rand schrieb. Keine weiteren Fragen.

Bilder

Herr Müller ist ein Lokalpatriot. Obwohl ihn Barbyer Ansichtskarten oder Fotos nicht sonderlich interessieren, kommt er (glücklicherweise) nicht an ihnen vorbei. So blätterte er vor zwei Wochen wie nebenbei in einem Stapel alter Lichtbilder. Dabei fiel ihm ein 11 mal 16 Zentimeter großes Foto auf, das Feuerwehrleute vor einem stattlichen Gebäude zeigt. „Ich habe sofort gesehen: Das ist das Barbyer Rathaus vor dem Umbau in den 30er Jahren“, erinnert sich Herr Müller. Das Bild ist auf einem schwarzen Profil-Passepartout aufgeklebt. Der Verkäufer habe zehn Euro verlangt. „Ich wollte gerade handeln, da fiel mein Blick auf zwei weitere Fotos dieses Formates“, erzählt der Barbyer.

Bingo! Auch das waren Fotos von gleicher Machart und Motiv.

Fazit: Der Trödelmarkt-Fan kaufte die drei Fotos, nachdem er sie „deutlich herunter gehandelt“ hatte. Nun stellt er sie der Volksstimme zur Verfügung.

Wehrleiter tragen Pickelhauben

Die Recherche ergibt, dass eines der Bilder mit Sicherheit 1930 aufgenommen wurde. In der Festbroschüre „50 Jahre Freiwillige Feuerwehr Barby, 1934“ ist das Rathaus-Bild zu sehen. Der Bildtext: „Uebergabe des Motor-Mannschafts-Wagens der Freiwilligen Feuerwehr Barby“.

Hinter dem neuen Lkw hängt ein Schlauchwagen, die mobile, ausschiebbare Leiter mit Holzaufbau dient einigen Kameraden als Kletterhilfe.

Die Wehrleiter tragen allesamt noch kaiserliche Pickelhauben, eine „Anzugsordnung“, die sich in den späteren Jahren verlor. Zu sehen sind rund 70 Kameraden der Wehr. Die Jungen stehen links, die lang gedienten in der Mitte und rechts. Ein Polizist hat Aufstellung genommen; auf der Rathaustreppe sind Honoratioren und Bürgermeister Emil Ohlen zu sehen. Der Sozialdemokrat war von 1919 bis 1931 Bürgermeister von Barby und machte sich besonders durch Industrieansiedlungen wie die der Maizena einen Namen. Vor ihm steht Wehrleiter Gustav Walkhoff.

Viele der Männer waren aktive Kriegsteilnehmer, die nun mit Stolz den blauen Rock der Feuerwehr tragen.

Ein anderes Foto wurde auf einem Hof in der Schulstraße aufgenommen, wo der Motor-Mannschaftswagen stand. Ein zentrales Depot gab es zu jenem Zeitpunkt noch nicht. Das wurde erst 1955 im Magdeburger Tor gebaut.