Unseburg l Jeder, der das Autofahren gelernt hat, kennt die Situation: Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, das Auto bremst abrupt ab, der Fahrschullehrer hat sein Bremspedal durchgetreten und weist auf die Gefahrensituation hin. Nur wenige aber fragen sich vielleicht, wie so ein Fahrschulauto funktioniert und wie Gas- oder Bremspedal auf die Beifahrerseite des Fahrzeugs kommen.

In Unseburg kennt man die Antworten auf diese Fragen. Die Mitarbeiter des Autohauses Lotzing haben sich auf die Umrüstung von Fahrschulautos und behindertengerechte Umbauten von Fahrzeugen spezialisiert.

Seit mehr als zehn Jahren bieten sie diesen besonderen Service an. „Wir suchen uns seit vielen Jahren Nischen, in denen wir uns andere Geschäftsfelder erschließen“, sagt Geschäftsführer Rüdiger Lotzing. Nur wer sich immer wieder neu orientiere und spezialisiere, könne am Markt bestehen. Das Unseburger Autohaus, seit 1993 direkt an der Straße zwischen Wolmirsleben und Atzendorf gelegen, hat 1999 damit begonnen, Fahrzeuge auf Autogas umzurüsten - zwei Autos wöchentlich standen dafür auf der Hebebühne der Werkstatt.

Fertige Umrüstsätze

Wie folgerichtig erscheint es da, dass auch die Umrüstung zum Angebot der Lotzings geworden ist. „Im Nachbarort gab es zu DDR-Zeiten einen Meister, der sich darauf spezialisiert hatte“, berichtet der Chef. Als er in den Ruhestand ging, ergriffen die Unseburger die Initiative und übernahmen das Feld der Umrüstung. „Das bedeutete zunächst, dass unsere Mitarbeiter sich umfangreich qualifizieren mussten, um sich mit Abläufen und der Technik vertraut zu machen“, sagt Rüdiger Lotzing.

Inzwischen ist eine Umrüstung an einem Tag in vier bis acht Stunden erledigt. „Das kommt ganz auf den Fahrzeugtyp an“, sagt Carola Lotzing im Volksstimme-Gespräch. Sie erklärt, dass es für jedes Auto entsprechende komplette Umrüstsätze gebe. Lotzings arbeiten mit Teilen zweier Spezialfirmen. Sie sind zertifiziert, wiederum nur speziell ausgebildete Schweißer dürfen die Teile aus Federstahl herstellen. „Denn die Doppelbedienung muss lange halten und immer reibungslos funktionieren“, begründet Carola Lotzing die Qualitätsanforderungen.

Diese Komponenten kommen zusätzlich in ein ansonsten marktübliches Fahrzeug - jedes Auto kann zum Fahrschulauto werden - egal ob neu oder gebraucht. Dabei werden die Pedale der Beifahrerseite mit den Wellen der vorhandenen Pedale auf der Fahrerseite verbunden. Die Übertragung ist rein mechanisch. „Der große Aufwand besteht eigentlich darin, die Verkleidung im Inneren vorn abzunehmen und alles miteinander zu verbinden“, berichtet Carola Lotzing.

Behindertengerecht

Auch für den behindertengerechten Umbau gebe es komplette Umrüstsätze. Im Ergebnis blieben Fahrer trotz Gehbehinderung mobil, könnten im eigenen Auto ohne viel Umbauaufwand Linksgas nutzen oder alles per Handbedienung steuern. Bei genannten Umrüstungen muss das Auto, anders als bei der Autogasumstellung, nicht neu von den Behörden abgenommen werden.

Die im Autohaus Lotzing erworbenen Fertigkeiten strahlen aus und ziehen Kunden aus ganz Deutschland nach Unseburg. Carola Lotzing berichtet, dass vor allem Fahrschulen, die Neuwagen bei Volkswagen in Wolfsburg kaufen, zusätzlich die gute Stunde Autofahrt bis in die Egelner Mulde in Kauf nehmen, um die Autos hier gleich umbauen zu lassen.

Ausbaufähig sei dagegen noch, dass auch Fahrschulen aus der direkten Umgebung das Angebot wahrnehmen. Trotzdem sei die Auslastung jetzt schon sehr gut. „Wir nehmen im Schnitt drei Umrüstungen pro Woche vor“, sagt die Geschäftsführerin und erklärt, dass die Nachfrage ungebrochen sei.