Staßfurt.  l Probewahlen für Migranten aller Nationen finden am kommenden Freitag, 11. März, auf dem Pekrul-Hof in Staßfurt statt. In der Grenzstraße 5 stellt der Verein „Staßfurt initiativ“ seine Räume für die Testwahlen zur Verfügung.

Bei der Wahl können alle Migranten aus Staßfurt und Umgebung ohne deutschen Pass ihre Stimme abgeben - so als würden sie am Sonntag, 13. März, bei der Landtagswahl Sachsen-Anhalt wählen. Die Ergebnisse fließen nicht in die echten Ergebnisse der Landtagswahlen ein.

Bei den Migrantenwahlen handelt es sich um ein Projekt des Landesnetzwerks Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa). Es soll ermittelt werden, wie groß das Interesse von Migranten an den Wahlen ist und wie sie wählen würden. Zuwanderer sollen mit dem politischen System in Deutschland vertraut gemacht werden, hatte der Geschäftsführer der Lamsa, Mamad Mohamad, erklärt. Es ist das erste Mal, dass Probewahlen für Migranten in Sachsen-Anhalt stattfinden, bis zu 60 000 Menschen könnten in dem Bundesland probewählen.

Das Land unterstützt die Migrantenwahlen, die am Freitag in dreizehn weiteren Städten in Sachsen-Anhalt stattfinden werden, offiziell. Die traditionellen Parteien haben dafür Informationen über ihr Wahlprogramm auf Englisch erstellt, die zu den Wahlen an die Migranten ausgehändigt werden.

„Dahinter steht auch die Idee, Migranten mehr an unseren demokratischen Prozessen zu beteiligen“, erklärt Anette Pekrul, Vorsitzende von „Staßfurt initiativ“. Sie seien genauso wie Menschen mit deutschem Pass von Entscheidungen der Politik betroffen. „Migranten sind durchaus politisch interessiert. Dennoch sind viele bis heute vom Wahlrecht ausgeschlossen, auch wenn sie schon lange in Deutschland leben und Gewerbesteuer zahlen“, erklärt Anette Pekrul und erinnert nur mal an den Dönerladen von nebenan.

Das Wahllokal befindet sich auf dem Hof in der Grenzstraße 5 und wird am Freitag, 11. März, von 8 bis 17.30 Uhr offen stehen. Drei Flüchtlinge, die durch „Staßfurter initiativ“ betreut werden, stellen sich als Wahlhelfer zur Verfügung. Sie wurden bereits von Mitarbeitern der Lamsa für den Tag geschult. Eine Wahlurne soll aufgestellt werden.

Wahlberechtigt bei den Migrantenwahlen sind alle volljährigen Männer und Frauen ohne deutschen Pass, die seit mindestens drei Monaten in Sachsen-Anhalt leben. Die Migranten bekommen Stimmzettel ausgehändigt, die sich von den Wahlzetteln der richtigen Landtagswahl extrem unterscheiden und die auf Deutsch und Englisch verfasst sind.

Migranten aller Nationen, aus Staßfurt und weiter, sind von der Lamsa und Anette Pekrul herzlich eingeladen, an den Wahlen teilzunehmen.