Staßfurt l Rund 35 Flüchtlinge aus Syrien haben in Staßfurt ein Zeichen gegen den Terrorismus gesetzt. Mit ihnen fanden sich rund weitere 15 Staßfurter Bürger am Wochenende im Pekrul-Hof ein, um das Anliegen zu unterstützen.

Syrer verurteilen Terrorismus

Der Pekrul-Hof in Staßfurt ist Anlaufpunkt für Dutzende Flüchtlinge aus verschiedensten Ländern. Anette Pekrul, die den Treffpunkt durch das Bürgernetzwerk „Staßfurt initiativ“ aufgebaut hat, gibt den Neuankömmlingen hier Deutschunterricht, bietet regelmäßige Treffs an und unterstützt als Soziallotsin in allen Belangen. „Nach den Terroranschlägen in Paris haben mir die Flüchtlinge gesagt, dass sie ein Zeichen gegen den Terrorismus setzen wollen“, erklärt Anette Pekrul. „Immer wieder gibt es Anfeindungen gegen Flüchtlinge. Es war ihnen wichtig zu zeigen, dass Flüchtlinge keine Islamisten oder Terroristen sind.“ Und immerhin ist der Terrorismus, der Europa jetzt erneut schockiert hat, der Grund, aus dem diese Menschen aus Syrien geflüchtet sind.

Bei den regelmäßigen Treffs im Pekrul-Hof haben die Flüchtlinge einen Text in drei Sprachen erarbeitet. Die Federführung hatten die drei jungen Flüchtlinge aus Neundorf Lubna Alkhateeb, Mohammad Almahayni und Alaa Almassri übernommen. Den Text verlasen die Teilnehmer der Aktion auf dem Pekrul-Hof in Englisch, Deutsch und Arabisch:

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„Wir wissen, dass Bomben nicht zwischen Bürgern und Flüchtlingen unterscheiden. Wir wissen, dass Terrorismus nichts mit Menschlichkeit zu tun hat. Terroristen töten Menschen und sich selbst. Flüchtlinge wollen überleben und suchen Möglichkeiten, sich ein neues Leben aufzubauen. Das sind extreme Unterschiede. Lasst uns unsere Unterschiede überwinden und als Menschen zusammenstehen – gegen Terrorismus. ‚Hass mich nicht, bevor Du mich nicht kennst!‘“.

Flüchtlinge bedanken sich

Generell sei es den Flüchtlingen in Staßfurt immer wieder ein Anliegen, sich für die Aufnahme und Betreuung, die sie von ihren Soziallotsen aber auch den Bürger erfahren, zu bedanken, erklärt Anette Pekrul. In der Vergangenheit verteilten sie Blumen und organisierten Feste. Ein erstes „Fest der Begegnung“ hat kürzlich im Pekrul-Hof stattgefunden und wurde unterstützt von der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen und dem Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt. Oberbürgermeister Sven Wagner wurde mit einem syrischen Ständchen überrascht, arrangiert von Sänger Semir Sido. Siebzig Besucher - Stadträte, Soziallotsen und ehrenamtlich Engagierte - erlebten kulinarische Köstlichkeiten, Folklore und arabische Gastfreundschaft.

Das Bürgernetzwerk „Staßfurt initiativ“ will Talente entdecken und Potenziale fördern und zwar intergenerativ und multikulturell. Dies wird von den Geflüchteten gern angenommen. Im Pekrul-Hof beteiligen sich Flüchtlinge an verschiedenen Projekten, unter anderem erarbeiten sie eine App fürs Handy, die Flüchtlinge beim Ankommensprozess unterstützen soll. Außerdem gibt es Angebote für Kinder mit Antje Großmann, mehrere Deutschkurse, eine handwerkliche Gruppe, die Möbel repariert und Spenden sortiert, eine Häkelgruppe mit Andrea Suckfiel und weitere Arbeitsgruppen.

Seit September ist „Staßfurt initiativ“ ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Die Vorsitzende Anette Pekrul hat das Bürgernetzwerk quasi aus dem Nichts gegründet. „Die Mitmach-Angebote haben sich mittlerweile gemausert“, sagt sie. Demnächst soll das Programm für 2016 fertig sein.

Das bei der Aktion entstandene Foto wurde auf der Facebook-Seite von „Staßfurt initiativ“ geteilt: https://www.facebook.com/stassfurtinitiativ/

Die Webseite des Bürgernetzwerks findet sich unter: http://www.stassfurtinitiativ.org/