Calbe/Brumby l Die Sonne scheint nach mehreren hundert Jahren wieder in die freigelegte Begräbnisstätte. Nur wenige Meter neben der Landesstraße 63 zwischen Calbe und Brumby, nahe der ehemaligen Eisenbahnbrücke, gräbt sich derzeit ein zehnköpfiges Team vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) in Halle vorsichtig in die Tiefe. Dabei stoßen die Mitarbeiter auf Knochen von Erwachsenen und bergen die Skelette von Kindern und Jugendlichen.

„Das ist ein kleiner Ausschnitt eines mittelalterlichen Bestattungsplatzes“, erklärt Grabungsleiter Thomas Lukas am Mittwoch vor Ort. Anfangs habe man die Überreste von 15 Individuen geborgen. „Mittlerweile sind es weitaus mehr geworden“, sagt Lukas.

Nahe der Oberfläche

Erstaunlich für den Laien ist dabei, dass die Skelette so nahe unter der Oberfläche liegen, obwohl die Äcker mit schwerem Gerät regelmäßig bestellt werden. „Stellenweise liegen die Funde lediglich 40 Zentimeter tief im Boden“, sagt Lukas. In diesen Fällen handele es sich häufig um Wintergräber, die unsere Altvorderen nicht tief in den gefrorenen Boden legen konnten. Bei den Funden werden Menschen der Wüstung Papendorf, einst zwischen Calbe und Brumby gelegen, vermutet.

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„Die Skelette werden mit verschiedenen Methoden noch genauer untersucht“, erklärt Lukas weiter. Dabei kann unter anderem das genaue Alter festgestellt und die DNA als genetischer Fingerabdruck gewonnen werden. Die gewonnenen Erkenntnisse geben Rückschlüsse auf die genaue Zeitepoche und auf mögliche Verwandschaftsverhältnisse der Individuen beziehungsweise auf bestimmte Völkergruppen und mögliche Wanderungsbewegungen.

Spuren des Krieges

In einem ersten Dokumentationsabschnitt untersuchten die Archäologen im Juni 2015 die gesamte Trasse der neuen Brumbyer Ortsumfahrung auf einer Länge von rund 3,5 Kilometern. Die derzeitigen Arbeiten für den zweiten Abschnitt begannen im vergangenen September. Neben Zeugnissen prähistorischer Kulturen, ihrer Siedlungen und Begräbnisstätten fanden die Forscher auch Hinterlassenschaften historischer Schlachten.

„Neben mittelalterlichen Fibeln wurden unter anderem auch Münzfunde aus der Zeit der Ottonen (10. bis 11. Jahrhundert) und aus dem 16. und 17. Jahrhundert geborgen“, heißt es in einer Veröffentlichung der Projektleitung um Dr. Susanne Friederich und Johanna Kleinecke. Musketenkugeln, Beschläge und Schnallen belegten zudem das Schlachtgeschehen zahlreicher Epochen in dieser Gegend. Ein besonderer Fund stellt ein Knopf der 56. französischen Linieninfanterie als Beleg der Anwesenheit napoleonischer Truppen dar.

Für den Bau der Brumbyer Ortsumfahrung sind die archäologischen Grabungen nicht hinderlich, erklärt Stefan Hörold, zuständiger Regionalbereichsleiter der Landesstraßenbaubehörde (LSSB), auf Nachfrage: „Diese werden noch bis Ende Juni andauern und sind im Bauzeitenplan berücksichtigt.“ Die Umgehung soll Ende 2018 fertig sein.