Staßfurt l Für Aufsehen sorgte eine Feierlichkeit am Freitagnachmittag im Staßfurter Stadt- und Bergbaumuseum: Rund 70 Vertreter der Kaliindustrie feierten eine Buchpräsentation auf dem Museumshof, begleitet von Blasmusik. Später bei einem Stadtrundgang, den der Vorsitzende des Staßfurter Bergmannsvereins, Gerald Meyer anführte, machte der Tross samt Musikkapelle noch einmal mit bergmännischen und volkstümlichen Liedern lautstark auf sich aufmerksam.

Grund war die Präsentation eines neuen Buches. Henry Rauche, Chef des weltweit agierenden Unternehmens Ercosplan, stellte sein Werk vor. „Die Kaliindustrie im 21. Jahrhundert“ nennt sich das 580 Seiten dicke Sachbuch, wird am 14. Oktober im Springerverlag erscheinen und ist jetzt schon als „e-book“ (elektronisches Buch) erhältlich.

Henry Rauche ist der Geschäftsführer von Ercosplan, dessen Hauptsitz in Erfurt ist. Neben den Standorten Erfurt und Sondershausen unterhält das Kaliingenieurbüro noch drei weitere Standorte, in Thailand, Russland und Brasilien. Für den Laien zusammengefasst plant das Unternehmen für Kalidüngemittelproduzenten auf der ganzen Welt die Anlage von Lagerstätten, die Produktion und Fertigung von Kalidüngemittel und berät bei der Entsorgung von Restprodukten.

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Buchpräsentation in Staßfurt

Als Fachmann der Kalidüngemittelproduktion war Henry Rauche schon oft in Staßfurt. „Wo kann man so ein Buch besser präsentieren als in Staßfurt, wo die Wiege des Kalibergbaus ist“, sagte er während der Vorstellung seines Buches.

Also hat der Unternehmenschef Freunde und Mitarbeiter seiner Firmenstandorte in Leipzig, Sondershausen und Erfurt nach Staßfurt eingeladen. 70 Mitarbeiter und Gäste hatten die Einladung angenommen, die Buchpräsentation wurde mit Salzfee und Blaskapelle gefeiert. Anschließend schauten sich die Firmenvertreter auch das Stadt- und Bergbaumuseum an.

Henry Rauche hat mit seinem Buch ein ehrgeiziges Projekt vollendet. Er hat die Methoden und Technik der Kaliindustrie weltweit analysiert und aufgeschrieben. Dazu hat er mehrere Jahre gebraucht, wurde von vielen Mitarbeitern unterstützt und hat bei allen 71 Kalistandorten der Welt recherchiert.

„Das Buch fasst den aktuellen Stand der Technik bei der Gewinnung, Aufbereitung und Entsorgung der anfallenden Rückstände bei der Kaliförderung zusammen“, erklärte Henry Rauche über sein Werk. Dem Firmenchef sei es ein Anliegen gewesen, Fakten über die aktuelle Kalidüngemittelproduktion beizubringen, weil die Kaliindustrie im Fokus des öffentlichen Interesses steht und das meist nicht im positiven Licht.

Kaliindustrie oft am "Pranger"

„Die Kaliindustrie steht oft im Brennpunkt des öffentlichen Interesses, aber dieser Brennpunkt wird oft zum Pranger“, sagte der Autor. Und es sei ihm verziehen, sich herausgenommen zu haben, dieses Buch zu schreiben. Immerhin ist er ja selbst Teil der Kaliindustrie und das schon seit über 30 Jahren.

„Wir müssen die Belange der Öffentlichkeit sehr ernst nehmen, aber nicht immer wird die Diskussion sachlich geführt“, erläuterte Henry Rauche. Oft würden, zum Beispiel von Umweltorganisationen oder von Behörden im Zuge von Genehmigungsverfahren für die Kaliindustrie, Ansprüche an die Kaliunternehmen gestellt, die nicht zu erfüllen seien. Es würde ein höherer Stand der Technik verlangt, als er heute in der Industrie machbar sei. In der „Realität“ gebe es zum Beispiel technische, praktische oder rechtliche Hindernisse, warum bestimme Techniken nicht anwendbar sind.

Mit seinem Buch will Henry Rauche darüber aufklären, wie der aktuelle Stand der Technik und Produktion in der Kaliindustrie tatsächlich ist. Wichtig war ihm auch zu erklären, warum dies so ist.

Diesen Aspekt des Buches lobt auch Professor Dr. Per Nicolai Martens vom Institut für Bergbaukunde in Aachen, der zur Buchpräsentation gekommen war: Das Buch bilde nicht nur die gesamte Kaliindustrie der Welt ab. Sondern auch: „Die Daten und Fakten sind eingebettet in einen Kontext. Wir erfahren also warum gewisse Anlagen und Prozesse je nach Standort unterschiedlich sind.“

Diskussion soll sachlich geführt werden

Die Kalidüngemittelproduktion in ihren Bedingungen und auch ihren Grenzen darzustellen, war Henry Rauches Motivation dieses Buch zu schreiben. Es soll seinen Teil beitragen zu einer sachlichen Diskussion über die Kaliindustrie.

Geschrieben habe er es, wie er sagte, für jene Menschen, die in der Kalidüngemittelproduktion arbeiten oder gearbeitet haben. Immerhin würden diese Menschen einen Beitrag zur Ernährung der Welt leisten.