Hecklingen l „Windsurfen ist von der Motorik her so einfach, wie Fahrradfahren“, sagt Sven Schulze. Es sehe nur so schwierig aus, sei es aber nicht. „Tennis ist da viel komplizierter.“ Der 44-Jährige weiß, wovon er spricht, denn seit sieben Jahren gehört Windsurfen zu seinen Hobbys. Ein eher seltenes Hobby im Salzlandkreis – fern von Küste und Meer. Doch zum Surfen muss man nicht unbedingt an der See wohnen. Der Barleber See bei Magdeburg sei dafür auch bestens geeignet, versichert Schulze. Durch einen guten Freund, den er dort oft besucht habe, sei er beim Beobachten der Windsurfer dazu inspiriert worden, sich auch einmal mit Brett und Segel zu versuchen.

Bewegung sei wichtig, um einen gesunden Ausgleich zum Beruf zu schaffen, sagt Schulze, der seit einem Jahr die Leitung des Kinder- und Jugendhilfezentrums in Groß Börnecke übernommen hat. Es sei nicht immer alles schön, mit welchen Schicksalen die Kinder und Jugendlichen in die Einrichtung kommen. „Um einen guten Job zu machen, braucht man Strategien, um abzuschalten.“ Schulze versuche, die Probleme im Heim nicht mit nach Hause zu nehmen. „Viel in Bewegung bleiben, meine Familie und Freunde sorgen für einen guten Ausgleich zum Beruf“, sagt der Heimleiter. „Mir macht meine Arbeit Spaß, aber Balance muss sein.“ Nur so könne man eine Haltung entwickeln, Schicksale, die die Kinder haben, nicht zur eigenen Betroffenheit zu machen. Denn damit sei niemanden geholfen. „Wir müssen den Kindern Perspektiven eröffnen.“

Zudem sei es auch wichtig, als Führungskraft ein Vorbild für die Mitarbeiter zu sein. „Wenn ich in einer psychisch unstabilen Verfassung bin, dann beeinflusst das auch meine Mitarbeiter.“

Das Heim in Groß Börnecke, mit mittlerweile 60 Mitarbeitern, die im Durchschnitt 100 Kinder mit Familien betreuen, wurde vor 20 Jahren von Adelheid Schulze-Diemel als Einrichtung in privater Trägerschaft aufgebaut. „Das gibt es nicht so oft, denn meist liegt die Trägerschaft bei solchen Einrichtungen in der Hand von Kirchen oder großen Organisationen“, ist Schulze stolz. „Meine Mutter war Schulleiterin und wollte sich noch einmal verwirklichen.“ Mit der Zeit wurde das Heim um Außenwohngruppen erweitert. Das sind Standorte außerhalb von Groß Börnecke, in denen Kinder und Jugendliche in Einfamilienhäusern leben. „Die Betreuung erfolgt rund um die Uhr in Schichten“, sagt der Heimleiter. Jedoch sei es nicht mit einem Kinderdorf zu vergleichen. „Das machen wir nicht, denn über 60 Prozent unserer Kinder benötigen eine psychologische Begleitung“, erklärt Schulze.

Der 44-Jährige leitet nicht nur ein Heim mit 100 Kindern und Jugendlichen, sondern ist auch Ehemann und Familienvater von drei Kindern. „Meine Älteste ist 18, mein Sohn ist fünf und meine Jüngste drei Jahre alt“, verrät Schulze. Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, sei für ihn kein Problem.

Auch Feiertage, wie Heiligabend, verbringt der Heimleiter mit den Kindern in der Einrichtung. „Am Vormittag sitzen wir zusammen, essen gemeinsam und dann gibt es die Bescherung“, sagt Schulze. „Meine Kinder sind dann auch dabei. Am Nachmittag fahren wir dann nach Hause“, sagt der 44-Jährige. „Natürlich wissen die Heimkinder, dass wir nicht ihre Eltern ersetzen oder zur engen Familie gehören, aber man muss auch Präsenz zeigen und da sein.“

Schulze, der in Belleben im Saalkreis, geboren und aufgewachsen ist, machte 1996 seinen Abschluss an der Fachhochschule in Eisleben in Wirtschaft. „Ich habe Betriebswirtschaft studiert, weil man damit branchenübergreifend arbeiten kann“, sagt der 44-Jährige.

Nach seiner Armeezeit kam die Wende. „Dann fragt man sich mit Mitte 20, was kannst du denn noch machen?“, erinnert sich Sven Schulze. „Eigentlich habe ich zu DDR-Zeiten Elektriker gelernt.“ Es sei eine wichtige Erfahrung gewesen, nicht nur theoretisch, sondern auch handwerklich tätig zu sein. Vor dem Studium habe Schulze im Außendienst Brandschutzanlagen vertrieben. „Das war eine sehr prägende Zeit. Doch irgendwann fragst du dich, ob das jetzt alles gewesen ist.“

Immer in Bewegung bleiben, körperlich und geistig, ist für den 44-Jährigen nicht nur Theorie, sondern eine Lebenseinstellung, die zu seinem Grundsatz passt: „Wir müssen den Kindern- und Jugendlichen Vorbilder geben.“