Stendal l Der 31-jährige Tobias Schwarz hält Stendal für einen idealen Ort, um dort ins neue Computerzeitalter einzusteigen. Der gebürtige Magdeburger, der überwiegend in Berlin lebt und studierter Politikwissenschaftler ist, empfahl am Mittwoch ein frei verfügbares Arbeitsbüro in Stendal am Bahnhof zu eröffnen, wo sich dann computeraffine Freiberufler stundenweise einmieten können.

„Coworking Space“ heißt ein solches Büro im Englischen und hat seine Ursprünge 2005 in San Francisco. „Arbeit ist für immer mehr Menschen heutzutage nicht mehr an einen bestimmten Ort gebunden“, sagte Schwarz im Landratsamt. Vielmehr bräuchten diejenigen, die mit Computerarbeit ihr Geld verdienen lediglich ein stabiles Netz. Stendal habe eine sehr gute ICE-Anbindung und man sei schnell in Berlin, Hannover und Hamburg. Das mache es attraktiv.

Bei einem „Ideenlabor“ sollten gestern im Landratsamt im Zuge des Programms „Land Aufschwung“, das noch bis 2018 läuft und wofür 1,5 Millionen Euro zur Verfügung stehen, digitale Zukunftsvisionen für die Region Stendal aufgezeigt werden.

Zweckverband Breitband ist dabei

Beim Landkreis Stendal liegt der Schwerpunkt des Modellprojektes, an dem 13 Landkreises bundesweit teilnehmen dürfen, bei der Digitalisierung und der nachhaltigen Siedlungsentwicklung. „Wir sind dabei, gerade konkrete Ziele zu formulieren“, sagte Sibylle Paetow, die als Leiterin die Agentur „Land Aufschwung“ im Auftrag des Landkreises führt. Zuletzt sei auch der Zweckverband Breitband mit einbezogen worden, durch den in den beiden altmärkischen Landkreisen schnelle Internetleitungen bis in die hinteren Winkel der Region verwirklicht werden soll, so Paetow.

Zu den innovativen Ideen, die gestern interessierten Lokalpolitikern und Akteuren von Institutionen und Unternehmen vorgestellt wurden, zählten auch das Projekt „Digitale Dörfer“, das in der rheinlandpfälzischen Verbandsgemeinde Betzdorf umgesetzt wird. Dort wird über das Netz eine Art lokaler, ehrenamtlicher Bringdienst organisiert. „Es funktioniert noch besser, als gedacht“, sagte Projektleiterin Sarah Brühl. Und vor allem würden kurioserweise die Menschen über das an sich anonyme Netz dichter zusammengeführt. „Früher war es selbstverständlich, dass man dem Nachbarn half und etwas mitbrachte“, sagte Brühl. Diese Hilfsbereitschaft sei durch das Projekt wiederbelebt worden. Und: „Die Leute reden wieder miteinander.“

Dass es beim Land bereits viele digitale Initiativen gibt, darüber berichtete Ex-Weltklasseschwimmerin Antje Buschschulte, die in der Staatskanzlei in Magdeburg arbeitet und dort für die „Digitale Agenda“ zuständig ist. „Es muss aber noch viel vernetzt werden“, sagte Buschschulte. Viele Initiativen seien zu wenig bekannt. Außerdem müsste Fachwissen noch mehr angezapft werden.

„Auch unser Projekt lebt von Kooperation“, sagte Landrat Carsten Wulfänger (CDU).