Stendal l Die frischgebackenen Abiturienten Stendals sind erleichtert. Endlich halten sie ihre Abizeugnisse in den Händen, das Tor zur Welt steht ihnen offen, und sie können ihre neu gewonnene Freiheit in vollen Zügen genießen. Klar, dass sie auf ihrem Abiball jetzt nochmal richtig auf den Putz hauen wollten. Und gerade in den stecken die Abiturienten heute richtig viel Mühe und Arbeit. Gefühlt wird die Feier jedes Jahr aufwendiger. Immer mehr, immer größer, immer pompöser, immer teurer muss es sein.

Verkleidet in die Schule

In diesem Jahr gehört auch Sarah Puck aus Kläden zu den glücklichen Schulabgängern. Die 18-Jährige, die auf dem Winckelmann-Gymnasium Abi gemacht hat, ist froh, dass es endlich geschafft ist und die Lernerei ein Ende hat. Eigentlich fing das große Feiern schon in der Motto-Woche an. „Da verkleiden alle Abiturienten sich eine Woche lang jeden Tag zu einem anderen Motto“, sagt Sarah. Schon das sei sehr lustig gewesen. Am Donnerstag zum Beispiel machten die Schüler eine Zeitreise in die 50er Jahre. Sarah entschied sich an diesem Tag für ein schwarzes Petticoat-Kleid.

Termin stand früh fest

Die Motto-Woche gehört genauso dazu wie die Abipartys, die die Schüler während ihrer Oberstufenzeit organisieren, um Geld für den Höhepunkt am Ende einzutreiben: den Abiball. Und auf den freute sich Sarah am meisten. „Der Termin und der Ort für den Abiball standen schon ganz früh fest“, erzählt Sarah. Der „Schwarze Adler“ in Stendal sollte es sein, am Abend des 17. Juni 2017.

Bilder

Abifeier-Planung zusätzliche Belastung

„Schon Anfang der 11. Klasse haben wir Komitees gebildet“, sagt Sarah. Jede Gruppe war für einen anderen Planungspunkt verantwortlich. „Ich habe mich damals für die Planung des Balls entschieden“, sagt Sarah. Und das war im Nachhinein viel, viel Arbeit. Im Laufe der Oberstufenzeit haben sich die Schüler mehrmals mit dem Verantwortlichen des „Schwarzen Adlers“ getroffen und mit ihm geplant und organisiert. „Anfang dieses Jahres haben wir dann angefangen, DJ und Fotografen zu suchen“, sagt Sarah. Weil die Planung so aufwendig war, aber auch so viele daran beteiligt waren, war die Organisation oft nicht leicht: „Es gab häufig große Diskussionen innerhalb unseres Komitees“, sagt Sarah. Das sei zur Lernerei und dem sonstigen Abi-Stress eine zusätzliche Belastung gewesen. „Aber trotzdem hat das Spaß gemacht!“

Das perfekte Kleid

Weniger stressig war für Sarah die Suche nach dem perfekten Kleid. Oder genauer gesagt: nach den Kleidern. Denn zur Zeugnisausgabe und zum Abiball wollte Sarah zwei verschiedene Kleider tragen. „Für die Zeugnisausgabe wollte ich ein kurzes Kleid“, sagt die 18-Jährige. Es wurde ein kurzes, aber schickes hellblaues. Für den Abiball sollte aber schon ein eleganteres her. „Ich hatte da eigentlich schon eine ganz genaue Vorstellung“, sagt Sarah. Dunkelblau. Festlich und bodenlang.

Im Onlineshop fündig geworden

Anfang Mai zog sie gemeinsam mit ihrer Mama Dörte Puck in Stendal durch die Läden, um das perfekte Kleid zu finden. Anfang Mai war vergleichsweise spät, viele ihrer Freundinnen hätten schon viel früher nach Kleidern gesucht, erzählt Sarah. „In Stendal haben wir dann aber nichts gefunden, was Sarahs Vorstellungen entsprochen hätte“, sagt Dörte Puck. Wieder zu Hause angekommen, klickten sich die beiden durchs Internet, wurden schnell fündig und bestellten gleich mehrere Kleider zu sich nach Hause. „Da war dann zum Glück wirklich eins dabei, das mir richtig gut gefallen hat“, sagt Sarah.

Zwei Kleider, Haare und Make-Up

Damit fiel schon einmal eine große Last von den Schultern der Abiturientin, jetzt konnte der Abiball kommen. „Dazwischen lagen dann halt noch die Abiprüfungen“, sagt Sarah. Klar, aufgeregt war sie. Aber so schlimm war es dann am Ende doch nicht. Trotzdem: Während der Vorbereitung auf die Klausuren wollte auch das Programm des Abiballs noch von Sarah und dem restlichen Abiball-Komitee auf die Beine gestellt werden. „Das war schon stressig. Auch, weil ich sowas vorher noch nie geplant habe“, sagt Sarah. Doch trotz Prüfungen, Diskussionen und Stress entwickelte das Komitee am Ende ein tolles Programm mit striktem Zeitplan: Einlass, Fotos, Eröffnungsrede, Eröffnungstanz, Essen, Diashow mit alten Fotos, ein gemeinsames Lied der ganzen Stufe, ein Vater-Tochter-Tanz und vieles mehr. Und kurz vorher hatte Sarah, wie sicher fast alle Mädels in ihrer Stufe, noch einen Termin beim Friseur und bei der Kosmetikerin. „Auch meine Frisur und mein Make-Up sollten ja schön aussehen“, sagt die Abiturientin.

Groß feiern erlaubt

Bei dem Aufwand wundert es niemanden, dass der Abiball so eine große Bedeutung für die Absolventen hat. „Es ist schön, endlich Abi zu haben“, sagt Sarah. Die Schule sei ja ein wichtiger Teil ihres Lebens gewesen. „Und der ist jetzt vorbei. Da darf man ruhig richtig feiern, finde ich“.

Damals nichts Besonderes

Das findet auch Sarahs Mutter Dörte Puck: „Sarah wollte immer Abi machen. Jetzt hat sie es geschafft, und ich bin unendlich stolz auf sie“. Da sei es nur absolut gerechtfertigt, groß zu feiern. Bei Dörte Puck selbst war das damals noch ganz anders. Bei ihr ist das alles 31 Jahre her, sie beendete ihre Schullaufbahn 1986, damals noch zu DDR-Zeiten. „Ich erinnere mich nicht mehr gut an unsere Feier“, sagt Dörte Puck. „Denn es war damals überhaupt nichts Besonderes.“ Zuerst habe die Stufe ihre Zeugnisse bekommen, direkt im Anschluss wurde gefeiert. Aber eine aufwendige Planung des Balls, Komitees, Vorfinanzierungspartys und Absprachen mit der Location wie heute bei ihrer Tochter Sarah hätte es nicht gegeben. „Wir haben kaum etwas geplant“, erzählt Dörte.

Feier im Essensraum

„Es war alles von der Schule vorgegeben.“ Dörte Puck freut sich zwar, wenn sie sieht, mit wie viel Elan Sarah und ihre Stufe ihre Abifeier geplant haben, gleichzeitig stimmt es sie aber auch ein bisschen traurig, dass es bei ihr damals nicht so lief. „Unsere Feier fand damals in unserem Essensraum statt“, erzählt sie. Die Schule habe einfach Tische und Stühle weggeräumt, um ein klein wenig Platz zu schaffen. „Wir waren damals ziemlich enttäuscht“, gibt Dörte Puck zu. Und das ist auch nicht die einzige Enttäuschung, die die Absolventen von damals hinnehmen mussten: Die Schüler wollten damals auch eine Abschlussfahrt machen. „Die ist aber einfach nicht genehmigt worden“, sagt Dörte Puck.

Kaum Fotos von damals

Auch die Suche nach einem Kleid gestaltete sich bei Dörte Puck damals nicht besonders schwierig: „Wir Mädels hatten damals alle nur Röckchen und Bluse an“, sagt die Verkäuferin. Extra für die Feier gekauft habe sie damals nichts. Was Dörte Puck und ihre Klassenkameraden heutzutage aber am meisten enttäuscht, ist, dass damals kaum Fotos von der Feier gemacht wurden. „Das ist schade, denn ohne solche Fotos verblasst die Erinnerung an solche Tage, die eigentlich wichtig sind, viel schneller“, sagt Dörte Puck.

Viele Zukunftspläne

Heute kann sich die zweifache Mama aus Kläden aber umso mehr freuen. Für ihre Tochter Sarah, die mit ihrem Abiball-Komitee ganz eigenständig einen schönen Ball auf die Beine gestellt hat. „Sarah ist ihren Weg gegangen, heute steht sie da, mit ihrem Abiturzeugnis in der Hand und ist eine erwachsene, junge Frau“, sagt Dörte Puck stolz. Ein paar kleine Tränen muss sie aber schon verdrücken, als Sarah erzählt, was sie jetzt in naher Zukunft plant: „Ab August mache ich ein Au-Pair-Jahr in Irland.“ Und danach will sie Kommunikationswissenschaften studieren. Aber nicht weit weg. „Irgendwo in Sachsen-Anhalt, damit ich immer noch nah an Zuhause dran bin.“ Ihren Abiball wird die 18-Jährige lange in Erinnerung behalten, sagt sie. „Der Ball war schön, ein unvergesslicher Abend.“