Stendal l Motorradfahrer ist Frank Barby schon seit seiner Jugend, in Sachen AWO aber ein Spätberufener. In der DDR-Zeit hatte er eine gängige MZ, die ihm das Auto ersetzte. „Aber ein Kumpel von mir fuhr eine AWO, darum war ich damals schon ein Fan“, erzählt der Stendaler. Doch wegen oft fehlender Ersatzteile habe er sich beim Kauf seines ersten Motorrads doch lieber für ein modernes entschieden. Bis zur Wende reichte es für die anstehenden Wege, danach wurde ein Auto gekauft.

Knapp zwei Jahrzehnte zogen so ins Land, bevor sich der Stendaler 2008 sagte: Ich möchte wieder Motorrad fahren, am liebsten eine AWO. „Der Klang hat mich immer begeistert“, erklärt Frank Barby seine Leidenschaft. Der Klang war es auch, der dem Zweirad den Beinamen „Dampfhammer“ eingebracht hat. Und noch etwas sei für seine Entscheidung für dieses Simson-Modell ausschlaggebend gewesen: der Viertakt-Motor „und die Tatsache, dass man selbst alles machen kann, dass die Maschine ohne Elek­tronik auskommt“.

Zwei Maschinen in der Garage

In Rheinsberg fand der Stendaler eine noch fahrtüchtige Touren-AWO Baujahr 1960 – und damit eine der letzten Maschinen, die im Simson-Werk vom Band liefen. Denn wenig später wurde die Produktion eingestellt. „In der DDR sollten mehr Mopeds produziert werden wegen der großen Nachfrage. Darum wurden in Suhl nur noch Mopeds hergestellt, Motorräder kamen ja auch aus Zschopau“, berichtet der Krad-Fan. Das frühe Produktionsaus sei ein Grund dafür, warum die AWO schon zu DDR-Zeiten einen Kultstatus hatte.

Nachdem er mit „allerhand Kleinigkeiten“ seine Touren-AWO auf Vordermann gebracht hatte, konnten die Ausfahrten starten. Auf 100 „Sachen“ bringt es die 12-PS-Maschine, mit Seitenwagen auf 85. „Ich fahre um den Kirchturm herum, ich fahre zur Entspannung“, sagt Barby und meint, dass ihn lange Strecken nicht reizen. Touren in der Altmark und vielleicht ins Umland, mitunter 200 bis 300 Kilometer am Tag, reichen ihm völlig aus.

„Die Altmark ist ein super Motorradrevier“, sagt der Stendaler, der passend zum Oldtimer auch schon mal die alte Lederjacke und -kappe anzieht. Oder die alte Reichsbahn-Uniform. Dann befestigt er noch Magnetschilder mit Reichsbahn-Emblem an der AWO, „denn sie wurden damals oft als Dienstmotorräder genutzt“. Auch im Straßenbild war sie häufig zu sehen. „Es war das Auto des kleinen Mannes“, erklärt der Oldtimerfreund. Und, wenn man sie dann als solche bezeichnen kann, habe „die Rockerszene sie gern zur Shopper umgebaut“.

Wenn es warm ist, zieht es den Stendaler hinaus. Als es vor einigen Jahren am Weihnachtsfest mal über zehn Grad Celsius waren, holte er die Maschine aus der Garage. Eher eine Ausnahme, denn: „Die Motorräder sind mein Sommerhobby“, sagt Frank Barby, der sich selbst als „Schön-Wetter-Fahrer“ bezeichnet. In den Wintermonaten sind es dann die Modelleisenbahn und die Eisenbahnhistorik.

2012 hat sich Frank Barby eine zweite AWO gekauft, diesmal die Sportausführung, gebaut im Jahr 1958, 14 PS stark und in der Spitze bis zu 110 Stundenkilometern. Ihr erster Besitzer fuhr mit ihr in Thüringen, der zweite Besitzer in Greifswald – und dann hat ihr dritter Besitzer sie in die Altmark geholt.

Treffen auf dem Flugplatz

Frank Barby nimmt selbst gern an Oldtimer-Treffen teil, auch an Wettbewerben. Wie schon in den Vorjahren hat er sich für die Sachsen-Anhalt-Motorrad-Classic angemeldet, die am 13. Mai in Stendal startet und nach einer Rundfahrt wieder endet. Zeiten sind ihm dabei nicht so wichtig, die Gemeinschaft zählt und die gemeinsame Aktivität mit Gleichgesinnten.

Was in der Szene sonst so los ist, erfährt er unter anderem über das AWO-Internetforum (www.awoforum.de), das Nutzer in ganz Europa hat. Denn die DDR hatte dieses beliebte Motorrad europaweit exportiert, unter anderem nach Finnland.

Auch wenn es diesen Austausch via Internet gibt, wünscht sich Frank Barby das persönliche Gespräch, regelmäßige Treffen zum Erfahrungsaustausch und für gemeinsame Ausfahrten – angeregt von einem AWO-Stammtisch in Magdeburg. Darum kam ihm die Idee, zu einem ersten Altmark-Regionaltreffen einzuladen. „In Stendal und Umgebung gibt es ganz schön Potenzial“, glaubt er und hofft, Sonnabendnachmittag mit einigen der AWO-Besitzer ins Gespräch zu kommen. Eine Vereinsgründung plant er nicht, vielmehr geht es um lockere Treffen und gelegentliche Aktivitäten von Männern und gern auch Frauen, die seine Leidenschaft für die AWO-Motorräder teilen.

Der erste Treffen findet  am 22. April ab 14 Uhr auf dem Flugplatz Stendal-Borstel statt. Dabei geht es um ein Regionaltreffen von AWO-Besitzern, um erste Absprachen, wie es weitergehen könnte, und eine kleine Ausfahrt. Infos gibt es auch unter Telefon 0160/97 45 79 33.