Werben l Ein Handwerker hat bei Schachtarbeiten in einem Werbener Privathof ein gut erhaltenes menschliches Skelett gefunden. Noch sind Geschlecht, Todesursache und -zeitpunkt unklar. Ob es sich bei dem Leichenfund um ein Verbrechen oder ein normales Begräbnis handelt, ist bisher unklar,

Josef Slodkowski (58), der das Skelett gefunden hat, zeigt bereitwillig den Fundort. Auf dem Hof des Werbener Eckgrundstücks Fischerstraße/Promenade, nur ein paar Schritte vom Hoftor entfernt. Der Handwerker zeichnete „seine“ Position gestern Nachmittag in den sonnenwarmen Sand. „So hat es gelegen, mit dem Kopf nach Osten.“

Slodkowski machte dieser Tage Schachtarbeiten für einen Schmutzwasserkanal. „Mir reichte das Gefälle nicht, da bin ich noch ein bisschen tiefer gegangen“. Dabei stieß der Handwerker zunächst auf die Knochen eines Tieres, „eines Hundes“, wie er einschätzt. Die nächsten Knochen wollten aber nicht ins Bild passen: Große Beckenknochen, augenscheinlich die eines Menschen, was Slodkowski sofort klar gewesen sei. So rief er die Polizei. Sie bestätigte den Fund gestern auf Nachfrage. Auch laut Sprecher Marco Neiß handelt es sich um Knochen, „die zweifellos einem Menschen zuzuordnen sind“. Vieles deute auf eine längere Liegezeit hin.

Skelett komplett erhalten

Was war da wann passiert? Slodkowski erzählte gestern zunächst, was er genau sah: „Ein komplett erhaltenes Skelett, bis zum letzten Zeh und mit vollständigem Gebiss.“ Der Kiefer sei gebrochen gewesen. Nach Einschätzung des Handwerkers war die Person sehr groß: „Bestimmt 1,80 bis 1,95 Meter.“ Sie lag etwas krumm da, die Beine leicht übereinander geschlagen. Die Arme waren wohl mal überkreuzt, aber über die Zeit womöglich verrutscht. Der Hund lag der Person zu Füßen. Und auf ihr ein großer „Kranhaken“. Dass es sich um einen Mann handelt, hätte die Polizei vermutet, „aufgrund des Beckens“. Slodkowski war dabei, als das Skelett geborgen wurde.

Werbens Pfarrer Jan Foit informiert, dass es zwar seit dem Mittelalter eine Bestattungspflicht gibt, ein Bestattungsgesetz (keine Grabbeigaben, Friedhofszwang…) aber erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Je nachdem, wann die Person starb, könnte es sich auch um ein legales Begräbnis gehandelt haben.

Grabstein lag auf dem Hof

Das vermutet nach all dem, was er gehört hat, auch der Eigentümer des Grundstücks: Krischan Payne aus Hamburg. Er und seine Frau Julia Payne haben das Haus 2012 gekauft und sanieren es seither peu à peu. Auf dem Hof lag seinerzeit ein Grabstein, dem die beiden aber keine weitere Bedeutung beimaßen und irgendwann entsorgten. Krischan Payne, der das Skelett nicht zu Gesicht bekam, macht der Fund keine Bange. „Im Gegenteil, das ist doch Geschichte, ich finde das spannend.“ Zur Befriedung hatten Josef Slodkowski und sein Kollege „ihm“ ja auch noch eine Kerze aufgestellt. Das sei Slodkowski ein Bedürfnis gewesen. Vor Jahren hatte er in einem Hildesheimer Keller bei Bauarbeiten ein ähnliches Erlebnis: Da fand er gleich drei Leichen.