Stendal l Eigentlich sollte beim Stendaler Wickelmann-Museum Anfang September mit dem ambitionierten An- und Umbau begonnen werden, für den seit Juli die Kosten in Höhe von 2,3 Millionen Euro abgesichert sind. „Wir sind mit sechs Wochen in Verzug“, sagte Max Kunze als Präsident der Winckelmann-Gesellschaft.

Bislang fehlte die Baugenehmigung, die durch die Stadt erteilt werden muss. Auf Anfrage der Volksstimme hieß es am Mittwoch aus dem Rathaus, dass die Baugenehmigung am Dienstag erteilt worden sei, nachdem just an diesem Tag ein noch fehlender Prüfbericht zur Statik der Gründungspfähle bei der Verwaltung eingegangen ist.

Chef war bisher nicht informiert

„Das ist eine sehr gute Nachricht, von der ich bisher nichts wusste“, sagte Kunze am Dienstag im Gespräch mit der Volksstimme. Jeweils dienstags tagt ein interner Bauausschuss, der das Projekt koordiniert. „Die Vertreter der Stadt haben die letzten zwei Wochen geschwänzt“, sagte Kunze. Von daher habe es von seiten der Verantwortlichen auch noch keine Information über die Baugenehmigung gegeben.

Was die Verzögerung jetzt für das Bauvorhaben bedeutet, konnte Kunze nicht ad hoc beantworten. „Wie wir voran kommen, hängt ja auch vom Wetter in diesem Winter ab“, so der Präsident. Es werde 2018 – zum 250. Todestag von Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) – eine große internationale Konferenz in Stendal geben. „Es wäre sehr peinlich, wenn das Bauvorhaben dann nicht fertig ist“, sagte Kunze. Zumal auch schon im kompletten Jahr 2017 gebaut wird, einem Jahr, dass von der Gesellschaft ebenfalls als Jubiläumsjahr begangen wird. Vor 300 Jahren, am 9. Dezember 1717, wurde Winckelmann, der als berühmtester Sohn der Stadt gilt und sich als Altertumsforscher einen Namen machte, in Stendal geboren.

Im Mai 2018 sollte alles fertig sein

Nach bisherigem Stand sollten die Bauarbeiten im Mai 2018 abgeschlossen sein. Nach dem um sechs Wochen verzögerten Baustart ist dieser Fertigstellungstermin nun in Frage gestellt.

Das Bauvorhaben ist umfangreich: Kernstück ist ein Anbau, der nach hinten in den Garten gerichtet ist und sich durch große Fenster und damit viel Licht in den Innenräumen auszeichnet. Das Gebäude ist hauptsächlich im ersten Stock als Bibliothek und Lesesaal vorgesehen. Im Erdgeschoss sollen der Museumsshop und die Kasse eingerichtet werden. Das bisherige Museum wird barrierefrei umgebaut und mit einem Fahrstuhl ausgestattet. Auch die Dauerausstellung wird neu konzipiert.

Das Gebäude ist im Besitz der Stadt, das Museum wird von der Winckelmann-Gesellschaft betrieben. Von den Projektkosten trägt die Stadt 230 000 Euro. Die restlichen 90 Prozent werden vom Land beigesteuert.