Stendal l Dass in den vergangenen Jahren ausreichend Geld zusammenkam, um die Restaurierung umzusetzen, freut alle Beteiligten. Dass vor gut 100 Jahren geplante Arbeiten am fehlenden Geld scheiterten, aber ebenso. Denn nachdem die über mehrere Jahrhunderte von weißer Farbe verdeckten Wandmalereien in St. Jacobi bei der Gesamtinstandsetzung der Kirche in den Jahren 1901/02 wiederentdeckt worden waren, gab es schnell einen Plan: mit Farbe die gefundenen Reste wieder nachzumalen. „Zum Glück ist das Geld ausgegangen“, sagte Diplom-Restauratorin Marie Heyer am Montag während ihres Vortrages. Sie hatte im vergangenen Jahr, zwischen Mai und Dezember, zusammen mit ihren Kolleginnen Daniela Arnold und Joana Schaer beide Wandmalereien restauriert.

Marie Heyer kennt die Malereien und die Jacobikirche schon einige Jahre länger, denn im Rahmen ihrer Diplomarbeit hat sie 2010 für das „Jüngste Gericht“ die Schäden, den Bestand und Zustand erfasst und ein Restaurierungskonzept erarbeitet. Anschließend wurde der „Heilige Christophorus“ untersucht. Eine Restaurierung sei im Rahmen der Diplomarbeit nicht möglich gewesen, „aber sie war dringend notwendig“, erklärte sie mit Blick auf die Schäden. Im vergangenen Jahr stand die Finanzierung.

Fördergeldgeber zeigten Geduld

„Es war spannend und aufregend“, fasste die Berlinerin gestern das Projekt und die Zeit in Stendal zusammen. Beide Wandmalereien seien für Sachsen-Anhalt „einmalig und künstlerisch extrem bedeutend“, schätzte sie ein. Das wissen auch alle, die das Vorhaben finanziell unterstützt haben, nachdem Pfarrer i.R. Karlheinrich Schroedter 2008 zu seinem 80. Geburtstag um Spenden für die Restaurierung der Malereien gebeten hatte. Insgesamt seien auf dem Spendenkonto 6160 Euro eingegangen, bedankte sich Schroedter, der 30 Jahre lang Pfarrer in St. Jacobi war.

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Den Großteil der Kosten von rund 60.000 Euro übernahmen das Land Sachsen-Anhalt und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Kreissparkasse Stendal.

Bei diesen Fördergeldgebern bedankte sich Pfarrer Thomas Krüger vor allem für ihre Geduld, „denn das ist nicht selbstverständlich“. Sie hätten nicht darauf gedrungen, dass die Arbeiten in dem Jahr abgeschlossen sein müssen, in dem das Geld bewilligt wurde. Über das Ergebnis freute sich unter anderem Patricia Werner von der Geschäftsführung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. Schon als sie 2010 die Wandmalereien zum ersten Mal gesehen hatte, haben diese „erstaunlich und zugleich ganz authentisch“ gewirkt. „Aber die Strahlkraft dieser beiden Wandmalereien, die nördlich der Alpen ihresgleichen suchen, ist nach der Sicherung und Restaurierung schlicht beeindruckend“, sagte sie.

Dass die vorreformatorischen Arbeiten auch heute noch eine aktuelle Botschaft haben, dass ein Dürer-Holzschnitt wahrscheinlich eine Vorlage für das „Jüngste Gericht“ war und welche Figuren dem Betrachter begegnen – Marie Heyer und Pfarrer Thomas Krüger konnten vieles zu den bedeutenden Wandmalereien berichten.