Stendal l Es ist die Befürchtung der Rathausspitze in Stendal, dass sich möglicherweise doch noch ein Kaufinteressent für die verbliebenen Wohnblöcke in Stendal-Süd findet und es wieder zu wenig steuerbaren Aktivitäten von Investoren kommt.

Am vergangenen Donnerstag kam der Immobilienmakler Michael Spillecke aus Salzgitter mit einem potenziellen Investor aus Hannover nach Stendal, um diesem die vier verbliebenen ehemaligen Raks-Blöcke mit den 340 weitgehend verwaisten Wohnungen zu zeigen. „Ich habe zwei Interessenten“, sagte Spillecke der Volksstimme.

Hausverwalter ließ sich nicht blicken

Allerdings musste der Hannoveraner Geschäftsmann, der noch vier Baufachleute mitgebracht hatte, unverrichteter Dinge wieder abziehen. Ein vereinbarter Termin mit dem Verwalter der Gebäude, Lothar Nehring, war geplatzt. „Der war telefonisch nicht zu erreiche“, sagte Spillecke, der sich enttäuscht von dem Verhalten zeigte.

Dass Schicksal der verbliebenen Wohnblöcke im einstigen Stendaler Vorzeigeviertel könnte auch so demnächst besiegelt werden. Für den 18. Mai ist am Stendaler Amtsgericht ein Termin für eine Zwangsversteigerung anberaumt. „Der Termin steht nach wie vor“, bestätigte Gerichtssprecherin Stephanie Hüttermann gestern auf nachfrage. Die Stadt hatte als ein Gläubiger das Verfahren in Gang gebracht. Die Raks AG, die als Vermieter der Blocks aufgetreten ist, aber wohl nie Eigentümerin war, hatte bei den Stadtwerken rund 130 000 Euro für Ver- und Entsorgungsleistungen Verbindlichkeiten angehäuft.

Blocks sind rund zwei Millionen Euro wert

Bereits 2009 hatte die türkisch-aserbaidschanische Firma ME Real Estate sechs Blocks erworben, aber wohl nie die volle Summe von 2,8 Millionen Euro bezahlt. Die Häuser waren recht gut vermietet. Jedoch wurden Rechnungen an die Stadtwerke nicht beglichen. Im Sommer 2014 wurde der Strom in den Fluren sowie das Wasser abgedreht. In der Folge zogen viele Mieter aus und fanden auch mit Hilfe der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG) neue Wohnungen. Derzeit wohnen noch einige vereinzelte Menschen in Süd – ohne Strom- oder Wasserversorgung.

Ein Gutachter hat den Verkehrswert der zur Zwangsvollstreckung vorgesehenen Gebäude auf 2,049 Millionen Euro festgelegt. Beim ersten Versteigerungstermin am 18. Mai muss mindestens die Hälfte der Summe geboten werden, um den Zuschlag erhalten zu können. Bei einem zweiten Termin könnten auch geringere Summen akzeptiert werden. Die Stadt darf als Gläubiger immer auch ein Wörtchen mitreden.

Der Investor, der sich die Blocks in dieser Woche zumindest von außen angesehen hat, sucht in Ostdeutschland Objekte, die er sanieren kann, wie er der Volksstimme sagte. Im gefalle die verkehrsmäßige Anbindung insbesondere Richtung Wolfsburg.